TSG 1899 Hoffenheim in der Bundesliga-Vorschau: Erneuter Abflug nach Europa?

Sinsheim - Das erste Zitterspiel wurde erfolgreich überstanden! Die TSG 1899 Hoffenheim setzte sich im DFB-Pokal erst im Elfmeterschießen (5:4) gegen Regionalligist Chemnitzer FC durch. In der 1. Bundesliga soll es besser laufen. Im Idealfall steht am Ende die erneute Europa-League-Qualifikation. Können die Kraichgauer das schaffen? Alles dazu in der TAG24-Vorschau.

Mijat Gacinovic ist der Top-Transfer der TSG 1899 Hoffenheim

Wenig Bewegung im TSG-Kader! Hoffenheim hat bisher lediglich einen externen Neuzugang präsentiert, der dadurch auch gleichzeitig "Königstransfer" ist: Mijat Gacinovic (25) kam für die Ablöse von drei Millionen Euro von Eintracht Frankfurt.

Der offensive Mittelfeldspieler soll das Angriffsspiel der Kraichgauer um eine Variante erweitern. Er wechselte im Tausch mit Steven Zuber (28), der zur SGE ging. In Frankfurtwar Gacinovic für seine schwankenden Leistungen bekannt. Mal, wie im Pokalfinale gegen den FC Bayern München, glänzte er, dann hatte er wieder einige schwache Auftritte. Wenn sich der 18-fache serbische Nationalspieler auf Dauer in Sinsheim durchsetzen will, muss er in dieser Hinsicht auf jeden Fall deutlich zulegen.

Denn bei der TSG ist die Konkurrenz deutlich größer. Dennoch kann er das Hoffenheimer Spiel mit seiner Schnelligkeit, Dribbelstärke und Dynamik bereichern.

Mijat Gacinovic (25, l.) wechselte von Eintracht Frankfurt zur TSG 1899 Hoffenheim. Den gegensätzlichen Weg nahm Steven Zuber. (Bildmontage)
Mijat Gacinovic (25, l.) wechselte von Eintracht Frankfurt zur TSG 1899 Hoffenheim. Den gegensätzlichen Weg nahm Steven Zuber. (Bildmontage)  © Hildenbrand/Balk/dpa

João Klauss, Melayro Bogarde und Maximilian Beier sind die weiteren Neuzugänge der TSG Hoffenheim

Hier hat sich bislang fast gar nichts getan! Zumindest im Bereich der externen Zugänge. 

Dafür zog 1899 aus der eigenen U19 gleich drei Spieler zu den Profis hoch: Innenverteidiger Melayro Bogarde (18), Keeper Luca Philipp (19) und Sturmjuwel Maximilian Beier (17).

Außerdem kehrte der brasilianische Sturmbulle João Klauss (23) von seiner Leihe zum Linzer ASK zurück und könnte den selben Weg einschlagen wie vor ihm Joelinton. Schließlich kam der 1,90 Meter große Angreifer beim österreichischen Erstligisten zu satten 45 Einsätzen, in denen er 20 Tore erzielte und vier Treffer direkt vorbereitete. Auch in der Europa League, in der Linz bis ins Achtelfinale kam, war Klauss Stammspieler. Für Hoffenheim kam er im DFB-Pokal gegen den Chemnitzer FC (2:3 nach Elfmeterschießen) in der zweiten Hälfte der Verlängerung direkt zu seinem ersten Profieinsatz für die TSG.

Auch Innenverteidiger Kevin Vogt (28, SV Werder Bremen), Rechtsverteidiger Joshua Brenet (26, Vitesse Arnheim) und Kasim Adams (25, Fortuna Düsseldorf) kehrten nach ihren vorübergehenden Stationen bei Klubs zu ihrem Stammverein zurück.

Da die Kraichgauer gut aufgestellt sind, wird sich wohl nur etwas hinsichtlich weiterer Neuer tun, wenn einige Akteure den Klub noch verlassen sollten, sich verletzen oder sich die Möglichkeit ergibt, eine sofortige und kostengünstige Verstärkung an Land zu ziehen.

