Dynamos Saison im Eiltempo: Pokaltriumph, schwerer Start, volles Risiko, Meisterleistung

Dresden - Der 21. Juni 2020: Dynamo Dresden gewinnt am vorletzten Spieltag in Sandhausen 1:0 und muss dennoch runter. Eine bittere Stunde nach dem Mammut-Programm durch die Corona-Quarantäne vor dem Re-Start.

Das sensationelle 4:1 im DFB-Pokal gegen den Hamburger SV im September 2020 stellte sich letztendlich als psychologischer Rucksack für die Mannschaft heraus.
Das sensationelle 4:1 im DFB-Pokal gegen den Hamburger SV im September 2020 stellte sich letztendlich als psychologischer Rucksack für die Mannschaft heraus.  © Lutz Hentschel

Alle Spiele nach der Pause habe ich live gesehen. Ich bin nur gefahren, in 21 Tagen knapp 5000 Kilometer. Bielefeld am Montag, Kiel am Donnerstag, der SVS am Sonntag.

Der Akku war leer und ich musste nicht spielen. "Das wird schwer, gleich wiederzukommen. Hier fliegt ja alles auseinander", sage ich zu einem Kollegen.

Im August im Trainingslager in Heilbad Heiligenstadt kommt der Moment: Könnte was werden.

Die von Sportgeschäftsführer Ralf Becker neu zusammengestellt Mannschaft ist gut.

Doch gleich zu Beginn der Saison taucht ein Zweifel auf. Das 4:1 gegen den HSV im DFB-Pokal ist zu hoch, zu gut. Daran wird die Truppe gemessen. Das kann nicht gutgehen, das wird dem Team nicht gerecht. Die ersten Spiele der Meisterschaft bestätigen das.

Ich habe dann mal einen Vergleich mit Aue angestellt. Ich weiß, verpönt. Trotzdem: Der FCE stolperte in der Saison 2015/16 anfangs durch die Liga.

Bis es zu einem Schlüsselmoment kam, einem 2:1-Sieg im November in Chemnitz nach 0:1-Rückstand. Ab da lief es, die Veilchen stiegen hinter Dynamo auf.

Die Dynamos feierten den Aufstieg noch auf dem Rasen mit Pizza und Bier.
Die Dynamos feierten den Aufstieg noch auf dem Rasen mit Pizza und Bier.  © Lutz Hentschel

Dynamo Dresden hat sich auch von vielen Verletzungen nicht aus der Bahn werfen lassen

Der Baumeister des Aufstiegs: Ralf Becker war nach der Partie gegen Türkgücü freudetrunken.
Der Baumeister des Aufstiegs: Ralf Becker war nach der Partie gegen Türkgücü freudetrunken.  © Lutz Hentschel

Und wie sich die Bilder doch gleichen. Dresdens Moment war das 2:1 im November gegen 1860 daheim - nach 0:1. Ab da ist das Gefühl da, das ist zu packen. Jetzt gleich nach dem Abstieg. Die Mannschaft hat sich gefunden.

Aue blieb damals von Verletzungen verschont, Corona war eine mexikanische Biersorte, die Fans peitschten das Team nach vorn.

All das hatte die SGD nicht. Mal vom Beginn abgesehen, sitzen die Anhänger vorm TV und bei Dynamo jagt eine Hiobsbotschaft die nächste.

Was mit der schweren Knieverletzung von Chris Löwe beginnt, zieht sich wie ein roter Faden durch die Saison. Sebastian Mai, Marco Hartmann, Robin Becker, Patrick Wiegers, Patrick Weihrauch, Jonathan Meier, Leroy Kwadwo - alle lange verletzt oder immer noch außer Gefecht.

Markus Kauczinski findet Lösungen, immer wieder. Auch Corona oder der viele Schnee im Winter kann das Team nicht aufhalten.

Bis eben Kauczinski im April keine Lösungen mehr findet.

Nach dem 0:2 in Unterhaching zweifle ich. Die Konkurrenz lässt nicht locker. Dann kommt das 0:3 gegen Halle. Das war es, so mein Gedanke. Und den hat wohl auch Ralf Becker. Er geht volles Risiko, das ist er sich sicher bewusst. Geht das mit dem Trainerwechsel hin zu Alexander Schmidt schief, sind auch seine Tage früh gezählt.

16. Mai 2021: Es geht nicht schief. Schmidt und das Team performen in den fünf Spielen nahezu perfekt. Das 4:0 gegen Türkgücü ist die Meisterleistung. Der Impuls, so muss ich zugeben, ist der Aufstieg. Glückwunsch!

Titelfoto: Lutz Hentschel

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