Bricht der VfB-Machtkampf wieder auf? Präsident Vogt mit heftigen Vorwürfen konfrontiert

Stuttgart - Die Stimmung kurz vor der Mitgliederversammlung beim VfB Stuttgart ist angespannt.

Die beiden kämpfen ums Präsidentenamt beim VfB Stuttgart: Pierre-Enric Steiger (49, l.) und Claus Vogt (51, r.).
Die beiden kämpfen ums Präsidentenamt beim VfB Stuttgart: Pierre-Enric Steiger (49, l.) und Claus Vogt (51, r.).  © Dennis Kupfer/VfB Stuttgart/dpa

Denn es steht viel auf dem Spiel, wenn am Sonntag (11 Uhr) neben dem Präsidenten, zwei Vizepräsidenten und der neunköpfige Vereinsbeirat gewählt wird. So geht es nicht weniger als darum, wer beim schwäbischen Traditionsverein in Zukunft das Sagen hat.

Und wenn es um Macht geht, geht es meistens schmutzig zu. So wurde in den Tagen vor dem Superwahl-Sonntag nur darauf gewartet, dass etwas an die Öffentlichkeit gerät, das die Wahl auf dem Kopf stellen könnte.

Am Freitag schien es dann soweit. Bei Zeit Online wurde eine vierteilige Artikel-Reihe veröffentlicht, bei der vor allem Präsident Claus Vogt (51) nicht gut wegkam.

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Der Amtsinhaber geht bei der Wahl als Favorit ins Duell mit Herausforderer Pierre-Enric Steiger (49). Er gilt als Fan-nah und als führende aufklärerische Kraft rund um den Datenskandal beim VfB Stuttgart.

Er wurde bislang von den Anhängern als Gegenpart zu etablierten VfB-Funktionären gesehen, die gerne als "alte Seilschaften" bezeichnet werden.

Claus Vogt gewann den Machtkampf beim VfB Stuttgart gegen Thomas Hitzlsperger

Da war noch alles gut: Im Dezember 2019 wurde Claus Vogt zum VfB-Präsident gewählt.
Da war noch alles gut: Im Dezember 2019 wurde Claus Vogt zum VfB-Präsident gewählt.  © Tom Weller/dpa

Im Kampf gegen diese Strukturen schien Vogt gewappnet. Nichts konnte ihn kleinkriegen, nicht mal Vorstandsboss Thomas Hitzlsperger (39), der im Dezember 2020 bekannt gab, selbst Präsident werden zu wollen und Vogt in einem vierseitigen offenen Brief diskreditierte.

Im Gegenteil: Der bis dahin uneingeschränkt beliebte Hitzlsperger verlor den Machtkampf gegen Vogt, den er selbst eskalieren ließ, entschuldigte sich für den von ihm gewählten Ton und zog schlussendlich seine Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur zurück.

Was blieb: das beschädigte Image einer Vereinsikone.

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Hitzlsperger wurde nur noch als Marionette der sogenannten "alten Seilschaften" angesehen und seine angeführten Kritikpunkte gegen Vogt wurden nicht mehr ernst genommen. Bis jetzt?

Nun tauchten jedenfalls einiger dieser im besagten Zeit-Text erneut auf.

Viele der Anschuldigungen gegen Claus Vogt sind nicht neu

Mit der Attacke gegen Claus Vogt (51) schadete sich Vorstandsboss Thomas Hitzlsperger (39, Bild) vor allem selbst.
Mit der Attacke gegen Claus Vogt (51) schadete sich Vorstandsboss Thomas Hitzlsperger (39, Bild) vor allem selbst.  © Marijan Murat/dpa

Zum Beispiel der Vorwurf, Vogt würde nicht professionell arbeiten. Nach Recherchen des Hamburger Blattes soll der Präsident Sitzungsprotokolle nachträglich bearbeitet haben, um einen "in der Sitzung offenbar nicht gefällten Beschluss" hinzuzufügen.

Dies bestätigte Vogt gegenüber der Stuttgarter Zeitung in Teilen sogar, verwies aber gleichzeitig darauf, dass das finale Protokoll alle erhalten haben, bevor es bei der folgenden Präsidiumssitzung bestätigt wurde.

Ebenfalls bereits bekannt war die Anschuldigung aus der Zeit-Recherche, dass Vogt unnötig viel Vereinsgeld an die Berliner Kanzlei Esecon bezahlt haben soll, um damit die Aufklärung des Datenskandals voranzubringen.

Schon in Hitzlspergers Brief hieß es nämlich, Vogt habe die "Beauftragung ohne Ausschreibung, ohne Kostenschätzung und ohne Projektplan durchgedrückt". Außerdem: "Die unkontrolliert ausufernden Kosten führten dazu, dass die AG den Verein unterstützen muss, um ihn vor der Zahlungsunfähigkeit zu bewahren."

Vogts Reaktion damals: Die Versicherung kommt für die Kosten auf.

Wie nah stehen sich VfB-Präsident Claus Vogt und Esecon?

Bricht der Machtkampf zwischen Vorstandsboss Thomas Hitzlsperger (39, l.) und Präsident Claus Vogt (51, r.) wieder auf?
Bricht der Machtkampf zwischen Vorstandsboss Thomas Hitzlsperger (39, l.) und Präsident Claus Vogt (51, r.) wieder auf?  © Tom Weller/dpa

Wirklich neu an der Zeit-Recherche ist dagegen der Vorwurf, der Präsident könnte Esecon näher gestanden haben als bisher bekannt. So heißt es, dass die Kanzlei Vogt bereits vor dem Auftrag zur Aufklärung des Datenskandals strategisch beraten haben soll.

Außerdem wird spekuliert, ob der Präsident schon lange vor der Öffentlichkeit von dem Datenskandal wusste und ihn schließlich zu seinem Vorteil nutzte. Heftige Vorwürfe, die Vogt gegenüber der Stuttgarter Zeitung mit Vehemenz bestreitet.

Doch wie sind all die Anschuldigungen gegen Vogt nun einzuordnen? Der Glaube, dass an den Vorwürfen gegen ihn rein gar nichts dran ist, dürfte naiv sein. Aber auch seine Gegner bekleckern sich nicht mit Ruhm. Dies zeigt, dass in den vergangenen Tagen mit aller Kraft versucht wurde, zur Wahl stehende Kandidaten zu beeinflussen und sie gegen Vogt zu instrumentalisieren.

Die Lage ist verzwickt: Sollte sich Vogt bei der Wahl gegen Steiger durchsetzen, wäre es zwar die nächste Pleite für die sogenannten "alte Seilschaften", aber der Machtkampf mit Vorstandsboss Hitzlsperger könnte wieder aufbrechen. Dann würde einmal mehr der VfB als großer Verlierer dastehen.

Titelfoto: Tom Weller/dpa

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