VfB in der Bundesliga-Vorschau: Muss Stuttgart um den Klassenerhalt bangen?

Endlich geht es wieder los! Am kommenden Wochenende startet die Bundesliga endlich in die neue Saison. In der TAG24-Analyse werden alle 18 Klubs genau unter die Lupe genommen. 

Stuttgart - Der VfB Stuttgart ist nach nur einem Jahr Auszeit zurück in der Bundesliga! Doch werden sich die Schwaben dort halten können? Der Kader gleicht einer Wundertüte, ist aber definitiv für eine Überraschung gut. 

Waldemar Anton ist der Top-Transfer des VfB Stuttgart

Eigentlich ist Waldemar Anton (24) ein freundlicher Mensch, doch auf dem Rasen wollen sich nur die wenigsten mit ihm anlegen. Ihm dort als Gegenspieler zu begegnen, "kann schon mal" wehtun, wie er selbst sagt. Nach neun Jahren Hannover 96 will der 24-jährige Abwehrspieler nun mit dem VfB in der Bundesliga angreifen. 

In der Vorbereitung hat er sich durch seine Präsenz auf dem Platz und seiner Schnelligkeit sofort einen Stammplatz in der Innenverteidigung erkämpft. Noch mehr: Von Beginn an war klar, er ist der Abwehrchef. Mit seiner rigorosen Art zu verteidigen, könnte der Top-Transfer bei den Schwaben schnell der Liebling der Fans werden. 

Waldemar Anton (24) ist gekommen, um die Rolle des Abwehrchefs beim VfB Stuttgart auszufüllen.
Waldemar Anton (24) ist gekommen, um die Rolle des Abwehrchefs beim VfB Stuttgart auszufüllen.  © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Konstantinos Mavropanos und Momo Cissé sind die weiteren Neuzugänge des VfB Stuttgart

Auch der zweite große Neuzugang der Stuttgarter ist hauptberuflich Innenverteidiger: Konstantinos Mavropanos (22). Der Grieche ist zunächst vom FC Arsenal London nur ausgeliehen, könnte aber trotzdem immens wichtig für die Schwaben werden. "Es ist nicht schlimm, dass wir ihn nur leihen konnten. Anders bekommst du als VfB nicht so eine Qualität", so VfB-Sportdirektor Sven Mislintat (47) in der Bild

Der 1,94-Meter große Abwehrhüne, der vergangene Saison noch an den 1. FC Nürnberg verliehen war, bringt eine außergewöhnliche Antrittsschnelligkeit sowie Zweikampfstärke mit, sodass er perfekt ins Anforderungsprofil von Kaderplaner Mislintat passt. Gemeinsam mit Anton hievt er die VfB-Abwehr auf Bundesliga-Niveau! Wermutstropfen: Mavropanos fiel mit Leistenproblemen in der Vorbereitung über weite Strecken aus, sodass er zu Beginn der Saison keine Rolle spielt. 

Im Gegensatz zu Gregor Kobel (22), Pascal Stenzel (24) und Wataru Endo (27), die allesamt nach einer Leihe vom VfB fest verpflichtet wurden. Sie gehörten schon in der vergangenen Spielzeit zum Stammpersonal der Schwaben. 

Zudem verpflichtete Stuttgart das Offensivtalent Momo Cissé (17) vom französischen Zweitligisten AC Le Havre. Der technisch gute Außenbahnspieler soll langsam an die erste Elf der Stuttgarter herangeführt werden. Gleiches gilt für die Jungspunde Lilian Egloff (18) und Antonis Aidonis (19), die einen Profivertrag beim VfB unterschrieben. 

Nach einer Leihe kehrten außerdem Erik Thommy (26) und Aílton (25) zu den Schwaben zurück. Letzterer soll den VfB allerdings noch verlassen. 

Konstantinos Mavropanos (22) könnte ein ganz wichtiger Pfeiler der VfB-Abwehr werden.
Konstantinos Mavropanos (22) könnte ein ganz wichtiger Pfeiler der VfB-Abwehr werden.  © Tom Weller/dpa

Mario Gomez und Holger Badstuber sind die Abgänge des VfB Stuttgart

Mit Mario Gomez (35) verließ nach der abgelaufenen Saison einer der ganz Großen den VfB Stuttgart: Im Alter von 35 Jahren beendete der Champions-League-Sieger von 2013 seine Profikarriere. Zudem sortierte der VfB mit Holger Badstuber (31) einen Oldie aus, der sich in der Regionalliga-Mannschaft der Schwaben fit halten darf. 

