"Wunschtransfer": Wandervogel Petar Sliskovic wechselt zu Türkgücü München!

München - Ein Wandervogel hat seinen zehnten Profiverein gefunden! Petar Sliskovic (29) hat sich am Freitag Drittliga-Aufsteiger Türkgücü München angeschlossen. 

Petar Sliskovic (M.) entwickelte sich in den letzten Jahren immer mehr zum Wandervogel. Türkgücü ist bereits sein zehnter Klub im Männerbereich.
Petar Sliskovic (M.) entwickelte sich in den letzten Jahren immer mehr zum Wandervogel. Türkgücü ist bereits sein zehnter Klub im Männerbereich.  © Picture Point / Gabor Krieg

Der bullige Mittelstürmer wechselt vom MSV Duisburg in die bayrische Landeshauptstadt, wo man sich auf den 1,93 Meter großen Angreifer freut: "Petar ist ein erfahrener Profi, der die Qualität in unserem Kader anheben und das Offensivspiel beleben soll. Wir sind sehr froh, dass wir diesen Wunschtransfer durchsetzen konnten", erklärte sich Türkgücü-Kaderplaner Roman Plesche auf der Vereinswebsite

Sliskovic selbst erklärte: "Türkgücü München hat sich sehr um mich bemüht und ich bin gespannt, was mich erwarten wird. Die Verantwortlichen haben bei mir einen sehr positiven Eindruck hinterlassen und wirken sehr hartnäckig und extrem motiviert. Ich möchte die in mich gesetzten Erwartungen erfüllen und mithelfen, dass wir uns als Aufsteiger in der starken dritten Liga schnell akklimatisieren und unsere Ziele erreichen."

Besonders überraschend kommt der Transfer deshalb, weil Duisburg erst am vergangenen Samstag verkündet hatte, dass Sliskovic ein Zebra bleiben wird. Dort sagte MSV-Sportdirektor Ivica Grlic noch: "Wir bauen auf ihn!"

Nun, nur wenige Tage später, besserten die Münchner finanziell offenbar so sehr nach, dass es doch zum Wechsel kam. Die Meidericher zitierten Grlic auf ihrer Homepage vielsagend: "Für uns war sein Verbleib bei uns nach dem vergangenen Samstag eigentlich klar. In den vergangenen vier, fünf Tagen ist dann aber mit einem erneuten Angebot noch einmal Bewegung in die Sache gekommen, und wir haben uns dann nach vielen und intensiven internen Gesprächen entschieden, Petar abzugeben."

Türkgücü München stellt Petar Sliskovic bei Instagram als Neuzugang vor

MSV Duiburg gibt den Abgang von Petar Sliskovic bekannt

Wenige Tage zuvor hatte der MSV Duisburg den Verbleib von Petar Sliskovic verkündet

Petar Sliskovic war beim MSV Duisburg nur Ersatzmann für Vincent Vermeij

Vincent Vermeij (l.) war in der vergangenen Saison beim MSV Duisburg im Sturmzentrum gesetzt. Petar Sliskovic kam an ihm nicht vorbei.
Vincent Vermeij (l.) war in der vergangenen Saison beim MSV Duisburg im Sturmzentrum gesetzt. Petar Sliskovic kam an ihm nicht vorbei.  © Picture Point / Gabor Krieg

Duisburg will sich in den kommenden Tagen und Wochen auf die Suche nach einem neuen Stürmer begeben, sich aber Zeit lassen und "keinen Schnellschuss machen", weil "das Transferfenster noch länger offen ist." Man wolle einen Akteur finden, der "perfekt zum Verein" passe.

Einer, der vielleicht besser passt, als es bei Sliskovic der Fall war. Denn dass er sich woanders versucht, ist aus der sportlichen Sicht aller Beteiligten nachvollziehbar. 

