Dynamo trotzt der schlechten Corona-Stimmung: "Wir müssen runter vom hohen Ross"

Dresden - Man muss sich nur umschauen. Die Zuschauer dürfen wieder ins Stadion oder in die Halle. Die erlaubte Auslastung liegt derzeit fast überall bei 50 Prozent. Doch trotz der meist guten Stimmung bekommen die Vereine nicht einmal diese Hälfte voll. Die Fans bleiben weg - mit zwei sächsischen Ausnahmen.

Der Schlüssel für gut gefüllte Stadien: Dynamo-Trainer Alexander Schmidt (52) will die Fans an der Basis zurückgewinnen.
Der Schlüssel für gut gefüllte Stadien: Dynamo-Trainer Alexander Schmidt (52) will die Fans an der Basis zurückgewinnen.  © Lutz Hentschel

Die Gründe dafür sind vielschichtig. Der Hauptgrund: Die Impfquote ist noch immer zu gering. Sich testen zu lassen, um ein Sportereignis zu besuchen, darauf haben die wenigsten Bock - oder sie sind halt komplett gegen sämtliche Schutzmaßnahmen.

Für den Schwund gibt es genügend Beispiele: Der FC Erzgebirge Aue durfte gegen Sandhausen 12.000 Fans zulassen, 6600 waren da. Gegen Düsseldorf waren 7000 erlaubt, wieder waren es nur knapp über 6000.

Der FSV Zwickau konnte zu Beginn gar zu 100 Prozent auslasten, jetzt sind es 50. Nie waren mehr als 4600 Fans im Stadion - von bis zu 10.000 möglichen.

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Handball-Zweitligist EHV Aue hätte zum Auftakt gegen TuSEM Essen 1100 Fans in die Halle lassen können, 697 waren es. Bei Liga-Kontrahent HC Elbflorenz war es ähnlich. 956 waren gegen Emsdetten zugelassen, 619 waren da.

Nur zwei Dresdner Vereine trotzten zuletzt dem Zuschauerschwund. Dynamo Dresden und die Dresden Monarchs!

Gegen Paderborn füllten die erlaubten 16.000 Zuschauer das Harbig-Stadion zumindest zur Hälfte.
Gegen Paderborn füllten die erlaubten 16.000 Zuschauer das Harbig-Stadion zumindest zur Hälfte.  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

SGD-Trainer Schmidt: "Müssen die Fans an der Basis wieder zurückgewinnen"

Beim Testspiel in Pirna demonstrierten die Dynamos Fannähe - hier schreibt Philipp Hosiner (32, r.) fleißig Autogramme.
Beim Testspiel in Pirna demonstrierten die Dynamos Fannähe - hier schreibt Philipp Hosiner (32, r.) fleißig Autogramme.  © Lutz Hentschel

Die SGD durfte zum letzten Heimspiel gegen Paderborn 16.000 Fans reinlassen - und die kamen auch. Unerwähnt darf aber auch nicht bleiben, dass zuvor zweimal nicht die mögliche Grenze der Auslastung erreicht wurde.

Doch der Trend stimmt zumindest bei den Schwarz-Gelben. "Ich glaube, in Dresden haben wir damit nicht so große Probleme, weil die Zuschauer einfach enthusiastisch sind", sagt Dynamo-Trainer Alexander Schmidt (52).

"Aber wenn man vorige Saison Champions League geschaut hat vor leeren Rängen, eine komische Atmosphäre, hat man irgendwie die Lust verloren auch an Spitzenspielen. Es war einfach keine Stimmung, nichts los."

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Schmidt hat auch eine Lösung parat, wie die Fans wieder dauerhaft und in großer Zahl ins Stadion gelockt werden können: "Wir müssen die Fans an der Basis wieder zurückgewinnen, damit sie wieder so richtig Lust haben auf Fußball. Das ist der Schlüssel. Wir müssen runterkommen von einem hohen Ross, zu denken, es geht alles automatisch, die Stadien sind immer voll."

Ehrliche, richtige Worte. Die Dresdner lebten das bei ihrem Gastspiel in Pirna gegen Usti nad Labem vor. Sie waren erstmals (außerhalb eines Trainingslagers) wieder in der Region zu einem Spiel - und sie zeigten sich volksnah, schwatzten mit den Fans, machten Selfies und schrieben fleißig Autogramme.

Titelfoto: Lutz Hentschel

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