Gomez und Badstuber haben zwar beide eine große Karriere hinter sich, dürften dem VfB sportlich aber nicht fehlen. Ob man ihre Erfahrung in der jungen Stuttgarter Mannschaft missen wird, wird sich zeigen. 

Seine Zukunft noch vor sich, hat Nathaniel Phillips (23). Allerdings nicht beim VfB. Nach seiner Leihe kehrte er zurück zur Reserve des FC Liverpool. Auch Pablo Maffeo (23) wird vermutlich nicht mehr im Dress mit dem Brustring auflaufen. Der VfB versuchte den Spanier zu verkaufen, doch wie schon vergangene Saison gelang nur eine Leihe. Maffeo spielt kommende Saison für den spanischen Erstligisten SD Huesca. Für Nikolas Nartey (20), der seit seinem Transfer vom 1. FC Köln nach Stuttgart (2019) immer verliehen wurde, geht die Reise dieses Mal zum SV Sandhausen. 

Den VfB endgültig verlassen haben dagegen Anastasios Donis (23, Stade Reims), Chadrac Akolo (25, Amiens SC) und David Kopacz (21, Würzburger Kickers).

Offen ist noch die Zukunft des wechselwilligen Nicolas Gonzalez (22). Seine Verletzung (Bündelriss in der Hüftmuskulatur) könnte dem Argentinier allerdings einen Strich durch die Rechnung machen. 

Hat die Kickschuhe an den Nagel gehängt: Mario Gomez (35).
Hat die Kickschuhe an den Nagel gehängt: Mario Gomez (35).  © Tom Weller/dpa

So tickt VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo

Wenn Pellegrino Matarazzo (42) über Fußball spricht, dann merkt man schnell: Der Amerikaner ist detailversessen. Verwunderlich ist das nicht, schließlich studierte er an einer Elite-Universität in den USA Mathematik. Fragt ein Journalist nach der Formation der Aufstellung, so kann es schon mal vorkommen, dass dieser von Matarazzo umgehend einen Taktik-Crashkurs bekommt. 

Dann erklärt der ehemalige Co-Trainer von Julian Nagelsmann (33, bei TSG 1899 Hoffenheim), dass es keine feste Formation mehr gebe. Es fallen Stichwörter wie "situationsabhängig" und "Variabilität". 

So ließ Matarazzo beispielsweise im Testspiel gegen Straßburg bei eigenem Ballbesitz mit Viererkette spielen, gegen den Ball formierte sich dann eine Dreier-Abwehrreihe. Matarazzo ist ein Fan von Flexibilität. Dabei nutzt ihm der Fußballsachverstand, der sicherlich seine größte Stärke ist. 

Seine Schwäche ist dagegen die fehlende Erfahrung. Der VfB Stuttgart ist Matarazzos erste Station als Cheftrainer im Profibereich. Zwar brachte er die Stuttgarter in die Bundesliga zurück, doch es wird darauf ankommen, wie er auf die erste Krise reagiert. 

VfB-Coach Pellegrino Matarazzo tüftelt an der Taktiktafel.
VfB-Coach Pellegrino Matarazzo tüftelt an der Taktiktafel.  © Sebastian Gollnow/dpa

Vorbereitung und Form des VfB Stuttgart

Ergebnistechnisch verlief die Vorbereitung des VfB ausgezeichnet. Die Schwaben gewannen die Testspiele gegen die Zweitligisten SV Sandhausen (6:1) und Hamburger SV (3:2) sowie gegen den Bundesligisten Arminia Bielefeld (2:0) und den französischen Erstligisten Racing Straßburg (4:2) teilweise eindrucksvoll. Einzig im Duell mit dem Premier-League-Sieger FC Liverpool kassierten die Schwaben eine 0:3-Klatsche. Doch auch in dieser Partie verkaufte sich der VfB teuer. 

Der Start in die Pflichtspiel-Saison gelang ebenfalls. Beim Drittligisten FC Hansa Rostock gab man sich in der ersten Runde des DFB-Pokals keine Blöße und gewann mit 1:0. Was dem VfB kurz vor dem Bundesligastart allerdings Probleme bereitet, ist die Verletztensituation. Zuletzt fehlten mit Nicolas Gonzalez (22)Clinton Mola (19), Philipp Förster, Konstantinos Mavropanos (22), Lilian Egloff (18), Erik Thommy (26), Mateo Klimowicz (20, muskuläre Probleme) und Borna Sosa (Knieprobleme) acht Profis. 