Er kam beim MSV in der Vorsaison nämlich nur einmal über die gesamten 90 Minuten zum Einsatz und war davon abgesehen der Ersatzmann für Stammstürmer Vincent Vermeij, der das Vertrauen mit 16 Treffern und sieben Vorlagen in wettbewerbsübergreifend 36 Einsätzen zurückzahlte.

Sliskovic kam zwar auf 28 Spiele, erzielte aber lediglich vier Tore und gab eine Vorlage. Wenig verwunderlich, dass er mit dieser Situation nicht zufrieden war. Allerdings wird er auch bei Türkgücü hart um einen Stammplatz kämpfen müssen. Schließlich gaben die Münchner nur Goalgetter Patrick Hasenhüttl (SpVgg Unterhaching) ab, holten aber neben Sliskovic auch noch Tom Boere vom KFC Uerdingen und Daniele Gabriele vom FC Carl Zeiss Jena. Sie alle haben ihre Torgefahr in der 3. Liga bereits nachgewiesen.

Das scheint den ehemaligen kroatischen U21-Nationalspieler aber nicht zu stören, der einst als großes Talent galt. In seinem ersten A-Jugend-Jahr wurde er 2009 unter Trainer Thomas Tuchel und an der Seite vom späteren Weltmeister André Schürrle Deutscher U19-Meister mit dem 1. FSV Mainz 05. 

Thomas Tuchel setzte beim 1. FSV Mainz 05 auf Petar Sliskovic

Der heutige PSG-Erfolgscoach Thomas Tuchel wurde mit Petar Sliskovic A-Jugend-Meister und verhalf ihm zu seinem Profidebüt.
Der heutige PSG-Erfolgscoach Thomas Tuchel wurde mit Petar Sliskovic A-Jugend-Meister und verhalf ihm zu seinem Profidebüt.  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Am 29. Januar 2011 verhalf ihm der heutige Coach des Champions-League-Finalisten FC Paris Saint-Germain dann auch noch zu seinem Profidebüt. Beim 1:0-Sieg der Mainzer beim 1. FC Kaiserslautern wurde Sliskovic in der 73.Minute für Torschütze Lewis Holtby eingewechselt.

Nur zwei Wochen später erzielte er bei der 2:4-Niederlage beim 1. FC Köln sein erstes Bundesliga-Tor und traf kurz vor Schluss nach Vorlage des späteren englischen Meisters Christian Fuchs zum Endstand.

Am 19. März 2011 folgte dann eines dieser Highlights, von denen jeder Fußballer träumt. Mainz lag bei Borussia Dortmund vor 80.270 Zuschauern durch ein Kopfballtor von Mats Hummels lange mit 0:1 hinten. Tuchel wechselte Sliskovic in der 79. Minute für Sami Allagui ein. Sein Joker stach zwei Minuten vor Schluss und traf gegen die Mannschaft von Jürgen Klopp nach einer Flanke von Marcel Risse zum 1:1-Endstand.

Dennoch hatte er auf Dauer keine Chance, an Adam Szalai und Schürrle vorbeizukommen. In der Folgesaison waren Allagui, Eric Maxim Choupo-Moting und Anthony Ujah vor ihm, weshalb er in der Saison 2011/12 an den FC St. Pauli verliehen wurde (neun Spiele, eine Vorlage).

Nach diesem ebenfalls unglücklich verlaufenen Jahr verlieh ihn Mainz an Dynamo Dresden, wo er mit Mickael Pote, Lynel Kitambala und Pavel Fort aber ebenfalls große Konkurrenz hatte und schon in der Winterpause nach nur zehn Kurzeinsätzen zum FSV zurückkehrte. 

