Kommentar zur Mitgliederversammlung des VfB: Viele Gesten, die Hoffnung schüren

Stuttgart - Nach fast zehn Stunden Marathon steht der für die kommenden vier Jahre wiedergewählte Präsident des VfB Stuttgart Claus Vogt (51) auf der Bühne in der Mercedes-Benz Arena und deutet wie schon 2019 mit einem breiten Lächeln den Brustring auf seinem Hemd an. Es ist eine von vielen Gesten auf der Mitgliederversammlung, die Hoffnung bei den Anhängern des schwäbischen Traditionsklubs schürt. Ein Kommentar.

Claus Vogt (51) wurde mit 92,25 Prozent Ja-Stimmen der anwesenden Mitglieder für die kommenden vier Jahre zum Präsidenten des VfB Stuttgart gewählt.
Claus Vogt (51) wurde mit 92,25 Prozent Ja-Stimmen der anwesenden Mitglieder für die kommenden vier Jahre zum Präsidenten des VfB Stuttgart gewählt.  © imago/Pressefoto Baumann

92,25 Prozent Zustimmung der anwesenden VfB-Mitglieder, die ihren alten und neuen Präsidenten nicht nur mit tosendem Applaus, sondern sogar mit Sprechchören feiern, war das letzte Bild, das die fast schon unheimlich harmonisch abgelaufene Versammlung abrundete.

Inmitten dieser positiven Reaktionen gehört Vorstandsboss Thomas Hitzlsperger (39), der Vogt einst in einem Offenen Brief attackiert und sich dafür inzwischen mehrfach entschuldigt hatte, zu den ersten Gratulanten. Es kam zur Umarmung - wieder so eine Geste.

Nun ist also klar, dass der Weg beim VfB Stuttgart mit diesen starken Männern weitergeht. Und das, so wünscht Vogt es sich, am Liebsten auch über 2022 hinaus, indem Hitzlspergers Vertrag verlängert wird.

Ex-Präsident Staudt sieht Hitzlspergers VfB-Abschied skeptisch
VfB Stuttgart Ex-Präsident Staudt sieht Hitzlspergers VfB-Abschied skeptisch

Raufen sich die beiden zusammen und finden eine gemeinsame Linie für e. V. und AG, könnte der VfB nach der tollen sportlichen Entwicklung auch auf vereinspolitischer Ebene in den kommenden Jahren blendend aufgestellt sein.

Wilfried Porth tritt mit sofortiger Wirkung von seinem Posten als Aufsichtsrat beim VfB zurück

VfB-Vorstandschef Thomas Hitzlsperger (39, l.) gehörte zu den ersten Gratulanten nach der Wahl von Claus Vogt zum Präsidenten.
VfB-Vorstandschef Thomas Hitzlsperger (39, l.) gehörte zu den ersten Gratulanten nach der Wahl von Claus Vogt zum Präsidenten.  © imago/Pressefoto Baumann

Doch nicht nur Hitzlsperger und Vogt sorgten am Sonntag für große Emotionen.

Als ein Highlight dürfte vielen Anwesenden ein Mitglied im Rollstuhl in Erinnerung bleiben, der bei seiner Rede mit den Tränen kämpfte, da ihm das Beben innerhalb seines Herzensvereins in der jüngsten Vergangenheit sehr zu schaffen gemacht hatte.

Er wünschte sich, dass in der Zukunft Ruhe einkehrt und der VfB wieder im Mittelpunkt steht - nicht die handelnden Personen. Die ergriffenen Anwesenden zollten dem Mann mit Standing Ovations Respekt, der vielen aus den Herzen gesprochen haben dürfte.

Der Angstgegner ist zu Gast: Bricht der VfB heute den Leverkusen-Fluch?
VfB Stuttgart Der Angstgegner ist zu Gast: Bricht der VfB heute den Leverkusen-Fluch?

Für eine weitere Geste sorgte dann noch Wilfried Porth (62). Der von einer Vielzahl von VfB-Mitgliedern ungeliebte Daimler-Mann im Aufsichtsrat des VfB hatte seriösen Quellen zufolge einen Redebeitrag angemeldet, diesen dann aber im Verlauf der Versammlung zurückgenommen und das Stadion verlassen.

Am Montagvormittag ließ der erklärte Vogt-Gegner schließlich über Daimler mitteilen: "Nach sorgfältiger Überlegung habe ich beschlossen, mein Amt im Aufsichtsrat des VfB Stuttgart niederzulegen. Diese Entscheidung ist mir nicht leichtgefallen." Damit handelte er konsequent, wollte er seine Zukunft beim VfB doch vom Ausgang der Präsidentenwahl abhängig machen.

Gewähltes Präsidium und Vereinsbeirat müssen Vertrauensvorschuss der Mitglieder gerecht werden

Christian Riethmüller (46), Claus Vogt (51) und Rainer Adrion (67, v.l.n.r.) bilden das neue Vereinspräsidium des VfB Stuttgart.
Christian Riethmüller (46), Claus Vogt (51) und Rainer Adrion (67, v.l.n.r.) bilden das neue Vereinspräsidium des VfB Stuttgart.  © imago/Pressefoto Baumann

Was bleibt also nach den ganzen Gesten, tollen Worten und der guten Stimmung bei der Mitgliederversammlung?

Ein VfB Stuttgart, der bemüht scheint, die entstandenen Gräben der Vergangenheit zuschütten und das Vertrauen zu Fans und Mitgliedern wiederherstellen zu wollen.

Das neue Präsidiumstrio, zu dem neben Claus Vogt die ebenfalls mit überwältigender Mehrheit gewählten Rainer Adrion (67) und Christian Riethmüller (46) gehören, muss Worten Taten folgen lassen und die Weichen für eine ruhige Zukunft des Vereins stellen, mit dem sich die Mitglieder identifizieren können und wollen.

Zusammen mit dem neuen neunköpfigen Vereinsbeirat, dem Adrion eine "enorme Fachkompetenz" attestierte, müssen die handelnden Personen dem großen Vertrauensvorschuss der Mitglieder gerecht werden, auf dass die riesigen Verfehlungen der Vergangenheit fortan auch in derselbigen verweilen.

Titelfoto: imago/Pressefoto Baumann

Mehr zum Thema VfB Stuttgart: