Präsidentschafts-Kandidat Steiger: "Sie sehen ja, welche Verunsicherung noch beim VfB vorherrscht"

Stuttgart - Familienvater, Boss der Björn-Steiger-Stiftung und bald Präsident beim VfB Stuttgart? Pierre-Enric Steiger (49) fordert in der Wahl am 18. Juli Amtsinhaber Claus Vogt (51) heraus. Im ersten Teil des großen TAG24-Interviews spricht er über sein Idol Jürgen Klinsmann (56), die VfB-Führungskrise und wie er als Präsident die Wogen glätten will.

Jürgen Klinsmann (inzwischen 56, r.) war Steigers erstes Idol.
Jürgen Klinsmann (inzwischen 56, r.) war Steigers erstes Idol.  © Frank Kleefeldt/dpa

TAG24: Herr Steiger, nehmen Sie uns mal mit, wie schauen Sie Fußball?

Es kommt auf meine Stimmung an. Ich kann im Trikot kommen, im VfB-Pullover, aber auch im Hemd. Meistens aber schon im VfB-Outfit.

TAG24: Sind Sie dann der gelassene oder eher der nervöse Zuschauer?

VfB verlängert Vertrag mit Al Ghaddioui nach dessen Seuchensaison
VfB Stuttgart VfB verlängert Vertrag mit Al Ghaddioui nach dessen Seuchensaison

Ich bin häufig der nervöse Typ und kann dann manchmal im Stadion oder auch vor dem Fernseher nicht hingucken. Wenn es vor dem Fernseher spannend wird, dann geh ich immer weg. Dann schaut mein Sohn und sagt mir, wann ich wiederkommen kann.

TAG24: Können Sie sich an Ihr erstes VfB-Stadionerlebnis erinnern?

Das muss Anfang der 80er Jahre mit Jürgen Klinsmann gewesen sein. Fragen Sie mich aber nicht, gegen welche Mannschaft wir gespielt haben. So weit liegt das schon zurück, da merke ich, ich bin doch schon älter geworden (lacht).

TAG24: Jürgen Klinsmann war dementsprechend auch ihr erstes Idol?

Ja, das wird auch immer so bleiben. Er war ein begnadeter Fußballer. Ich fand es auch faszinierend, was er 2006 mit dem Sommermärchen geschafft hat. Da hat er ganz viel Gutes im Land bewirkt. Die jüngere Vergangenheit will ich nicht bewerten.

"Eine Kandidatur beim VfB ist ja nicht zwingend vergnügungssteuerpflichtig"

Pierre-Enric Steiger (49, l.) fordert in der Wahl am 18. Juli Präsident Claus Vogt (51) heraus.
Pierre-Enric Steiger (49, l.) fordert in der Wahl am 18. Juli Präsident Claus Vogt (51) heraus.  © VfB Stuttgart

TAG24: Was hat ihre Familie eigentlich gesagt, als sie mit der Idee kamen, VfB-Präsident zu werden?

Meine Frau hat als erstes gesagt: 'Hätte ich mir schon denken können!‘ Man muss dazu sagen, ich habe es zunächst mit meiner Frau und auch mit den Kindern besprochen. Denn es war ja klar, das kann auch eine Belastung werden, die auf die Familie durchschlägt. Eine Kandidatur beim VfB ist ja nicht zwingend vergnügungssteuerpflichtig. Da haben wir ja schon alles erlebt. Als meine Frau dann aber gesagt hat, ich solle es machen, war es eigentlich klar und ich habe meinen Hut in den Ring geworfen.

TAG24: Sie betonen, als VfB-Präsident Brücken bauen zu wollen. So gilt es aber als größter Erfolg ihres Konkurrenten Claus Vogt, nach der Krise um Ex-Präsident Wolfgang Dietrich (72) die Gräben zugeschüttet zu haben. Was wollen sie in dieser Hinsicht noch besser machen?

Nach den enormen Unruhen im Verein vor wenigen Monaten ist es dem amtierenden Präsidenten in der Tat gelungen, Gräben teilweise zuzuschütten und die Spannungen und Unstimmigkeiten zwischen der Fankurve und den anderen Teilen der Mitgliedschaft zu verringern. Gänzlich beseitigt sind die Unterschiede nicht. Nachhaltiges Vertrauen herzustellen gelingt aber nur, wenn man Brücken in alle Richtungen baut. Nicht zuletzt durch einen offenen Diskurs und Dialog im gesamten Verein.

"Die Datenaffäre war nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat"

Steht vor der Geschäftsstelle beim VfB Stuttgart: Pierre-Enric Steiger (49).
Steht vor der Geschäftsstelle beim VfB Stuttgart: Pierre-Enric Steiger (49).  © Hans-Martin Fischer

TAG24: Welche Brücken meinen Sie konkret?

Innerhalb des gesamten Vereins und auch in der AG. Sie sehen ja, welche Verunsicherung zum Teil noch vorherrscht. Es kam ja nicht ohne Anlass zu diesen öffentlich ausgetragenen Auseinandersetzungen. Wenn es zu solch einer Kontroverse kommt, müssen vorher irgendwelche Brücken eingestürzt sein. Die Datenaffäre war meiner gefühlten Ansicht nach nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat.

TAG24: Sie sprechen gerne von ihrem ausgeprägten Demokratieverständnis. Dementsprechend müssen Ihnen ja die Haare zu Berge gestanden haben, als im vergangenen Dezember die Präsidentschaftskandidatur von Thomas Hitzlsperger öffentlich wurde?

Ja, so war es tatsächlich. Herr Hitzlsperger hat wahrscheinlich die Reaktionen auf seinen Vorstoß unterschätzt. Alle Beteiligten haben unglücklich agiert. Generell bin ich überzeugt, dass es selten der richtige Weg ist, Auseinandersetzungen in der Öffentlichkeit auszutragen. Der einzig wahre Verlierer dabei war der VfB. Die Reputation des Vereins hat Schaden genommen.

TAG24: Haben Sie in den ersten Wochen der Führungskrise gedacht, dass Vogt und Hitzlsperger in ihren Ämtern bleiben können?

Ich habe befürchtet, dass diese Geschichte deutlich schwerer eskaliert und den VfB insgesamt massiv beschädigt, wenn beide wirklich gegeneinander angetreten wären. Ich bin froh, dass es nicht soweit gekommen ist.

Im zweiten Teil des Interviews, das am Donnerstag bei TAG24 erscheint, spricht Pierre-Enric Steiger über Ultras, die Super League und eine Frauenquote im Fußball.

Titelfoto: Hans-Martin Fischer

Mehr zum Thema VfB Stuttgart: