Fall Eriksen: Dynamo Dresden hat einen Defibrillator immer einsatzbereit

Dresden - Dynamo Dresden startet mit der Leistungsdiagnostik in die Vorbereitung. Einer der Schwerpunkte beim Gesundheitscheck: das Herz-Kreislauf-System.

Dänen-Kapitän Simon Kjaer (32, Nr. 4) war am Samstag der Held. Erst leistete er bei Christian Eriksen Erste Hilfe und rettete ihm so das Leben. Später organisierte er die Spielerkette als Sichtschutz und dann tröstete er noch Eriksens Lebensgefährtin auf dem Platz.
Dänen-Kapitän Simon Kjaer (32, Nr. 4) war am Samstag der Held. Erst leistete er bei Christian Eriksen Erste Hilfe und rettete ihm so das Leben. Später organisierte er die Spielerkette als Sichtschutz und dann tröstete er noch Eriksens Lebensgefährtin auf dem Platz.  © imago images/Lehtikuva

Nach den Ereignissen am Sonnabend bei der Europameisterschaft 2020 rund um den Dänen Christian Eriksen (29) liegt darauf ein besonderes Augenmerk.

"Wir sind froh, dass wir in dieser Beziehung mit dem Herzzentrum-Dresden einen zuverlässigen Partner und absoluten Spezialisten an unserer Seite haben", sagt Dynamos Mannschaftsarzt Dr. Onays Al-Sadi.

Mindestens zweimal pro Jahr werden die Profis der SGD buchstäblich auf Herz und Nieren gecheckt, um mögliche Krankheiten oder Veränderungen festzustellen und handeln zu können.

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"Im Grunde sind sie immer unter Beobachtung, werden hochprofessionell betreut. Nicht nur bei uns. Das ist im Profisport allgemein notwendig. Aber zu 100 Prozent ausschließen kann man einen Herzstillstand nie", so Al-Sadi.

Eriksen ist das beste Beispiel dafür. Der Dynamo-Doc hat das Spiel selbst nicht gesehen, sich aber dann die Zusammenfassung angeschaut. "Ein Schock", sagt er. Weshalb das Herz des Dänen plötzlich stehen blieb, darüber gibt es noch keine gesicherten Aussagen.

"Ein gesunder Sportler fällt nicht einfach um. In den allermeisten Fällen ist das Herz dann eben doch vorgeschädigt, eine Herzmuskelentzündung, Rhythmusstörungen oder eine verschleppte Grippe können Ursachen sein", so Al-Sadi.

Dynamos Mannschaftsarzt Dr. Onays Al-Sadi (l.) wird auch am heutigen Donnerstag wieder mit seinen Kollegen die Leistungsdiagnostik der Spieler überwachen.
Dynamos Mannschaftsarzt Dr. Onays Al-Sadi (l.) wird auch am heutigen Donnerstag wieder mit seinen Kollegen die Leistungsdiagnostik der Spieler überwachen.  © SGD/Steffen Kuttner

Dynamo Dresdens Teamarzt Dr. Onays Al-Sadi regt Erste-Hilfe-Kurse für den Nachwuchs

Auch bei Dynamo immer griff- und einsatzbereit: ein Defibrillator.
Auch bei Dynamo immer griff- und einsatzbereit: ein Defibrillator.  © imago images/MIS

Dänen-Kapitän Simon Kjaer (32) und die Mannschaftsärzte retteten Eriksen das Leben. Und ein Defibrillator. Durch gezielte Stromstöße kam der Spieler zurück ins Leben.

"Wir bei Dynamo sind auf solche Situationen ebenfalls vorbereitet. Ein Defibrillator ist bei jedem Training und bei jedem Spiel immer einsatzbereit. Zudem ist stets medizinisches Personal vor Ort, auch beim Training", erklärt Al-Sadi und kommt auf die Rolle von Kjaer zu sprechen.

Er leistete Erste Hilfe und somit einen entscheidenden Teil. Der italienische Fußballverband regte nun einen Erste-Hilfe-Kurs für alle Profisportler an.

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"Da bin ich dafür", so der Mannschaftsarzt. "Das halte ich für zwingend notwendig, um eben die Griffe zu kennen, wenn so etwas passiert. Aber ich gehe noch weiter: Die mediale Aufmerksamkeit sollte jetzt genutzt werden. Selbst in den Grundschulen sollten schon solche Kurse angeboten werden. Je früher, umso besser".

Das meint der Doc nicht nur in Bezug auf die Erste Hilfe, sondern auch auf Untersuchungen bezogen, Al-Sadi: "Wir müssen uns in dieser Beziehung noch mehr um den Nachwuchs kümmern. Wer Leistungssport betreibt, sollte je nach Sportart schon ab 12, spätestens mit 14 oder 15 regelmäßig untersucht werden. Vorbeugen ist immer besser als retten."

Titelfoto: SGD/Steffen Kuttner

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