Gründe für Dynamos Formtief: Verletzungspech, keine Platzhirsche, Taktik

Dresden - Was am 2. Oktober seinen Anfang nahm, endete am 11. April. Die Fahrten in den blau-weißen Weißbier-Freistaat konnten in der Tat nur mit einer Menge Hopfenkaltschalen verdaut werden.

Er kann derzeit nur laufen, fehlt seinem Team aber extrem: Patrick Weihrauch (27).
Er kann derzeit nur laufen, fehlt seinem Team aber extrem: Patrick Weihrauch (27).  © Lutz Hentschel

0:3 bei den kleinen Bayern, dreimal 0:1 in Ingolstadt, bei Türkgücü sowie 1860 und jetzt das 0:2 in Unterhaching. 15 Punkte verspielt! War es anfangs Pech, ist es das längst nicht mehr. Es hat Gründe.

Personelle Ausfälle

Chris Löwe (31), Sebastian Mai (27), Marco Hartmann (32), Patrick Weihrauch (27), Robin Becker (24), Leroy Kwadwo (24) und Yannick Stark (30) - sie alle waren im Laufe der Saison schwer verletzt oder sind es noch.

Jetzt kommen Heinz Mörschel (23) und Jonathan Meier (21) dazu. Beide zogen sich einen Muskelfaserriss im Oberschenkel zu, fallen auf unbestimmte Zeit aus. Das wird so langsam zum ganz großen Problem, denn das sind alles Stammspieler.

Gegen Duisburg am Sonnabend fehlen bis auf Stark und hoffentlich Löwe alle - Mai jetzt wegen seiner 5. Gelben. Das kann Dynamo fürchterlich auf die Füße fallen, es ist ein großer Substanzverlust.

Das zu überbrücken, scheint fast ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Die Mannschaft stellt sich fast von allein auf, in der Abwehr macht sie nicht mal das. Dieses Verletzungspech ist aber auch irre.

Ein enttäuschter Kapitän: Sebastian Mai (27) kämpft derzeit zu sehr mit sich selbst. Der Bär von Mann muss jetzt aber vorangehen, die anderen mitreißen.
Ein enttäuschter Kapitän: Sebastian Mai (27) kämpft derzeit zu sehr mit sich selbst. Der Bär von Mann muss jetzt aber vorangehen, die anderen mitreißen.  © imago images/Fotostand

Dynamo Dresdens Leader sind momentan zu sehr mit sich selbst beschäftigt

Seine Truppe spielte in den vergangenen Partien zu starr, ohne überraschende Momente: Dynamo-Trainer Markus Kauczinski (51).
Seine Truppe spielte in den vergangenen Partien zu starr, ohne überraschende Momente: Dynamo-Trainer Markus Kauczinski (51).  © picture point/Sven Sonntag

Fehlende Führungsfigur(en)

Die Aura von Hartmann fehlt. Auch mit ihm hat Dynamo in den Vorjahren Spiele verloren, aber Unterhaching wäre mit ihm so nicht passiert. Weitere Platzhirsche sind nicht zu sehen - auch Kapitän Sebastian Mai und sein Vize Yannick Stark nicht. Beide sind zu sehr mit sich beschäftigt, suchen ihre Form.

Keiner gab in den zurückliegenden Spielen mal ein Signal, weder verbal noch mit einer dem Gegner schmerzenden Grätsche. Wie ruhig und emotionslos es nach dem Elfmeterpfiff vorm 0:2 war, spricht Bände. Schon klar, ein Schiri nimmt einen Elfer selten zurück. Aber dass sich gar keiner aufregte, verwunderte. Das Signal des Aufbruchs fehlt!

Marvin Stefaniak (26) war eine Führungsrolle ebenfalls zugetraut worden. Doch er spielt selten und wenn, hat er Angst, Fehler zu machen. Das bedeutet für ihn gleich wieder Bank. Ihm fehlt das Selbstvertrauen. Mit jenem hätte er bei seiner Großchance Jo Coppens (30) durchs Netz ins dahinter liegende Wirtshaus an den Stammtisch geschossen.

Wenig flexibel

Dynamo spielt starr und ist für mittlerweile jeden leicht ausrechenbar. Beispiel Unterhaching: 3-4-1-2 - Dreierkette, davor vier Mittelfeldspieler, ein Zehner und zwei Stürmer. Die SpVgg hatte es wie einige Teams vorher entschlüsselt. Statt spätestens zur Halbzeit auf 3-4-3 oder 4-3-3 umzustellen ließ Kauczinski so weiterspielen, wechselte positionsgetreu. Es kommt nichts Überraschendes derzeit.

Titelfoto: imago images/Fotostand

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