Petar Sliskovic konnte sich beim 1. FSV Mainz 05 auf Dauer nicht durchsetzen

Petar Sliskovic (l.) war erst im vergangenen Sommer von Drittliga-Absteiger VfR Aalen zum MSV Duisburg gewechselt, wo er über eine Rolle als Ersatzspieler aber nicht hinauskam.
Petar Sliskovic (l.) war erst im vergangenen Sommer von Drittliga-Absteiger VfR Aalen zum MSV Duisburg gewechselt, wo er über eine Rolle als Ersatzspieler aber nicht hinauskam.  © Picture Point / Gabor Krieg

Hier holte er sich in der U23 mit 14 Toren in 17 Einsätzen wieder Selbstvertrauen und wurde von Tuchel mit einem weiteren Erstliga-Einsatz dafür belohnt. 

In der Saison 2013/14 hatte er dann entscheidenden Anteil am Aufstieg der zweiten Mannschaft in die 3. Liga. In 26 Regionalliga-Partien netzte er 23 Mal ein und gab vier Assists. 

Doch in der Bundesliga-Mannschaft wurde er erneut nur zweimal eingewechselt. Da sich das in der Folgesaison nicht änderte, verließ er Mainz und schloss sich ablösefrei dem Schweizer Erstligisten FC Aarau an (31 Spiele, fünf Tore, zwei Vorlagen).

Im Januar 2016 kehrte er nach Deutschland zurück und spielte für den damaligen Drittligisten Stuttgarter Kickers (zehn Partien, kein Tor, keine Vorlage), stieg am Ende in die vierte Liga ab.

Nach nur einem halben Jahr schloss er sich dann dem Halleschen FC an, wo er sich aber in seinen sechs Monaten nicht durchsetzen konnte (zehn Spiele, kein Treffer, kein Assist), weshalb er an die U23 der Mainzer ausgeliehen wurde, für die er in 15 Einsätzen sechs Mal traf.

Mit neuem Selbstvertrauen ausgestattet startete er einen weiteren Anlauf in Halle und überzeugte dort mit vier Toren und einer Vorlage in neun Einsätzen, ehe ihn eine schwere Knieverletzung nahezu die gesamte restliche Saison außer Gefecht setzte. 

Petar Sliskovic zeigte beim FC Viktoria 1889 seine Stärken und Schwächen

Dynamo Dresden war für Petar Sliskovic (r.) eine von mehreren Leihstationen, bei der er sich nicht durchsetzen konnte.
Dynamo Dresden war für Petar Sliskovic (r.) eine von mehreren Leihstationen, bei der er sich nicht durchsetzen konnte.  © Imago Images / Picture Point

Er schloss sich dann im Sommer 2018 dem ambitionierten Berliner Regionalligisten FC Viktoria 1889 an, für den er zwölf Tore in 16 Einsätzen erzielte, aber auch zeigte, warum es bei ihm nie dauerhaft für die oberen Klassen gereicht hatte.

Wenn Sliskovic einen Lauf hat, dann ist er mit seiner körperlichen Wucht, seiner Technik, seinem Selbstvertrauen und seinem Instinkt für Räume auch für Profis nur schwer zu verteidigen. In der Regionalliga war das besonders vom 26. August 2018 bis zum 16. September 2018 zu sehen. Da schoss er satte sieben Tore in vier Spielen und sorgte bei den Himmelblauen für Begeisterung.

Anschließend traf er jedoch bis Ende November nicht mehr, haderte erkennbar mit sich, seiner Chancenverwertung, seinen Mitspielern und wirkte trotz seiner erkennbar hohen individuellen Klasse mitunter wie ein Fremdkörper im Spiel seiner Mannschaft.

Dennoch wurde er im Winter, nachdem Viktorias chinesischer Geldgeber abgesprungen war, vom abstiegsbedrohten Drittligisten VfR Aalen geholt, für den er sechs Tore in 16 Spielen erzielte, den Gang in die Viertklassigkeit aber nicht verhindern konnte.

Im Sommer 2019 kam es dann zu besagtem Transfer nach Duisburg. Nun startet er also bei Türkgücü seinen nächsten Anlauf im Profibereich.

Titelfoto: Imago Images / Picture Point

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