Melichenko bei Dynamo einer für die Zukunft? "Würde gern hierbleiben"

Dresden - Als die Anfrage kam, haben Dynamos Verantwortliche um Sportgeschäftsführer Ralf Becker nicht lange gezögert und Kyrylo Melichenko (22) nach Dresden geholt. Aktuell darf sich der Ukrainer bei der SGD nur fit halten, doch wäre er auch ein Mann für die nächste Saison?

Kyrylo Melichenko (22) kann sich derzeit bei Dynamo nicht nur fithalten, er möchte sich auch zeigen.
Kyrylo Melichenko (22) kann sich derzeit bei Dynamo nicht nur fithalten, er möchte sich auch zeigen.  © Lutz Hentschel

"Man sieht, dass er bei uns mithalten kann. Er macht einen guten Job und fühlt sich wohl, auch wenn er nicht alles versteht. Das ist ein guter Junge", lobt Heiko Scholz den 22-Jährigen.

Dynamos Co-Trainer hatte Melichenko nach dessen Ankunft unter seine Fittiche genommen, ihn im Einzeltraining auf Herz und Nieren geprüft.

"Die Stunde, die er sich hier bewegt, fühlt er sich pudelwohl. Mehr können wir auch nicht machen. Wir können ihn nur ablenken und schauen, dass er fit bleibt, um seine Karriere fortsetzen zu können", erklärt "Scholle".

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Wo der Profi vom FK Mariupol wieder Fußball spielen kann, darüber macht sich Melichenko derzeit relativ wenig Gedanken. Dennoch könnte sich der Außenverteidiger durchaus vorstellen, künftig auch für Dynamo zu spielen.

"Es gefällt mir hier, es hängt aber auch vom Verein ab. Wenn es möglich wäre, würde ich gern hierbleiben", erklärt der Ukrainer.

Im Kopf ist derzeit aber vor allem die Zerstörung seiner Heimat allgegenwärtig. Das Haus, in dem er und seine Freundin Anya Shevchuk in der ukrainischen Hafenstadt Mariupol lebten, ist niedergebrannt. Alle Habseligkeiten wurden dabei zerstört.

Die Freundin von Kyrlo Melichenko schrieb die SGD an

Freundin Anya Shevchuk hatte für Kyrylo Melichenko das Engagement bei der SGD ins Rollen gebracht.
Freundin Anya Shevchuk hatte für Kyrylo Melichenko das Engagement bei der SGD ins Rollen gebracht.  © privat

Melichenko kam in Dresden nur mit einem Outfit an, dass er auch im Trainingslager in der Türkei mit dem FK Mariupol dabei hatte.

Hier konnte er auch seine Freundin wieder in den Arm nehmen, die er zuletzt - bis auf zwei Tage im Februar - im Januar vor seiner Abreise in die Türkei gesehen hatte.

Sie brachte das Engagement in Dresden überhaupt erst ins Rollen.

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"Wir haben eine E-Mail bekommen von seiner Freundin, sie hat mit Sicherheit viele Vereine angeschrieben. Dann ging es relativ schnell", erklärt Becker.

Shevchuk spricht gutes Deutsch, die 22-Jährige lebte ein Jahr in Potsdam für ein Praktikum als Krankenschwester. Sie hilft ihrem Freund viel, wie auch Dynamos russischer Torwart Anton Mitryushkin.

"Ich habe viel Kontakt mit Anton, er hilft mir sehr. Er kennt die Wahrheit über diesen Krieg, wir reden aber nicht viel darüber", so Melichenko. "Politik ist immer noch Politik."

Der Fußball hilft ihm, zumindest kurzzeitig abzuschalten. Doch einige Freunde und die Eltern der beiden müssen noch immer in der Westukraine auf ein baldiges Ende des Krieges hoffen. Der Gedanke daran lässt ihre Stimmen zittern.

Titelfoto: Lutz Hentschel

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