Vor allem der Ausfall von Gonzalez (Bündelriss in der Hüftmuskulatur) schockte den VfB. Mit 14 Toren war er in der Aufstiegssaison der treffsicherste Stuttgarter. Obwohl der Argentinier zu Beginn der Saison fehlen wird, will der VfB keinen Ersatz mehr verpflichten. 

Pellegrino Matarazzo (42) beobachtet seine Mannschaft im Trainingslager in Kitzbühel.
Pellegrino Matarazzo (42) beobachtet seine Mannschaft im Trainingslager in Kitzbühel.  © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Saisonziel des VfB Stuttgart

Nach jahrelanger Selbstüberschätzung wollen die aktuellen Verantwortlichen des VfB Stuttgart kleine Brötchen backen. So lautet das ausgegebene Ziel des Aufsteigers der Klassenerhalt. 

Haben beim VfB das Ziel Klassenerhalt ausgegeben: Vorstandsboss Thomas Hitzlsperger (l.,38) und Sven Mislintat (47).
Haben beim VfB das Ziel Klassenerhalt ausgegeben: Vorstandsboss Thomas Hitzlsperger (l.,38) und Sven Mislintat (47).  © Robert Michael/dpa-Pool/dpa

TAG24-Prognose zum VfB Stuttgart

Der junge Kader des VfB Stuttgart gleicht einer Wundertüte, weshalb das Ziel Klassenerhalt zur großen Herausforderung werden könnte. Dafür haben die Schwaben mit Kobel (22) allerdings einen ganz starken Rückhalt im Tor. Der Schweizer ist die klare Nummer eins und trotz seines jungen Alters ein Führungsspieler. Er ist der Lautsprecher der Mannschaft, der während der 90 Minuten immer zu hören ist. Im Fall der Fälle wird Kobel von Ersatzmann und Freund Fabian Bredlow (25) ersetzt, Jens Grahl (31) ist der dritte Keeper im Bunde. 

Als Rechtsverteidiger ist Pascal Stenzel (24) gesetzt. Auf den Dauerbrenner, der in der vergangenen Saison bei allen Partien auf dem Platz stand, ist defensiv wie offensiv Verlass. Was auch nötig ist, denn ein weiterer gelernter Rechtsverteidiger fehlt dem VfB. 

Neben Abwehrchef Anton (24) herrscht dagegen in der Innenverteidigung ein reger Konkurrenzkampf: Marc Oliver Kempf (25), Marcin Kaminski (28) und Mavropanos (22) werden diesen unter sich ausmachen. Atakan Karazor (23) und Antonis Aidonis (19) müssen auf ihre Chance warten. Mit dem langzeitverletzten Maxime Awoudja (23, Achillessehnenriss) ist erstmal nicht zu rechnen.  

Kempf könnte außerdem auf die Position des Linksverteidigers ausweichen. Dort ist normalerweise Borna Sosa (22) gesetzt, doch der fällt zunächst wegen Knieproblemen auf unbestimmte Zeit aus. Gleiches gilt für seinen Kollegen Clinton Mola (19), der verletzungsbedingt bis Ende des Jahres fehlen könnte. 

Im zentralen Mittelfeld ist Wataru Endo (27) der heimliche Boss. Coach Pellegrino Matarazzo ernannte zwar Gonzalo Castro (33) zu seinem Kapitän, doch dieser soll die junge Mannschaft vor allem mit seiner Erfahrung von 383 Bundesligapartien anführen. Fußballerisch ist Endo auf dem Platz präsenter. Bereits in der Aufstiegssaison war der Japaner Dreh- und Angelpunkt im Spiel der Schwaben. Ihn zeichnet seine große Ballsicherheit aus sowie sein starkes Kopfballspiel trotz einer Größe von nur 1,78 Metern. Endo hat noch kein einziges Bundesligaspiel absolviert, doch Anpassungsprobleme wird er nicht haben. Ihn braucht der VfB, um in der Bundesliga zu überleben. 

