TSV 1860 München von Corona-Krise hart getroffen: Gorenzel spricht über den Löwen-Überlebenskampf

München - Viele Fußballvereine trifft die durch das Coronavirus ausgelöste Krise in Deutschland hart, gerade abseits der höchsten Spielklasse. So auch den TSV 1860 München. Löwen-Geschäftsführer Günther Gorenzel (48) wird sehr deutlich.

Löwen-Geschäftsführer Günther Gorenzel (r.) äußert sich zur Corona-Krise und den Auswirkungen auf den TSV 1860 München.
Löwen-Geschäftsführer Günther Gorenzel (r.) äußert sich zur Corona-Krise und den Auswirkungen auf den TSV 1860 München.  © imago images/Lackovic

Der 48-Jährige spricht angesichts der aktuellen Lage "vom wichtigsten Spiel" der Sechzger. Das große Problem stelle diesbezüglich der Austragungsort dar. "Dieses Spiel findet leider nicht am grünen Rasen statt und ist eigentlich auch kein Spiel", erklärt Gorenzel im Gespräch mit "dieblaue24".

"Unsere ganze Gesellschaft befindet sich in einer sehr ernsten gesundheitspolitischen und wirtschaftspolitischen Lage, der wir alle gerecht werden müssen", führt der Österreicher, der seit Anfang Februar 2019 als Geschäftsführer bei den Löwen fungiert, gezielt aus. "Wir können nur an die Vernunft und an die Solidarität des Einzelnen appellieren, kurzfristige, kleinere Einschnitte zur Sicherung des Überlebens anzunehmen." 

Die Existenz des Traditionsvereins sei mit dem vorliegenden Modell "Stand heute gesichert". 

Über das Gesicht der Mannschaft, gerade über den Sommer hinaus, ließe sich aber wenig sagen - viele Verträge laufen aus, Leistungsträger könnten wegfallen. Das sei in dieser Phase aber nur ein "nachgelagertes Thema". Es gehe "um das Überleben des Vereins - vielleicht sogar um das Überleben des deutschen Fußballs".

"Aktuell ist ja noch nicht einmal abzusehen, welche Auswirkungen Corona auf den Spielbetrieb hat und wie lange wir noch pausieren müssen. Momentan liegt unser ganzer Fokus darauf, diese Saison mit dem finanziellen geringsten Schaden für 1860 zu Ende zu bringen und unsere Chance beim Schopf zu packen, noch ganz vorne angreifen zu können."

Auch für Gorenzel selbst ist die derzeitige Situation nach eigener Aussage ungewohnt und schwierig. "Für mich, der ich gefühlt jeden einzelnen Tag meines Lebens an einem Trainingsgelände verbracht habe, ist das wirklich ungewohnt im Home Office." 

Es erschwere den so wichtigen Austausch, schildert Gorenzl, der "ein Freund des persönlichen Gesprächs" ist. Entscheidend sei jedoch in dieser schweren Zeit vor allem, dass "alle in der Löwenfamilie gesund bleiben und sich an die Vorgaben halten, um ihr eigenes Ansteckungsrisiko zu minimieren und auch ihren Teil dazu beizutragen, dass wir alle möglichst zeitnah wieder zur Normalität zurückkehren können".

Fortbestand des TSV 1860 München im Fokus, Kompromiss in Löwenfamilie

Günther Gorenzel (r.) und Trainer Michael Köllner (l.) sind zu Zeiten der Corona-Krise teilweise auf ganz anderen Ebenen erheblich gefordert.
Günther Gorenzel (r.) und Trainer Michael Köllner (l.) sind zu Zeiten der Corona-Krise teilweise auf ganz anderen Ebenen erheblich gefordert.  © Matthias Balk/dpa

Normalität gibt es in der 3. Liga derzeit nicht. Viele Vereine haben bereits Kurzarbeit angemeldet, kämpfen mit allen Mitteln um die eigene Zukunft. Bei den Löwen ist dieser Schritt noch ausstehend. 

"Wir wollen alle Mitarbeiter mitnehmen, ihnen die Situation im intensiven Austausch vermitteln und ihnen Lösungen anbieten, denen sie vertrauen können. Kurzarbeit ist eine der Lösungen, die wir gerade diskutieren", erklärt Gorenzel und betont gleichzeitig deutlich, dass der "Fortbestand von 1860 München" im Zentrum aller Varianten stehe.

Den zu erwartenden, finanziellen Schaden durch die Corona-Krise bezeichnet er trotz verschiedener Szenarien, die angesichts des aktuell gänzlich offenen Ausgangs variieren, als "sehr schmerzhaft".

