VfB-Boss Hitzlsperger postet verzweifelten Tweet und sorgt für Aufreger

Stuttgart - Der Machtkampf beim VfB Stuttgart bekommt sein nächstes Kapitel: Vorstandsboss Thomas Hitzlsperger (38), eine der Zentralfiguren inmitten des vereinserschütternden Bebens, sorgte mit einem Tweet für großen Unmut.

Diese Plakate sind inzwischen in ganz Stuttgart zu sehen: Hitzlspergers (38) Konterfei mit dem "Spalter"-Stempel.
Diese Plakate sind inzwischen in ganz Stuttgart zu sehen: Hitzlspergers (38) Konterfei mit dem "Spalter"-Stempel.  © TAG24

Der Meistertorschütze von 2007 teilte am Freitag über sein Twitter-Profil einen Artikel der Bild-Zeitung, in welchem Esecon-Geschäftsführer Kai Feigenbutz gegenüber dem Blatt bekannt gab, dass der VfB inzwischen bei der Zusammenarbeit besser kooperiere und den Ermittlern mehr Material zur Aufklärung des Datenskandals zur Verfügung stelle.

Zuvor hatte die Stuttgarter Zeitung exklusiv über Einblicke in Zwischenberichte der Ermittlungsagentur berichtet, wonach der Vorstand und Teile des Präsidiums die Aufklärung der Datenaffäre erheblich erschwert hätten.

Dass dem nun wohl nicht mehr so ist, kann als Pluspunkt auf Seiten der betroffenen Personen verbucht werden. Der Tweet von Thomas Hitzlsperger hingegen nicht.

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Er kopierte die Überschrift des Bild-Artikels "Esecon entlastet VfB, Stuttgart prüft Strafanzeige" in seinen Tweet und bezieht sich damit auf den vom Verein eingeschalteten Medienanwalt, der mit herausfinden soll, wer die vertraulichen Zwischenberichte der Stuttgarter Zeitung zugespielt hat; und ob diese/r "Maulwurf" strafrechtlich zur Rechenschaft gezogen werden kann.

Hitzlsperger bricht mit seinem Tweet erstmals die vom Vereinsbeiratsvorsitzenden Wolf-Dietrich Erhard gewünschte Haltung, sich in der den Machtkampf umfassenden Thematik nicht öffentlich zu äußern respektive weitere Stellungnahmen abzugeben.

Thomas Hitzlsperger geriet bei den Ermittlungen von Esecon selbst ins Kreuzfeuer

VfB-Vorstands-Chef Thomas Hitzlsperger (38) winkt in der Mercedes-Benz Arena von der Tribüne.
VfB-Vorstands-Chef Thomas Hitzlsperger (38) winkt in der Mercedes-Benz Arena von der Tribüne.  © Marijan Murat/dpa

Darüber hinaus bestätigt der Inhalt des Bild-Artikels mit den Feigenbutz-Aussagen im Umkehrschluss das, was zuvor durch den Zwischenbericht ans Tageslicht rückte: Beim VfB Stuttgart wurde in der Anfangsphase der Esecon-Ermittlungen intern an vielen Stellen blockiert bzw. gemauert, um den Aufklärungsprozess zu entschleunigen und so möglicherweise unbequeme Wahrheiten zu vertuschen.

Thomas Hitzlsperger selbst geriet dabei ins Kreuzfeuer: Ihm wurde seitens Esecon vorgeworfen, die IT-Zugänge der beschuldigten Mitarbeiter Oliver Schraft und Uwe Fischer nicht deaktivieren zu wollen - was einen Nährboden für mögliche Manipulationen bereite.

Der Tweet des VfB-Vorstands-Chefs mutet wie ein verzweifeltes Manöver an, nachdem in den vergangenen Wochen heftige Kritik auf ihn einprasselte. Ob das Entlarven des Maulwurfs und mögliche strafrechtliche Konsequenzen jedoch zum großen Freischwimmen reichen, darf stark angezweifelt werden.

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Es wirkt angesichts der im Raum stehenden Gemengelage an dominierenden Themen sogar fast schon skurril, dass Hitzlsperger sich einen solchen Aspekt für seine öffentliche Kommunikation herauspickt.

Eine Rücknahme der Kandidatur für das Präsidentenamt, eine ausführlichere Entschuldigung bzw. Klarstellung seiner gewählten Worte gegenüber Präsident Claus Vogt (51) oder die Löschung des Offenen Briefes auf seiner Homepage wären weitaus bedeutsamere Schritte gewesen.

In den Kommentaren unter seinem Tweet brachten einige Fans bzw. Mitglieder deshalb ihren Ärger zum Ausdruck. "Wenn du gegen deinen Willen festgehalten und gezwungen wirst, das zu schreiben, wink morgen zweimal in die Kamera", "Wie man sich mit jedem Tweet tiefer in die Scheiße reitet" oder "Du bist wirklich komplett von allen guten Geistern verlassen" waren unter anderem zu lesen.

Darüber hinaus waren viele User entsetzt darüber, dass Hitzlsperger ausgerechnet einen Artikel der Bild-Zeitung teilt und diese so zu seinem Sprachrohr macht. Außerdem mehren sich die Zuschriften, wonach das Image des einst so angesehenen und beliebten Vorstands-Chefs mittlerweile irreparabel beschädigt sei.

Titelfoto: Marijan Murat/dpa

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