Melayro Bogarde (18, l.) gilt als sehr großes Innenverteidiger-Talent. Der niederländische U17-Europameister wurde aus der eigenen U19 hochgezogen.
Melayro Bogarde (18, l.) gilt als sehr großes Innenverteidiger-Talent. Der niederländische U17-Europameister wurde aus der eigenen U19 hochgezogen.  © Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/dpa

Steven Zuber, Gregor Kobel und Leonardo Bittencourt sind die Abgänge der TSG 1899 Hoffenheim

Einige zuvor bereits verliehene Kicker haben 1899 nun endgültig verlassen. Hier ist allen voran der vielseitig einsetzbare Offensivspieler Leonardo Bittencourt (26, zu Bremen) zu nennen, der über enormes Potenzial verfügt, es aber bei noch keinem einzigen seiner Klubs konstant auf den Platz bekommen konnte. 

Für sieben Millionen Euro Ablöse ging er nun endgültig zu den Grün-Weißen.

Auch Keeper Gregor Kobel (22) verließ die Kraichgauer und schloss sich für eine Ablösesumme von vier Millionen Euro endgültig dem VfB Stuttgart an, wo er als Stammkeeper in die neue Bundesliga-Saison geht. Bei Hoffenheim hätte er gegen Oliver Baumann (30), der zuletzt für die deutsche Nationalmannschaft nominiert wurde, wohl das Nachsehen gehabt.

Zudem verließ Zuber die TSG wie bereits weiter oben erwähnt im Tausch mit Gacinovic für drei Millionen Euro Ablöse und schloss sich Frankfurt an. Bei 1899 wären seine Chancen auf regelmäßige Einsätze gering gewesen. 

Auch Ersatztorwart Michael Esser (32) zog einen potenziellen Stammplatz zwischen den Pfosten einem dauerhaften Bankplatz vor und schloss sich ablösefrei seinem Ex-Verein Hannover 96 an. Dazu ging mit Alexander Stolz (36) ein dritter Schlussmann von Bord. Er beendete seine Karriere und ist nun als Torwarttrainer im Jugendbereich der Hoffenheimer tätig. 

Außerdem endete die Leihe von Sebastian Rudy (30). Der ehemalige deutsche Nationalspieler kehrte zum FC Schalke 04 zurück, wo er fest als Rechtsverteidiger eingeplant ist. Dazu wurden die bereits verliehenen Lucas Ribeiro (21, Internacional Porto Alegre/Brasilien) und Felipe Pires (25, Moreirense FC/Portugal) endgültig abgegeben. 

Dennoch umfasst der Kader 29 Kicker. Es ist also durchaus vorstellbar, dass der ein oder andere Akteur, der bei den Kraichgauern nur selten spielen würde, den Verein noch verlässt. "Eisen"-Ermin Bicakcic (30) ist beispielsweise beim 1. FC Köln im Gespräch.

Gregor Kobel, der schon in der vergangenen Saison an den VfB Stuttgart ausgeliehen war, ist fest zu den Schwaben gewechselt.
Gregor Kobel, der schon in der vergangenen Saison an den VfB Stuttgart ausgeliehen war, ist fest zu den Schwaben gewechselt.  © Picture Point / Sven Sonntag

So tickt Hoffenheims Trainer Sebastian Hoeneß

Ein Neuling mit bekanntem Nachnamen bereichert die 1. Bundesliga! Sebastian Hoeneß (38), Sohn von Ex-Hertha-Manager Dieter (67), ist an seine alte Wirkungsstätte zurückgekehrt und hat das Traineramt bei der TSG übernommen, für die er in der Saison 2006/07 gespielt hatte.

Damals war er allerdings nur zu drei Einsätzen für die erste Mannschaft gekommen. Die spielte zu dieser Zeit in der drittklassigen Regionalliga Südwest. Dazu kamen fünf U23-Partien für den Neffen von Ex-Bayern-Präsident Uli Hoeneß (68).

Seitdem hat sich viel getan. Sebastian, der als aktiver Fußballer zehn Jahre für Hertha BSC II die Schuhe schnürte und dort im zentralen Mittelfeld als Führungsspieler voranging, beendete schon zum 1. Juli 2010 hin seine Karriere und widmete sich seiner Trainerlaufbahn.

