Lilien nach furiosem Comeback-Sieg in Magdeburg in zweiter DFB-Pokal-Runde

Magdeburg - Es brauchte einen wahren Kraftakt, dennoch hat sich der SV Darmstadt 98 schließlich nicht unverdient in die zweite Runde des DFB-Pokals geballert! Doch dafür war eine furiose Aufholjagd beim Drittligisten 1. FC Magdeburg von Nöten.

In der Magdeburger MDCC-Arena waren nach langer Zeit endlich wieder Zuschauer erlaubt.
In der Magdeburger MDCC-Arena waren nach langer Zeit endlich wieder Zuschauer erlaubt.  © dpa/Swen Pförtner

Mit 3:2 (2:2, 0:2) n. V. gewann der Zweitligist am Sonntagabend vor knapp 4800 Heim-Fans, die ihren FCM nach der coronabedingten Zuschauersperre in der heimischen MDCC-Arena frenetisch nach vorne peitschten.

Für die Gastgeber trafen Tobias Müller (14.) und Christian Beck (26.) zur 2:0-Halbzeitführung. Für den SVD waren Marvin Mehlem (53.), Tobias Kempe (66.) und Mathias Honsak (100.) erfolgreich.

In seinem Pflichtspiel-Debüt als Trainer der Südhessen schickte Markus Anfang mit Lars Lukas Mai nur einen Neuzugang in die Startelf. Der frischgebackene Torhüter-Papa Marcel Schuhen wurde von Carl Klaus ersetzt.

Anfangs Gegenüber Thomas Hoßmang setzte durchaus mehr Vertrauen in seine Neuen: Korbinian Burger, Müller, Raphael Obermair, Adrian Malachowski und Luka Sliskovic durften von Beginn an ran.

In der Anfangsphase veranlasste die nahezu ungewohnt gewordene Stadionkulisse die Akteure auf dem Feld eher zu vielen harten Zweikämpfen und einer Menge Mittelfeld-Geplänkel. Dies änderte sich aber schlagartig. Nach einer kurz ausgeführten Ecke brachte Jürgen Gjasula die Pille hoch in den Strafraum, wo der völlig blank stehende Müller unbedrängt einnicken konnte (14.) - früher Nackenschlag für die Lilien.

Die Startaufstellung des SV Darmstadt 98 gegen den 1. FC Magdeburg

Die Startaufstellung des 1. FC Magdeburg gegen den SV Darmstadt 98

Früher Doppelschlag des 1. FC Magdeburg durch Müller und Beck nimmt Darmstadt den Wind aus den Segeln

Magdeburgs Raphael Obermair (l.) im Zweikampf mit Darmstadts Braydon Manu.
Magdeburgs Raphael Obermair (l.) im Zweikampf mit Darmstadts Braydon Manu.  © dpa/Swen Pförtner

Von diesem erholte sich der SVD nur langsam. Den erhöhten Spielanteilen und erhöhtem Druck folgten keine klaren Torchancen. Kurz darauf kam es aber so richtig dicke für die Gäste. Nach einem genialen Steckpass von Daniel Steininger schob Beck gekonnt zur Doppelführung ein (26.).

Von hier an wirkten die Darmstädter wie paralysiert. Eine Reaktion blieb auch bis zum Pausenpfiff von Schiedsrichter Manuel Gräfe aus. Die Führung der Elbstädter war bis hierhin mehr als verdient.

Zum Start in den zweiten Spielabschnitt lief es dann weitaus besser für die Lilien. Nachdem Serdar Dursun das Leder zunächst an das Quer-Gebälk hämmerte, vollendete Mehlem kurze Zeit später einen mustergültigen Konter nach Zuspiel von Braydon Manu zum 1:2-Anschlusstreffer (53.). 

Ersatz-Keeper Klaus sorgte in einer von hier an immer rasanter werdenden Partie mit einer Glanztat dafür, dass Beck die ursprüngliche Zwei-Tore-Führung nicht wiederherstellen konnte (55.). Und dann doch noch der Ausgleich! 

Nach einer sehenswerten Kombination über Victor Pálsson, Paik Seung-Ho und Dursun, landete der Ball schließlich bei Kempe, der das Netz mit einem wahren Geschoss aus rund 20 Metern auf eine echte Belastungsprobe stellte - 2:2 (66.). In der Folge verschob sich das Kräfteverhältnis komplett zu Gunsten der Südhessen.

SV Darmstadt 98 mit sehenswertem Comeback durch Marvin Mehlem und Tobias Kempe

Magdeburgs Tobias Müller (r.) bejubelt seinen Treffer zum 0:1, Lilien-Verteidiger Patrick Herrmann (m.) zeigte sich indessen bedient.
Magdeburgs Tobias Müller (r.) bejubelt seinen Treffer zum 0:1, Lilien-Verteidiger Patrick Herrmann (m.) zeigte sich indessen bedient.  © dpa/Swen Pförtner

Gegen stetig erschöpfter wirkende Sachsen-Anhalter kreierte das Team vom Böllenfalltor einige hochkarätige Chancen, der Lucky Punch sollte ihnen vor Ende der regulären Spielzeit jedoch nicht mehr gelingen. Somit gab es für die weiterhin energischen Fans auf den Rängen noch einen Nachschlag - es ging in die Verlängerung.  

Und auch in der Verlängerung legten die Gäste ihren erst spät erwachten Siegeswillen an den Tag. Schon kurz nach dem Wiederanpfiff hatten Dursun und Palsson die Doppelchance, doch FC-Keeper Morten Behrens behielt die Nerven (94.).

Die Magdeburger konzentrierten sich spätestens jetzt lediglich auf die Verteidigung des Remis, was jedoch nicht lange gut ging. Nach einem hohen Pass von FC-Bayern-Leihgabe Mai konnte Honsak schließlich alleine auf Behrens zulaufen und schob das Spielgerät abgeklärt zur 3:2-Führung ein - das Comeback war geglückt (100.).

Trotz einer Anfang-Ansprache voller Feuereifer vor Beginn der zweiten Halbzeit der Verlängerung wurden die Lilien nochmal nachlässig - und die Hausherren kamen zu einigen Chancen, unter anderem durch Sirlord Conteh (112.) und Beck (113.). Am Ende retteten ein starker Klaus und der Pfosten den Lilien-Comeback-Sieg aber über die Zeit. 

Am kommenden Wochenende starten beide Kontrahenten dann auch in ihren Ligen in die neue Saison. Während die Lilien am Samstag (19. September, 13 Uhr) beim SV Sandhausen gastieren, spielt der FC am Sonntag (20. September, 14 Uhr) in der heimischen MDCC-Arena im Derby gegen den Halleschen FC.

Titelfoto: dpa/Swen Pförtner

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