Minge-Aus bei Dynamo? Kein neuer Vertrag in Sicht

Dresden. - Die SG Dynamo Dresden steckt in ihrer schwersten sportlichen Krise der vergangenen Jahre - und die könnte sich noch drastisch verschärfen. Stand jetzt gibt es zum 1. Juli keinen Sportgeschäftsführer. Das Arbeitspapier von Ralf Minge endet zum 30. Juni. Verlängert wurde der Vertrag noch nicht. Muss er also gehen?

Erst Spieler, dann Trainer, jetzt Sportchef - Ralf Minge ist ein Dynamo-Idol, ein Denkmal bei den Schwarz-Gelben. Nun aber könnte seine Zeit abgelaufen sein ...
Erst Spieler, dann Trainer, jetzt Sportchef - Ralf Minge ist ein Dynamo-Idol, ein Denkmal bei den Schwarz-Gelben. Nun aber könnte seine Zeit abgelaufen sein ...  © Lutz Hentschel

Rückblende: Im Spanien-Camp im Januar äußerte Minge, er werde sich im Februar entscheiden. Der Monat verstrich ergebnislos, dann kam die Corona-Krise. Dynamo hatte sich um andere Dinge zu kümmern, das Problem blieb und ist immer noch da. 

Am 18. Mai gab es eine Aufsichtsratssitzung, der 59-Jährige bestätigte Tage vorher, "dass es dabei auch um meine Person gehen wird". 

Ein Anfrage vom Montag an Dynamo wurde am Dienstag wie folgt vom Aufsichtsrat beantwortet: 

"Wir befinden uns derzeit in intensiven Gesprächen mit Ralf Minge. Die Gespräche führen wir selbstverständlich intern und vertraulich, so dass es zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine weiterführenden Informationen mitzuteilen gibt.”

Also nichts Genaues weiß man nicht. 

Minge soll nach TAG24-Infos dem Aufsichtsrat vorgeschlagen haben, dem Verein bis Ende des Jahres zu helfen, der Aufsichtsrat soll aber nur für drei Monate bereit sein, Minge weiter zu beschäftigen. Also quasi im Juli, August und September. 

Minge als Interims-Sportdirektor für drei weitere Monate?

Ralf Minge (59) steht beim Dresdner Rückrunden-Auftakt gegen Karlsruhe an der Seitenlinie.
Ralf Minge (59) steht beim Dresdner Rückrunden-Auftakt gegen Karlsruhe an der Seitenlinie.  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Heißt: Er solle ein neues Team aufbauen, für welche Liga auch immer. Schließlich laufen nicht weniger als 13 Spielerverträge aus, bei Abstieg weitere. Dann habe der Mohr seine Schuldigkeit getan. Das soll wiederum Minge abgelehnt haben.

Für die Drei-Monats-These spricht auch: Der Posten müsste ausgeschrieben werden, die Ausschreibung muss eben genau drei Monate laufen. Würde er zum 1. Juli ausgeschrieben werden, wäre das bis zum 30. September. 

Am 1. Oktober könnte der neue Sportgeschäftsführer sein Amt übernehmen - in einem Moment, wo das Gröbste für die Saison 2020/21 längst erledigt ist. 

Eine Ausschreibung wurde bis jetzt nicht offiziell veröffentlicht - ein Muss! Was nicht heißt, dass nicht längst im Hintergrund gesucht wird. Im Moment wäre die SGD aber per 1. Juli sportlich führerlos.

Minge selbst ist bei Dynamo längst ein Denkmal. Er hat den Verein seit seiner zweiten Amtsübernahme 2014 auf sehr solide Füße gestellt, hatte aber in den letzten zwei Jahren auch einige Fehlgriffe dabei - die Trainer-Projekte Maik Walpurgis und Cristian Fiel scheiterten. 

Auch die Kaderzusammenstellung passte nicht zu 100 Prozent. Dafür hat der 59-Jährige längst seinen Kopf hingehalten, die Fehler eingestanden und im Winter sechsfach nachgebessert. 

Das trug bis zur Corona-Krise erste Früchte. Minge hat zuletzt nicht alles richtig gemacht, aber er würde fehlen - auch als Identifikationsfigur. Allzu viele hat Dynamo nicht mehr. Und einen Abschied auf diese Art und Weise hätte Minge definitiv nicht verdient.

Titelfoto: Lutz Hentschel

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