Erst coachte er die U19 vom FC Hertha 03 Zehlendorf, ehe er drei Jahre im Jugendbereich von RB Leipzig aktiv war. Danach schloss er sich dem Verein seines Onkels an: dem FC Bayern München, wo er erst die U19 trainierte, dann zur vergangenen Saison die U23 übernahm und diese direkt zur ersten Meisterschaft einer zweiten Mannschaft in der 3. Liga führte.

Dank dieses Erfolgs sowie seiner Fähigkeit, Spieler entscheidend weiterzuentwickeln und eine verschworene Truppe zu formen, holte ihn die TSG nach Sinsheim. Schließlich gilt Hoeneß dank seiner akribischen, ruhigen und konzentrierten Arbeit als vielversprechendes Trainertalent. 

Ob er auch die Qualität hat, einen Bundesligisten voranzubringen, kann er jetzt bei Hoffenheim beweisen.

TSG-Trainer Sebastian Hoeneß ist zum ersten Mal in seiner Karriere für einen Bundesligisten verantwortlich.
TSG-Trainer Sebastian Hoeneß ist zum ersten Mal in seiner Karriere für einen Bundesligisten verantwortlich.  © Picture Point / Gabor Krieg

Vorbereitung und Form des TSG 1899 Hoffenheim: Zitterpartie im DFB-Pokal!

Nach einem starken Testspielstart gab es zwei durchwachsene Auftritte. Die TSG besiegte im ersten Vorbereitungskick auf die neue Saison Drittligist SV Wehen Wiesbaden deutlich mit 7:1. Anschließend wurde Zweitligist SpVgg Greuther Fürth mit 1:0 geschlagen.

Dann folgte jedoch eine deutliche 2:5-Pleite gegen den ebenfalls in der 2. Bundesliga spielenden 1. FC Nürnberg, ehe man Liga-Konkurrent 1. FSV Mainz 05 mit 2:1 schlug. Im Pokal wurde es dann richtig eng. Hoffenheim tat sich mit dem Viertligisten Chemnitzer FC richtig schwer, weil man nicht ins Tempo kam und sich vom bissigen Gegner in den Zweikämpfen immer wieder den Schneid abkaufen ließ.

Dazu befanden sich die Himmelblauen bereits im Spielrhythmus, was man in dieser Partie deutlich sah. So musste 1899 in der Verlängerung einen Rückstand egalisieren und sich gegen den motivierten und von 3.095 Zuschauern nach vorne gepeitschten Gegner, der alles in die Waagschale warf, ins Elfmeterschießen retten.

Dort behielt man dank Kapitän Baumann, der gleich zweimal klasse parierte, die Oberhand und zog mit viel Dusel doch noch in die nächste Runde ein. Die TSG ließ bei diesem Auftritt einiges zu wünschen übrig, geht aber mit der Erleichterung, mit einem blauen Auge davongekommen zu sein, in das erste Liga-Saisonspiel gegen den 1. FC Köln

Keeper Oliver Baumann hielt in Chemnitz zwei Elfmeter und war somit entscheidend am Weiterkommen seiner TSG beteiligt.
Keeper Oliver Baumann hielt in Chemnitz zwei Elfmeter und war somit entscheidend am Weiterkommen seiner TSG beteiligt.  © Picture Point / Gabor Krieg

Saisonziel der TSG 1899 Hoffenheim

Die Kraichgauer haben kein offizielles Saisonziel ausgegeben. 

Man darf aber davon ausgehen, dass intern die Ansage lautet: erneute Qualifikation für den europäischen Wettbewerb!

Artistisch! Christoph Baumgartner und die TSG Hoffenheim dürften sich erneut für den europäischen Wettbewerb qualifizieren wollen.
Artistisch! Christoph Baumgartner und die TSG Hoffenheim dürften sich erneut für den europäischen Wettbewerb qualifizieren wollen.  © Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

TAG24-Prognose zur TSG 1899 Hoffenheim

Europa sollte drin sein! Denn der Kader der TSG hat viel Qualität - wenn die Leistungsträger fit bleiben bzw. werden. Im Tor ist Baumann die unumstrittene Nummer eins und ein Keeper, der über herausragende Qualitäten verfügt. Hinter ihm ist der erfahrene Philipp Pentke (35) die Nummer zwei. Das Torwarttrio wird vom jungen Philipp komplettiert. 

