Gonzalo Castro vor seinem 400. Bundesliga-Spiel: Ein Leader, wie er im Buche steht

Stuttgart - Wenngleich in Geisterspiel-Zeiten die "Gonzooo"-Rufe der Fans von der Tribüne ausbleiben, spielt VfB-Kapitän Gonzalo Castro (33) zusammen mit den jungen Wilden um sich herum begeistert auf. Beim anstehenden Heimspiel gegen den 1. FSV Mainz 05 (Freitag, 20.30 Uhr/DAZN) könnte der Schwaben-Leader sein 400. Bundesligaspiel bestreiten.

Gonzalo Castro (33, r.) wirft am 28. Mai 2020 nach seinem unglaublich wichtigen 3:2 Siegtreffer im Zweitligaspiel gegen den Hamburger SV sein Trikot weg.
Gonzalo Castro (33, r.) wirft am 28. Mai 2020 nach seinem unglaublich wichtigen 3:2 Siegtreffer im Zweitligaspiel gegen den Hamburger SV sein Trikot weg.  © Matthias Hangst/Getty Images Europe/Pool/dpa

Mit einem Lächeln auf den Lippen erinnerte sich der Halb-Spanier in einer Presserunde am Dienstag an die Highlights seiner Karriere zurück: Das erste Bundesliga-Spiel 2005 als 17-Jähriger für Bayer 04 Leverkusen, seinen lang ersehnten ersten Treffer 2006 gegen Alemannia Aachen und den Gewinn des DFB-Pokals 2017 mit Borussia Dortmund.

Der heute 33 Jahre alte Castro, der 2018 zum VfB Stuttgart kam und damit lediglich zu seiner dritten Station als Profi, kann vor dem anstehenden Jubiläum zufrieden zurückblicken. "Dass ich mal 400 Bundesligaspiele machen würde, hätte ich mir nie erträumen lassen", so der gebürtige Wuppertaler. "Und das auch noch für drei namhafte Vereine, bei denen ich mich überall durchsetzen konnte."

Profitiert hat er dabei unter anderem von dem großen Glück, dass sein Körper bis heute so gut mitmachte. Das sei aber auch das Ergebnis seiner enorm harten Arbeit, gab Castro an.

Der Ex-Nationalspieler, der 2007 fünf Spiele für Deutschlands A-Elf absolvierte, gilt in Stuttgart als verlängerter Arm von Trainer Pellegrino Matarazzo (43) auf dem Feld und macht vor allem seinen jungen Mitspielern stets klar, dass sie "immer Vollgas" geben müssen, wenn sie eine ähnliche Karriere wie er selbst hinlegen wollen.

Gonzalo Castro geht "so locker wie noch nie" in die Vertragsverhandlungen mit dem VfB Stuttgart

VfB-Kapitän Gonzalo Castro (33, r.) im vollen Einsatz gegen RB Leipzigs Abwehrkante Dayot Upamecano (22).
VfB-Kapitän Gonzalo Castro (33, r.) im vollen Einsatz gegen RB Leipzigs Abwehrkante Dayot Upamecano (22).  © Tom Weller/dpa

Sollte Castro in den sechzehn noch ausstehenden Bundesliga-Partien zum Zug kommen, hätte er zum Saisonende 415 Einsätze auf dem Buckel und würde damit in die Top 100 vorstoßen - und wäre damit in Reichweite von Bundesliga-Legenden wie Berti Vogts (74, 419 Spiele) oder Georg Schwarzenbeck (72, 416).

Doch in Zukunft könnten sogar noch ein paar Spiele mehr dazukommen, denn der 33-Jährige, dessen Vertrag beim VfB Stuttgart zum Saisonende ausläuft, denkt noch nicht ans Aufhören. In den kommenden Wochen sollen Gespräche über eine Verlängerung anstehen.

"Ich glaube, ich gehe so locker wie noch nie in die Verhandlungen", so Castro. Er will sich mit dem Verein darüber austauschen, wie der Plan für die Zukunft aussehe und ob er darin eine Rolle spielen könnte.

Bislang erfüllt er seine Aufgaben als Kapitän jedenfalls glänzend - nicht als emotionaler "Rumschreier" auf dem Platz, sondern als disziplinierter Profi, der mit Einsatz und Taten auf dem Rasen im Training und bei Spielen vorangeht. Dabei zehrt er von seinen Erfahrungen, die er als junger Spieler im Zusammenspiel mit prägenden Leadern wie Bernd Schneider (47) und Carsten Ramelow (46) in Leverkusen machte.

Irgendwann wird jedoch auch für Castro die aktive Karriere zu Ende gehen. Den konkreten Plan, was er in der Zeit danach machen wolle, gibt es noch nicht.

Nur eines konnte der sympathische Mittelfeldspieler schon mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit und einem Lachen ausschließen: "Trainer werde ich wohl eher nicht. Ich will einfach nicht den Stress haben, mich 20 Jahre lang vor 20 Bekloppte hinstellen und jedes Mal erklären zu müssen, warum er nicht spielt und warum er nicht spielt."

Titelfoto: Tom Weller/dpa

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