Ganz neue Töne im Kampf der Kulturen beim VfB Stuttgart

Stuttgart - Datenskandal, Führungskrise und eine Entlassungs- sowie Rücktrittswelle haben den VfB Stuttgart im Verlauf des Jahres heftig getroffen. Inzwischen deutet sich ein Kulturwandel an.

Gehörte zur alten Garde: Ex-VfB-Finanz-Vorstand Stefan Heim.
Gehörte zur alten Garde: Ex-VfB-Finanz-Vorstand Stefan Heim.  © Daniel Naupold/dpa

Was war das noch für ein wildes Frühjahr beim schwäbischen Traditionsklub? Ein Paukenschlag folgte dem nächsten.

Die Vorstände Stefan Heim (Finanzen) und Jochen Röttgermann (Marketing) wurden genau wie Ex-Kommunikationschef Oliver Schraft bereits im Februar entlassen. Im selben Monat traten außerdem die Vize-Präsidenten Bernd Gaiser und Rainer Mutschler zurück.

Auch im Vereinsbeirat knallte es: So schmissen im März Claudia Maintok, James Bührer und letztlich der Vorsitzende des Gremiums, Wolf-Dietrich Erhard, hin.

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Allesamt waren Vertreter der "alten Seilschaften", wie man in Stuttgart sagt - einer konservativen Vereinspolitik, deren Zeit abgelaufen scheint.

Aus diesem Kampf der Kulturen trat Präsident Claus Vogt (51) als Sieger hervor.

VfB-Mitglieder haben die Schnauze voll von Skandalen

Hält sich inzwischen zurück: VfB-Vorstandsboss Thomas Hitzlsperger (39).
Hält sich inzwischen zurück: VfB-Vorstandsboss Thomas Hitzlsperger (39).  © Marijan Murat/dpa

Seitdem herrscht ein anderer Ton, wie aus dem Umfeld des Vereins zu vernehmen ist. Glaubt man dem, sollen die Treffen der Gremien seit der Entlassungs- und Rücktrittswelle ohne Störfeuer ablaufen. Statt gestritten wird demnach mehr diskutiert.

Eine Atmosphäre, die dem Klub gutzutun scheint. Denn auch nach außen gibt der einstige Chaosklub seit Längerem ein verbessertes Bild ab.

Ein Hinweis dafür: Der neuen Vereinsbeiratsspitze um Rainer Weninger und Andre Bühler gelang es, einen erstaunlich ruhigen Präsidentschaftswahlkampf zu moderieren. Fiese Machenschaften wie in der Vergangenheit blieben größtenteils aus.

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Von solchen haben die Mitglieder die Schnauze eh gestrichen voll. Das klare Votum pro Vogt, der bei der Präsidentschaftswahl vor gut zwei Wochen mit 92,25 Prozent im Amt des Präsidenten bestätigt wurde, lässt keinen anderen Entschluss zu.

Nach den vielen Skandalen, für die die "alten Seilschaften" verantwortlich gemacht werden, lechzen die Anhänger nach einer transparenten Vereinspolitik.

So ist das Verhältnis zwischen VfB-Vorstandschef Thomas Hitzlsperger und Präsident Claus Vogt

Trat nach der Wahl von Claus Vogt (51) zum VfB-Präsidenten zurück: Ex-Aufsichtsrat Wilfried Porth (62).
Trat nach der Wahl von Claus Vogt (51) zum VfB-Präsidenten zurück: Ex-Aufsichtsrat Wilfried Porth (62).  © Tom Weller/dpa

Dies hat inzwischen auch Vorstandsboss Thomas Hitzlsperger (39) verstanden.

Attackierte er im vergangenen Dezember Fanliebling Vogt noch in einem offenen Brief heftig, muss er sich nun mit ihm arrangieren.

Längst bemühen sich die beiden, sich in der Öffentlichkeit einig zu präsentieren, was dem nach Harmonie strebenden Hitzlsperger allerdings deutlich schwerer zu fallen scheint.

Derweil gibt es noch weitere offene Baustellen beim VfB. Mit Thomas Ignatzi (Finanzen, ab 16. August) und Rouven Kasper (Marketing, ab Januar 2022) hat man die Vorstands-Riege in der AG zwar neu besetzt, doch als nächstes gilt es die freien Plätze im Aufsichtsrat zu besetzen.

Aus diesem hatte sich zuletzt Daimler-Vorstand und Vogt-Gegner Wilfried Porth (62) zurückgezogen.

Ihr Verhältnis soll inzwischen professionell sein: Vorstandsboss Thomas Hitzlsperger (39 und Präsident Claus Vogt (51).
Ihr Verhältnis soll inzwischen professionell sein: Vorstandsboss Thomas Hitzlsperger (39 und Präsident Claus Vogt (51).  © Sebastian Gollnow/dpa

Längst laufen Gespräche, wer für das neunköpfige Gremium geeignet sein könnte. Vier Plätze sind derzeit frei, Aufsichtsratschef Vogt hätte davon wohl gerne mindestens einen mit einer Frau besetzt - als Zeichen für gelebte Vielfalt und einem Kulturwandel beim VfB.

Titelfoto: Sebastian Gollnow/dpa

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