Nach Aufstiegskrawallen: Dynamo droht Millionen-Schaden

Dresden - Teures Nachspiel! Die Aufstiegskrawalle vom 16. Mai könnten Dynamo Dresden Millionen Euro kosten. Während die juristische Aufarbeitung läuft und die ersten Täter ermittelt sind, beginnt nun auch im Stadtrat die politische Aufarbeitung. Und der will den Verein in die Verantwortung nehmen.

Bei den Krawallen im Mai wurden unter anderem 185 Polizisten verletzt.
Bei den Krawallen im Mai wurden unter anderem 185 Polizisten verletzt.  © Steffen Füssel

So soll Dynamo aufgefordert werden, unter Einbindung aller relevanten Akteure ein "schlüssiges Gesamtkonzept zur Unterbindung von Gewalt und Extremismus im Umfeld des Vereins" zu erarbeiten.

Das sieht ein gemeinsamer Antrag von CDU, SPD und Grünen vor.

Dieses Gesamtkonzept soll dem Stadtrat spätestens vor der nächsten Entscheidung über Finanzhilfen an den Verein oder die Stadionprojektgesellschaft vorgelegt und vor jeder weiteren Beihilfe- bzw. Förderentscheidung überprüft werden.

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Das bedeutet: Gefällt dem Stadtrat die Entwicklung nicht, gibt's künftig möglicherweise kein Geld mehr.

Momentan erhält der Verein jede Saison einen Zuschuss zur Stadionmiete von 1,5 Millionen Euro.

Außerdem hat die Stadt zuletzt mit fünf Millionen Euro den Bau des neuen Trainingszentrums im Ostragehege unterstützt.

"Wir erwarten konsequente Maßnahmen!"

Dynamo soll ein "schlüssiges Gesamtkonzept" entwickeln, um derartige Gewalt künftig zu verhindern.
Dynamo soll ein "schlüssiges Gesamtkonzept" entwickeln, um derartige Gewalt künftig zu verhindern.  © Steffen Füssel

"Die kommunale Sportförderung für Dynamo ist keine Selbstverständlichkeit. Wir erwarten eine stärkere Haltung und konsequente Maßnahmen", erklärte Kristin Sturm (35, SPD) bereits vor der Ratssitzung.

Andrea Mühle (43, Grüne) sagte: "Die Distanzierung von Gewalt und Hass muss nicht nur aus dem Vorstand kommen, sondern auch aus der breiten Fangemeinschaft und am besten auch aus der Mannschaft."

Und die CDU stellt klar: "Es ist alles dafür zu tun, dass sich derartige Bilder aus Dresden nicht wiederholen."

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Eine Entscheidung fiel nicht – auf Antrag von OB Dirk Hilbert (49, FDP) wurde das Thema zurück in die Ausschüsse überwiesen. Der Grund: Am Ende des langen Sitzungstages, nach 22 Uhr, war für eine ausführliche Debatte keine Zeit mehr.

Außerdem im Stadtrat: Polit-Knatsch um Schweigeminuten

Opfergedenken ja, Schweigeminute nein.

Dem Versuch, die mutmaßlich terroristische Messerattacke in Würzburg politisch zu instrumentalisieren, erteilte der Erste Bürgermeister Detlef Sittel (54, CDU) am Donnerstag eine deutliche Absage.

Deren Opfern wollte AfD-Stadtrat Thomas Ladzinski (32) mit einer Schweigeminute gedenken lassen.

Darauf reagierte wiederum Agnes Scharnetzky (33, Grüne) mit dem Vorschlag, ebenfalls eine Schweigeminute für Marwa El-Sherbini (†31) durchzuführen, deren Ermordung sich am gestrigen Donnerstag zum 12. Mal jährte.

Beides ließ Sittel aber nicht zu. "In der Grundablehnung von Gewalt sind wir uns einig", erklärte er. Schweigeminuten seien jedoch ein starkes Signal, dass nicht in die Mühlen politischer Meinungsverschiedenheiten kommen solle.

Das Thema soll im Ältestenrat noch einmal diskutiert werden.

Titelfoto: Steffen Füssel

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