Neben Castro und Endo dürfte außerdem Orel Mangala (22) gesetzt sein. Der Ex-Hamburger fällt nicht immer mit herausragenden Leistungen auf, aber besonders selten auch mit miserablen. 

Offensiv führt dagegen kein Weg an dem erfahrenen Daniel Didavi (30) vorbei. Er soll vor allem für die Kreativität im VfB-Spiel sorgen. Entscheidend beim 30-Jährigen wird wie schon in der Vergangenheit sein, ob er fit bleibt. Philipp Klement (28), ebenfalls Ideengeber, könnte ihn im Verletzungsfall ersetzen. Im Test gegen Straßburg standen sogar beide gemeinsam auf dem Platz.

Den vielen Einsätzen in der Vorbereitung nach zu urteilen, ist Offensivspieler Mateo Klimowicz (20) ganz nah an der ersten Elf. Der 20-jährige Sohn des ehemaligen Bundesliga-Stürmers Diego Klimowicz (46) tat sich vergangene Spielzeit zwar noch schwer, doch der Argentinier hat an sich gearbeitet. Körperlich legte der Mittelfeldspieler zu und auch seine Dynamik ist vielversprechend. Hoffnung macht außerdem sein Torriecher, den er beim Härtetest gegen den Hamburger SV bewies. Klimowicz hat das Potenzial, zu überraschen. 

Philipp Förster (25) wäre bei Trainer Matarazzo normalerweise erste Wahl. Doch der Offensivmann fällt mit Problemen am Wadenbein zunächst aus. Ebenfalls verletzt ist Lilian Egloff (18). Einsätze des Toptalents, auf das die Schwaben besonders stolz sind, werden sehnlichst erwartet. 

Besonders jung besetzt ist der VfB auf den Außenpositionen. Silas Wamangituka (20) ist dabei Matarazzos Liebling und hat ein Stammplatz sicher. Der Kongolese, der im Pokal gegen Rostock den Siegtreffer erzielte, könnte mit seinen Dribblings die Bundesliga mächtig aufmischen. Vom Stil erinnert er an die Anfänge eines Ousmane Dembélé (23, FC Barcelona) bei Borussia Dortmund. Wamangituka hat vieles in seinem Werkzeugkasten parat, muss dieses nur noch lernen, richtig einzusetzen. Sein Potenzial ist enorm. Neben ihm streiten sich Roberto Massimo (19), Tanguy Coulibaly (19) und Darko Churlinov (20) um die Positionen. Neuzugang Cissé (17) muss sich dagegen in Geduld üben. Wer spielt links, wer rechts? Hier ist keine Einschätzung möglich, da VfB-Coach Matarazzo wild rotiert - auch mehrfach während des Spiels. 

Der Angriff könnte zum großen Manko der Schwaben werden, schließlich ist Stürmerstar Gonzalez (22) zunächst verletzt. Sasa Kalajdzic (23), der im Pokal auf seiner Position agierte, machte jedenfalls nicht den Eindruck, als könnte er den treffsicheren Argentinier ersetzen. Auch hinter Hamadi Al Ghaddioui (29), der noch keinen einzigen Bundesligaeinsatz in seiner Vita hat, steht ein Fragezeichen. Aktuell scheint für den 29-Jährigen, dem Tempo und Klasse fehlt, höchstens die Rolle des Ergänzungsspielers denkbar. 

So könnte an dieser Stelle die große Stunde für Klimowicz schlagen. Der 20-Jährige wäre als variabler Neuner einsetzbar. Auch Wamangituka wäre in der Position des Mittelstürmers eine Option. 

Jubel bei den VfB-Profis nach dem Sieg im DFB-Pokal gegen den FC Hansa Rostock.
Jubel bei den VfB-Profis nach dem Sieg im DFB-Pokal gegen den FC Hansa Rostock.  © Danny Gohlke/dpa

TAG24-Saisonfazit für den VfB Stuttgart

Weil der Schlüssel zum Klassenerhalt in der Defensive liegt, wird der VfB den Abstieg verhindern. Die dafür benötigten Tore werden Didavi, Wamangituka und Klimowicz erzielen sowie der bald genesene Gonzalez. Die mutige Entscheidung von Sportdirektor Mislintat, besonders auf junge Spieler zu setzen, wird belohnt. 

Stuttgart wird überraschen und schon im letzten Drittel der Saison nicht mehr um den Klassenerhalt bangen müssen. 

Titelfoto: Danny Gohlke/dpa

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