Dresden - Kurz ausruhen, Luft holen, Kraft sammeln, die Ansprache des Trainers verfolgen. So sahen Halbzeitpausen vor Jahren aus. Das war einmal, heute sind diese hochkomplex. Valentin Vochatzer (31) ist Co-Trainer und Videoanalyst bei Dynamo Dresden. Im Podcast "1x1Sport" erklärt er auf ganz interessante Art und Weise, wie die 15 Minuten zwischen den Halbzeiten gestaltet werden. Klar wird: abschalten ist nicht.
Vochatzer sitzt in der ersten Halbzeit auf der Tribüne und geht von der ersten Sekunde an in die Videoanalyse. Dann geht das sogenannte "Live Tagging" los: "Das kann man sich so vorstellen: Ich sitze in der ersten Halbzeit oben mit meinem Laptop, habe das Videobild. Ich habe das TV-Bild, kann auf beide Hintertor-Kameras und auf den Scouting-Feed zugreifen. Wir nehmen das Spiel aus vier verschiedenen Kamera-Perspektiven auf", so Vochatzer in dem Podcast.
Mit einer Software kann er die für ihn entscheidenden Sequenzen herausschneiden. "Mit der Software habe ich die Möglichkeit, über eine LAN-Verbindung die gesamten Szenen, die ich filtere, plus die Videobilder runter an die Bank zu senden", so der 31-Jährige.
"Dort ist ein iPad, das steht vor dem Platz des Cheftrainers. So hat er schon während der ersten Halbzeit die Möglichkeit, sich vorgefertigte Szenen anzuschauen."
Direkt nach dem Pausenpfiff beginnt eine klar strukturierte Abfolge, wie der Co-Trainer erklärt. Chefcoach Thomas Stamm (43) und Vochatzer besprechen die Szenenauswahl. Bis zu fünf Videosequenzen werden an der Videowand präsentiert.
Video-Analyse: Valentin Vochatzer geht nicht nur auf Fehlersuche
Stamm moderiert, danach gibt es kurze Einzelgespräche mit bestimmten Spielergruppen. Die Spieler werden dabei aktiv eingebunden. Bewusst zeigt das Team nicht nur Fehler, sondern sucht zu jedem kritischen Thema auch eine positive Szene - um Vertrauen zu stärken und Inhalte positiv zu verankern. Und manchmal fällt das Video ganz weg: Wenn Haltung oder Intensität nicht stimmen, geht es zuerst um den Menschen, nicht um die Taktik.
Übrigens: Vochatzers Geschichte ist keine klassische Trainer-Karriere. Er spielte selbst Regionalliga, absolvierte parallel dazu den Zertifikatsstudiengang Spieleranalyse an der Deutschen Sporthochschule Köln zusammen mit dem DFB - das sogenannte "Team Köln".
Eine schwere Verletzung beendete seine aktive Karriere früher als geplant und gab seinem Trainerweg neuen Schwung.
Es folgten Stationen bei der SC Freiburg "U19" (schon unter Stamm), der FC Bayern München II. und schließlich als Co-Trainer der Freiburger "U23" unter Stamm - dem er letztendlich auch nach Dresden folgte, wo er seit Sommer 2024 bei den Profis arbeitet.