Meine Meinung: Die kurze VfB-Ära des Visionärs Thomas Hitzlsperger endet unerfüllt

Stuttgart - Es war ein wahrer Paukenschlag. Thomas Hitzlsperger (39), Vorstandsvorsitzender des VfB Stuttgart, wird seinen im Herbst 2022 auslaufenden Vertrag nicht verlängern. Damit bricht der Visionär seine Mission ab.

Beim VfB Stuttgart suchen sie nun einen neuen Vorstandsvorsitzenden.
Beim VfB Stuttgart suchen sie nun einen neuen Vorstandsvorsitzenden.  © Marijan Murat/dpa

Er wolle "noch sehr, sehr lange" beim VfB bleiben, beteuerte Hitzlsperger noch vor Kurzem.

Und generell erweckte er den Eindruck, mit dem Klub noch einiges vorzuhaben, erst am Anfang seines Schaffens zu stehen.

So wie bei einer Presserunde im Februar dieses Jahres. Darauf angesprochen, inwiefern die Präsidentschaftswahl seine mögliche Vertragsverlängerung negativ beeinflusse, reagierte Hitzlsperger mit Unverständnis.

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Schließlich habe er die gute "sportliche Entwicklung maßgeblich beeinflusst" und "gute Leute geholt", die für ihren Job "brennen".

"Warum sollte ich dies nicht weiter mitmachen wollen?", fragte er damals noch die anwesenden Journalisten.

Ein halbes Jahr später will Hitzlsperger, der Visionär, nicht mehr.

Hitzlsperger-Rückzug: Kein guter Zeitpunkt für einen Chef, seinen Platz zu räumen.

Thomas Hitzlsperger (39) will nach sechs Jahren VfB Stuttgart eine neue Herausforderung.
Thomas Hitzlsperger (39) will nach sechs Jahren VfB Stuttgart eine neue Herausforderung.  © Marijan Murat/dpa

Bei seinem Statement versuchte er verzweifelt deutlich zu machen, am Ende einer erfolgreichen Mission angekommen zu sein.

Nach sechs Jahren sei "ein guter Zeitpunkt", um "einen Schlussstrich zu ziehen", so der 39-Jährige.

Doch Fakt ist: Im Amt des Vorstandsvorsitzenden ist Hitzlsperger erst seit zwei Jahren. Und der VfB befindet sich zwar auf einem guten Weg, sich in der Bundesliga zu etablieren, doch abgeschlossen ist der Prozess noch lange nicht. Deshalb ist es auch kein guter Zeitpunkt für einen Chef, seinen Platz zu räumen.

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Der Grund für seinen Entschluss dürfte vielmehr in der "Summe der Erlebnisse und Ereignisse" zu finden sein, wie Hitzlsperger etwas beschönigt seine Zeit in Stuttgart zusammenfasste.

Schließlich steht er nicht nur für den sportlichen Erfolg beim VfB. Er ist auch der Mann, der den Machtkampf mit dem fannahen Präsidenten Claus Vogt (52) zur Eskalation brachte.

TAG24-Redakteur Niklas Noack (29).
TAG24-Redakteur Niklas Noack (29).  © TAG24

Diesen Streit verlor Hitzlsperger spätestens mit der Wiederwahl Vogts vor acht Wochen. Ausgerechnet in den Wochen danach reifte der Entschluss des 39-Jährigen, seinen Vertrag bei seinem Herzensklub auslaufen zu lassen. Und somit endet Hitzlspergers kurze VfB-Ära unerfüllt.

Titelfoto: Marijan Murat/dpa

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