Hartmann will weiter für Dynamo spielen und nennt drei Gründe für den Abstieg

Dresden - Schonungslos, offen, ehrlich, Marco Hartmann! Der Ex-Kapitän schoss beim 1:0-Erfolg beim SV Sandhausen das Siegtor, gereicht hat es nicht.

Vor vier Jahren musste Marco Hartmann (r.) nach dem Abstieg noch lesen, dass er eine Stunde Zeit hat, die Stadt zu verlassen. Nun wurden er und seine Kollegen mit Applaus empfangen. Der Kampf wurde honoriert.
Vor vier Jahren musste Marco Hartmann (r.) nach dem Abstieg noch lesen, dass er eine Stunde Zeit hat, die Stadt zu verlassen. Nun wurden er und seine Kollegen mit Applaus empfangen. Der Kampf wurde honoriert.  © DPA/Robert Michael

In seinen Worten danach legt er offen, warum Dynamo Dresden absteigen muss, was in in den letzten zweieinhalb Jahren schief ging und jetzt mit dem Absturz in die 3. Liga gipfelt. 

Unter Tränen sagte er aber auch, er möchte weitermachen, den Karren mit aus dem Dreck ziehen. "Ich bin bereit dazu."

"Harti" hatte gleich nach dem Abpfiff in Sandhausen eine tiefgründige Analyse parat, was in den letzten Spielzeiten nicht passte. Diese saß und sollte alle nachdenklich machen. Er spricht von einem "verdienten Abstieg, bei dem man aufpassen muss, intern nichts zu beschönigen, denn es sind sehr viele Dinge schiefgelaufen". 

Seine Gründe:

1. "Wir haben es als Mannschaft in den letzten zweieinhalb Jahren nicht geschafft, wirklich eine Mannschaft zu sein. Damit meine ich das, was auf dem Spielfeld passiert. Da muss man füreinander da sein, bedingungslos. Da gab es einfach über die ganze Zeit hinweg immer wieder Probleme. 

Leute, die sich herausgenommen haben. Probleme, Dinge umzusetzen, die gefordert wurden. Das muss man einfach sagen. Wir haben es intern angesprochen, trotzdem haben wir es nicht geklärt gekriegt. Das hat zu dem geführt, wo wir jetzt sind."

Siegtor geschossen und abgestiegen: Marco Hartmann nach dem Abpfiff in Sandhausen. Der 32-Jährige schämte sich seiner Tränen nicht.
Siegtor geschossen und abgestiegen: Marco Hartmann nach dem Abpfiff in Sandhausen. Der 32-Jährige schämte sich seiner Tränen nicht.  © Picture Point/Gabor Krieg

Marco Hartmann über Dynamo: "Haben es nicht geschafft, eine eigene Idee von Fußball zu entwickeln"

Die Fans beobachteten am Sonntagabend die Landung der Dynamos auf dem Flughafen in Klotzsche. Viele waren gekommen, um sich für den Kampf bis zur letzten Sekunden zu bedanken.
Die Fans beobachteten am Sonntagabend die Landung der Dynamos auf dem Flughafen in Klotzsche. Viele waren gekommen, um sich für den Kampf bis zur letzten Sekunden zu bedanken.  © DPA/Robert Michael

2. "Wir haben es nicht geschafft, eine eigene Idee von Fußball zu entwickeln. Das war mal Hauruck-Fußball mit hinten drin stehen. Das war mal tiki-taka nach vorne. Im Endeffekt war alles erfolglos, weil wir es nicht geschafft haben, alle davon zu überzeugen, daran zu glauben und den richtigen Weg zu finden."

3. "Du hast in den letzten zweieinhalb Jahren viele Strukturen, viele Hierarchien durcheinander geworfen. Du hast nicht das gefunden, worauf du gesetzt hast, eine gewisse Überzeugung. Wenn ich Sandhausen anschaue. Die spielen halt ihren Fußball, das hat nix mit Risiko zu tun. Die hauen das Ding nach vorn. Dann machen aber alle die ganze Zeit das Gleiche, dann werden sie auf Dauer erfolgreich. 

Sieht nicht wunderschön aus, was sie machen. Aber da sind wir nie hingekommen in den letzten zweieinhalb Jahren, sind von einem Ding ins nächste geschwommen. Das hat nicht nur die Ursache, dass es von außen falsch vorgegeben wurde, da liegt auch ganz viel intern. Jeder, der dabei war, muss sich selbst hinterfragen, wo er Dinge verschenkt und zerstört hat."

Jetzt muss ein Neuanfang her. Hartmanns Vertrag läuft aus. Er würde gern bleiben: "Ich bin dabei, vorweg zu gehen, bei allem was man vorhat", sagte er unter Tränen. "Ich weiß aber auch, dass die letzten Monate nicht so einfach waren. Dennoch packe ich immer wieder mit an. Und wenn es mir möglich ist, dann marschiere ich vorweg."

Titelfoto: Picture Point/Gabor Krieg

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