Verbal-Attacke gegen DFL: Dynamo-Profi Chris Löwe und die zwei Seiten der Wahrheit

Dresden - Die Brandrede von Chris Löwe nach dem 0:2 am Donnerstag in Kiel wird in keinem Saisonrückblick fehlen. Schonungslos, emotional und offen prangerte der Dynamo-Verteidiger das Dresdner Programm seit dem Re-Start vor nicht einmal drei Wochen an. Sieben Spiele in 19 Tagen - das Team kriecht schon nicht mal mehr auf dem Zahnfleisch. Doch allein daran will es der 31-Jährige nicht festmachen, dass die SGD kaum noch zu retten ist. Er spricht von zwei Teilen der Wahrheit.

Erster Teil

Kein 5000 Euro teurer Bürostuhl, den Chris Löwe da durch die Gegend schmeißt. Es war einer von der Reservebank im Rudolf-Harbig-Stadion. Schon nach dem späten 0:1 gegen den Hamburger SV saß der Frust bei Löwe und Co. tief.
Kein 5000 Euro teurer Bürostuhl, den Chris Löwe da durch die Gegend schmeißt. Es war einer von der Reservebank im Rudolf-Harbig-Stadion. Schon nach dem späten 0:1 gegen den Hamburger SV saß der Frust bei Löwe und Co. tief.  © DPA/Robert Michael

17 Teams spielen neun Partien in sechs Wochen, eine Mannschaft neun in vier Wochen - und das war Dynamo. Unverschuldete zweiwöchige Quarantäne wegen zwei positiver Corona-Tests.

Mit nur wenigen Tagen Training ging es am 31. Mai gegen Stuttgart los. Da kickten die anderen schon ihr drittes Spiel. Aber da war es nicht mehr sportlich fair.

Jeder Gegner hatte in irgendeiner Form einen Vorsprung. Sei es der schon vorhandene Rhythmus, gesundes Personal oder später die körperlich wie geistige Frische.

Dresden hat sich gestreckt und gekämpft, konnte keinen dieser Nachteil aufholen.

"Was mich nach Kiel so aufgewühlt hat: Wenn du am Ende in einem fairen Wettbewerb absteigst, dann musst du dir selbst an die Nase fassen, weil es einfach nicht gereicht hat. Jetzt aber habe ich das Gefühl - und ich spreche für den ganzen Verein -, dass uns etwas geklaut wurde", sagte Chris Löwe am gestrigen Freitag.

"Es kann keiner sagen, dass wir nicht auch unter normalen Bedingungen abgestiegen wären. Aber ich bin der festen Überzeugung, dass wir nach dem 32. Spieltag über ganz andere Dinge sprechen würden, wenn diese Quarantäne im Vorfeld nicht gewesen wäre", sagte Löwe weiter. 

Zweiter Teil

Aber Vogtländer haben Anstand: Chris Löwe, gebürtig in Plauen, stellte den Stuhl kurze Zeit später schwungvoll an seinen Platz zurück.
Aber Vogtländer haben Anstand: Chris Löwe, gebürtig in Plauen, stellte den Stuhl kurze Zeit später schwungvoll an seinen Platz zurück.  © DPA/Robert Michael

Chris Löwe wäre aber ein unsportlicher Verlierer, wenn er die DFL als Sündenbock für den drohenden Abstieg, der am morgigen Sonntag in Sandhausen besiegelt werden kann, suchen würde. Nein!

"Wir haben in Kiel gesehen, warum es am Ende eventuell nicht reichen wird. Wir müssen in den ersten zehn, fünfzehn Minuten auf jeden Fall in Führung gehen, machen das aber nicht", legte er den Finger in die Wunde.

Nach 32 Spieltagen stehen 29 eigene Treffer zu Buche. In 14 dieser Spiele freute sich der Gegner über ein zu null. Qualität hat die Mannschaft, das weiß auch der 31-Jährige.

"Das ist das, um was es geht. Qualität auf dem Papier ist da. Wenn du nur 29 Tore geschossen hast, dann reicht das einfach nicht. Da geht es aber nicht darum, dass ich unsere Stürmer ankacken will. Da geht es um uns alle. Wenn wir es als Mannschaft nicht schaffen, mehr Tore zu schießen, dann wird es schwer, Spiele zu gewinnen. Das ist das größte Problem gewesen", sagt er und: "Wir haben eine unterirdische Hinrunde gespielt, die uns am Ende nach der Corona-Scheiße in diese Situation zwingt, in der wir jetzt sind."

Titelfoto: DPA/Robert Michael

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