Es gebe bereits ein "tragfähiges Modell" sowie "gute Gespräche". Ein Entscheiden "von oben herab" sei in diesem Zusammenhang allerdings nicht geboten. "Wir brauchen die Unterstützung und Zustimmung aller. Wir sind ein Team. Es gibt bei uns ja keinen Tarifvertrag wie bei großen Konzernen", schildert Gorenzel. Ein möglichst guter Kompromiss müsse deshalb eindeutig das Ziel sein. "Die Löwenfamilie muss zusammen halten."

Daran, dass das Klima gerade innerhalb des Teams durch die Krise leiden könne, glaubt Gorenzel indes nicht. "Wir arbeiten dagegen auch täglich an. Michael Köllner (Trainer der Löwen, Anm. d. Red.) macht das auch sehr gut mit dem Trainerteam." Der 50 Jahre alte Übungsleiter, der den Posten im November des letzten Jahres nach dem Rücktritt von Daniel Bierofka (41) übernommen hatte, schreibe "täglich E-Mails" und kümmere sich "um jeden Einzelnen". Es werde generell viel kommuniziert.

"Wir wollen ihnen auch vermitteln, dass es auf jeden ankommt", erklärt Gorenzel. "Wir wissen alle nicht, wann es weitergeht, aber wir wollen, dass es gemeinsam weitergeht. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir aus einer Serie von 14 ungeschlagenen Spielen kamen." Es ist in der Tat eine sportliche Serie, welche die Sechzger und die Fans, die zu jedem Spiel in Scharen ins Grünwalder strömen, wieder von einem durchaus möglichen Aufstieg in die 2. Bundesliga träumen lässt - sollte die derzeitig unterbrochene Saison nicht aufgrund der Krise gänzlich abgebrochen werden.

Saisonabbruch der 3. Liga als Horror-Szenario für den TSV 1860 München

Für 1860-Trainer Michael Köllner und sein Team ist der Aufstieg noch möglich - sollte die Saison der 3. Liga nicht doch noch abgebrochen werden.
Für 1860-Trainer Michael Köllner und sein Team ist der Aufstieg noch möglich - sollte die Saison der 3. Liga nicht doch noch abgebrochen werden.  © Matthias Balk/dpa

"Ein Abbruch ist für 1860 keine Option. Wir müssen zu einem Modus kommen, wie die Meisterschaft zu Ende gespielt werden kann. Egal ob mit stetigen Englischen Wochen oder auch in Turnierform", stellt der gebürtige Grazer klar und führt aus: "Am Ende muss ein Modus gefunden werden, in dem die ausstehenden Spiele ausgetragen werden. Mit etwas gutem Willen ist das sicherlich umsetzbar."

Sollte dies nicht möglich sein, droht dem Verein ein absolutes Horror-Szenario. "Bei einem Abbruch der Meisterschaft wäre für uns - neben dem Verlust einer möglicherweise historischen Aufstiegschance - auch der wirtschaftliche Schaden am größten."

Im Hinblick auf eine mögliche Unterstützung durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) in finanzieller Hinsicht, hält sich der 48-Jährige zurück. Es ist ein schwieriges Thema, der DFB plant derzeit offenbar keine finanziellen Hilfen. Diese wären aber wichtig. 

"Deshalb erhoffen wir uns, nachdem die erste Ankündigung für finanzielle Hilfen verpufft ist, dass auch der DFB Lösungen gerade für die 3. Liga anbietet", betont Gorenzel, der fordert, dass die Zuständigkeiten definiert sein müssen und denkt, dass "der Fußball in Deutschland, in der Form in der wir ihn alle lieben und schätzen, nur dann eine Chance auf Fortbestand hat, wenn nicht stetig Zuständigkeiten weitergeschoben werden". Bleibt zu hoffen, dass sich der DFB eben jener Verantwortung bewusst ist.

Derzeit liegen die Löwen in der 3. Liga mit 42 Zählern aus 27 absolvierten Partien auf einem starken sechsten Platz. Der Rückstand auf die SpVgg Unterhaching (Rang drei) und den SV Waldhof (Rang zwei) beträgt lediglich zwei Punkte. Beide Vereine konnten in dieser Spielzeit 44 Zähler einfahren. Selbst die Tabellenspitze, die der MSV Duisburg innehat, ist nur fünf Punkte entfernt. Bei noch elf zu spielenden Partien, sollten diese stattfinden, scheint somit alles möglich.

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Titelfoto: imago images/Lackovic

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