Als rechter Flügelspieler ist Pavel Kaderabek (28) gesetzt, sofern er sich im Pokal nicht schlimmer verletzt hat. Dort musste er wegen Oberschenkelproblemen bereits nach 21 Minuten ausgewechselt werden. Als Ersatz stünde Innenverteidiger Kevin Akpoguma (25) bereit, der diese Position gegen den CFC aber nicht sonderlich gut spielte und an beiden Gegentoren beteiligt war. Dazu käme hier auch noch Brenet infrage, der im Pokal für Kaderabek gebracht wurde. Davon abgesehen ist die Luft hier dünn, da Außenstürmer Ihlas Bebou (26) hier zwar agieren kann, aber in der Defensivbewegung erkennbare Defizite hat.

Für das Abwehrzentrum, wo mit einer Dreierkette agiert wird, gilt das nicht. Wenn sich Kapitän Benjamin Hübner (31) von seiner Kapselverletzung erholt hat, ist er hier an der Seite von Stefan Posch (23), der im Pokal aber ebenfalls verletzt runter musste, und vermutlich Vogt gesetzt. 

Doch auch Bicakcic kam in den letzten Jahren regelmäßig als beinharter Zweikämpfer auf seine Einsätze. Zudem können hier Akpoguma, Adams und Bogarde spielen. Gleiches gilt für Havard Nordveit (30) der mit einem Fußbruch aber noch einige Zeit ausfallen wird.

Auf der linken Seite ist der gelernte Offensivspieler und momentan angeschlagene Robert Skov (24) im Normalfall gesetzt und hat hier auch keinen ebenbürtigen Konkurrenten. Als Ersatz stünden Konstantinos Stafylidis (26), der Abwanderungsgedanken hegen soll, Jacob Bruun Larsen (21) und Sargis Adamyan (27) bereit. Die beiden letztgenannten haben aber Schwächen in der Rückwärtsbewegung.

In der Mittelfeldzentrale hat Hoeneß hingegen die Qual der Wahl. Im Pokal entschied er sich für Eigengewächs Dennis Geiger (22), Florian Grillitsch (25) und Christoph Baumgartner (21). Viel mehr Spielstärke geht nicht! Dazu hat man mit Gacinovic und Diadie Samassékou (24) erstklassige Alternativen.

Das gilt auch für die zwei Positionen im Sturm. Andrej Kramaric (29) ist als Unterschiedsspieler auf jeden Fall gesetzt. Um den freien Platz an seiner Seite streiten sich Bebou, der gegen Chemnitz begann, der aktuell angeschlagene Munas Dabbur (28), Klauss, Adamyan, Beier und Ishak Belfodil (28), der auch im offensiven Mittelfeld spielen kann.

Erleichterter Jubel bei Hoffenheim und Christoph Baumgartner nach dem Pokalsieg in Chemnitz. In der Liga will man öfter klarer gewinnen als im ersten Pflichtspiel der neuen Saison.
Erleichterter Jubel bei Hoffenheim und Christoph Baumgartner nach dem Pokalsieg in Chemnitz. In der Liga will man öfter klarer gewinnen als im ersten Pflichtspiel der neuen Saison.  © Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Dieser Kader belegt, dass die Personaldecke der TSG auf einigen Positionen sehr dick ist und an anderen zu dünn. Vollkommen ausgewogen wirkt die Zusammenstellung nicht. Dafür ist die Truppe aber aufeinander abgestimmt. Hinsichtlich der Spielintelligenz und technischen Versiertheit machen Hoffenheim nur wenige Teams etwas vor. 

Doch ob die offensive Spielweise, die anfällig für schnelle Gegenstöße ist, gepaart mit immer wieder ersichtlichem, fehlendem Tempo, reicht, um mindestens in die Europa League einzuziehen? Nach dem sechsten Platz in der Vorsaison, in der man 52 Punkte aus 34 Spielen bei einem Torverhältnis von 53:53 holte, wird es auch diesmal vermutlich knapp für 1899. 

Wenn die Rädchen ineinander greifen, die Mannschaft die Taktik von Hoeneß verinnerlicht, an den eigenen Schwächen arbeitet und auch Negativphasen gut übersteht, reicht es erneut für einen Platz unter den besten sechs Teams der Liga. Gelingt das nicht, wird es knapp. 

Titelfoto: Montage: Picture Point / Gabor Krieg/Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

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