Bissige Lilien entscheiden Hessen-Derby gegen Wehen Wiesbaden für sich

Darmstadt - Derby-Zeit im Hessenland! Am vorletzten Spieltag der 2. Fußball-Bundesliga empfing der SV Darmstadt 98 am Sonntagnachmittag den stark abstiegsbedrohten SV Wehen Wiesbaden. Am Ende stürzten die Hausherren die Gäste noch tiefer ins Tal der Tränen und siegten im Merck-Stadion am Böllenfalltor nach Rückstand mit 3:1 (0:1).

Der Wiesbadener Manuel Schäffler (r.) freut sich mit seinen Teamkollegen über sein Tor zum 1:0.
Der Wiesbadener Manuel Schäffler (r.) freut sich mit seinen Teamkollegen über sein Tor zum 1:0.  © dpa/Hasan Bratic

Für die Hausherren trafen Serdar Dursun (63.), Seung-ho Paik (77.) und Marcel Heller (86.). Das einzige Tor für die Gäste erzielte Manuel Schäffler (5.).

Im Gegensatz zur knappen 0:1-Niederlage beim Bundesliga-Aufsteiger Arminia Bielefeld (TAG24 berichtete) stellte Lilien-Coach Dimitrios Grammozis seine Startaufstellung auf drei Positionen um: Felix Platte, Paik und Tobias Kempe begannen an Stelle von Marcel Heller, Yannick Stark und Patric Pfeiffer.

Dass sie keinesfalls gewillt waren, das deutsche Unterhaus zu verlassen, bewiesen die Wehener schon früh. Auf links wurde Dominik Franke glänzend in Szene gesetzt. In dessen scharfe Flanke rauschte Top-Scorer Schäffler hinein und netzte zur Führung ein (5.).

Und auch nach der Führung gaben die hessischen Hauptstädter weiter Gas. Die Folge: Es ergab sich vom Start weg ein kurzweiliges Spiel, da auch die Südhessen keinesfalls gewillt waren, die Partie ohne weiteres abzuschenken.

Nach einer Ecke von Kempe schraubte sich Dursun in die Lüfte, setzte seinen Kopfball aber knapp am Kasten von SVWW-Keeper Heinz Lindner vorbei (14.). Mehr und mehr eroberten die Darmstädter jedoch die Kontrolle über das Spiel zurück. 

Und zwar mit enormem Nachdruck: Platte legte im Strafraum per Kopf auf den heranstürmenden Dursun auf, der direkt per Dropkick abzog. Lindner war jedoch schnell unten und entschärfte das Geschoss des besten Darmstädter Torjägers (22.).

1. Halbzeit: Wiesbaden gelingt frühe Führung, Darmstadts Kempe vergibt Strafstoß

Darmstadts Tobias Kempe setzt zum Elfmeter an - doch Wiesbadens Keeper Heinz Lindner parierte glänzend.
Darmstadts Tobias Kempe setzt zum Elfmeter an - doch Wiesbadens Keeper Heinz Lindner parierte glänzend.  © dpa/Hasan Bratic

Das Duell Dursun/Lindner ging munter weiter: Aus spitzem Winkel und rund sieben Metern Entfernung zog der Angreifer mit Cristiano-Ronaldo-Gedenkzöpfchen trocken ab, der Wehener Keeper war aber erneut der Sieger (26.). 

Direkt im Anschluss schon wieder der bärenstarke Lindner! Nach einem Foul von Maximilian Dittge an Platte zeigte Schiedsrichter Markus Schmidt auf den Elfmeter-Punkt.

Der Gäste-Schlussmann parierte aber auch den von Kempe getretenen Strafstoß - die Lobeshymnen seiner Teamkollegen hatte sich Lindner schon jetzt redlich verdient (27.)! Auch davon ließen sich die Hausherren nicht entmutigen und suchten weiter den Weg in Richtung Gäste-Tor.

Paik traf mit einem Versuch im Sechzehner lediglich das Außennetz (29.) - der Ausgleich wäre zu diesem Zeitpunkt mehr als gerechtfertigt gewesen. Vor allem weil sich die Wiesbadener mittlerweile weitaus tiefer in die eigene Hälfte zurückzogen. 

Die permanenten Offensivbemühungen, rund 75 Prozent Ballbesitz und mehr als doppelt so viele Torschüsse zu Gunsten der Lilien brachten auch weiterhin nichts ein. Nach einer Draufgabe von zwei Minuten schickte der Unparteiische beide Teams nach einer amüsanten ersten Hälfte in die Kabinen.

2. Halbzeit: Dursun trifft nach x-tem Anlauf, Paik dreht die Partie mit Gewaltschuss

Der Darmstädter Felix Platte (r.) im Zweikampf mit Paterson Chato (l.) aus Wiesbaden.
Der Darmstädter Felix Platte (r.) im Zweikampf mit Paterson Chato (l.) aus Wiesbaden.  © dpa/Hasan Bratic

Ohne Wechsel starteten die Lilien in den zweiten Spielabschnitt. Und auch am unbedingten Willen die schmeichelhafte Gäste-Führung umgehend aufzuholen, hatte sich scheinbar nichts geändert.

Torchancen ließen beide Mannschaften in der Anfangsviertelstunde der zweiten Halbzeit aber vorerst vermissen. Dies änderte sich nach etwas über einer Stunde Spielzeit. Und erneut stand Darmstadts Dursun im Mittelpunkt. Einen Eckball des eingewechselten Mathias Honsak (kam für Kempe) verpasste der im Fünfmeter-Raum lauernde Angreifer nur um Haaresbreite (61.).

Kurz darauf konnte auch der starke Lindner nichts mehr ausrichten: Eine Paik-Flanke von rechts erwischte Dursun mustergültig mit dem Kopf - Lindner war dran, der Ball landete dennoch im Netz - Ausgleich (63.)! Hiernach verflachte das Spiel vorerst zusehends.

Das wollte Paik so scheinbar nicht hinnehmen und hämmerte das Spielgerät nach einem Abpraller im Sechzehner mit voller Wucht in die Maschen - die Lilien hatten das Spiel gedreht (77.). Direkt im Anschluss war Schluss für den Südkoreaner und Platte. Heller und Ensar Arslan übernahmen (78.). 

Trotz des voll ausgeschöpften Wechselkontingentes wirkten die Wiesbadener nach dem Führungstreffer der Lilien ausgelaugt und hilflos. Symbolisch dafür dann auch die Vorentscheidung durch Heller nach einer schönen Kombination über Dursun und Arslan kurz vor dem Abpfiff (86.). Nach den Einwechslungen von Stark und Patrick Herrmann (kamen für Fabian Schnellhardt und Matthias Bader/90.) sollte dies dann auch der Schlusspunkt in einem durchaus packenden Hessen-Derby gewesen sein.

Um den fünften Tabellenplatz in Liga Zwei zu behaupten, müssen die Lilien am letzten Spieltag am Sonntag (28. Juni/15.30 Uhr) beim VfB Stuttgart bestehen.

Titelfoto: dpa/Hasan Bratic

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