Der VfB macht verdammt viel richtig, doch belohnt sich nicht

Stuttgart - Unnötiges Unentschieden! Lange hatte der VfB Stuttgart beim 1:1 gegen Hertha BSC alles im Griff, doch aus drei durchaus verdienten Punkten wurde am Ende letztlich nur einer.

Herthas 17-jähriges Top-Talent Luca Netz (l.) jubelt über seinen Ausgleichstreffer und sein allererstes Bundesliga-Tor.
Herthas 17-jähriges Top-Talent Luca Netz (l.) jubelt über seinen Ausgleichstreffer und sein allererstes Bundesliga-Tor.  © Tom Weller/dpa

Ganze 59 Spielminuten dauerte es, bis die Berliner das erste Mal nennenswert gefährlich vor dem Kasten von VfB-Torhüter Gregor Kobel auftauchten: Matheus Cunha überlupfte Kobel und hätte auch getroffen, doch Stuttgarts Abwehrkante Waldemar Anton hatte entschieden was dagegen und köpfte das Leder noch von der Linie.

Vor dieser Szene spielten sich alle torgefährlichen Szenen ausschließlich auf der anderen Seite ab. Vor allem VfB-Sturmtank Sasa Kalajdzic brachte sich mehrfach nach guten Zuspielen in gefährliche Abschlusspositionen und war kurz vor der Halbzeit auch erfolgreich, als Borna Sosa einen Freistoß aus dem linken Halbfeld trat und Kalajdzic den Ball an Hertha-Keeper Rune Jarstein vorbei ins Tor köpfte.

Das Einzige, was man den Stuttgartern während der ersten Hälfte vorwerfen kann, ist die Chancenverwertung.

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Denn gegen Hertha, die unter Trainer Pal Dardai bekanntermaßen defensiv kompakt auftritt, fand der VfB sowohl per Standards als auch aus dem Spiel heraus Wege, um den Riegel zu knacken.

In Verbindung mit einer eigenen Stabilität gegen den Ball, die praktisch keine Gefahr durch das Umschaltspiel der Alten Dame zuließ, bestimmte die Elf von Pellegrino Matarazzo das Geschehen auf dem Feld. Zurecht lobte dieser nach der Partie die "gute Kontersicherung", welche ganz oben auf dem Matchplan stand.

Joker Sami Khedira und Luca Netz besorgen den späten Ausgleichstreffer für die Hertha

VfB-Kapitän Wataru Endo (r.) geht nach dem Abpfiff geknickt über den Platz.
VfB-Kapitän Wataru Endo (r.) geht nach dem Abpfiff geknickt über den Platz.  © Tom Weller/dpa

Doch in der zweiten Halbzeit machte der VfB den Fehler, sich über weite Strecken zu sehr auf das Verteidigen zu konzentrieren, worunter das eigene Offensivspiel litt.

Bälle wurden schneller verloren, die Pässe ungenauer - Matarazzo bezeichnete es als einen "Bruch" im Spiel seiner Mannschaft, der zur Folge hatte, dass die Hertha sich schrittweise in die Begegnung hineinarbeitete und das Heft des Handelns in die Hand nahm.

Die Berliner standen höher, engten den VfB mit mutigerem Pressing ein und belohnten sich endgültig in der 82. Minute für den erhöhten Druck. Ein Zusammenspiel der beiden eingewechselten Sami Khedira (der Ex-Stuttgarter bestritt sein 100. Bundesligaspiel) und dem 17-jährigem Top-Talent Luca Netz resultierte im ersten Bundesliga-Tor von Letzterem.

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Angesichts des Spielverlaufs und der Kaltschnäuzigkeit der Herthaner, die gemessen an ihren wenigen glasklaren Gelegenheiten das Maximum herausholten, dürfte sich das 1:1 für den VfB eher wie eine Niederlage anfühlen.

Wenngleich Pellegrino Matarazzo nach dem Spiel sagte, dass der späte Gegentreffer "unter dem Strich nicht nötig, aber auch nicht unverdient" war, verpassten es die Schwaben mit einer aktiveren Herangehensweise in der zweiten Hälfte früher den Sack zuzumachen und sich für ihre Leistung zu belohnen.

Zumindest tabellarisch hatte das Unentschieden keine Auswirkungen. Der VfB rangiert nach wie vor auf Platz 10 mit jetzt 26 Punkten vor Werder Bremen (23 Punkte, spielen am Sonntag noch gegen die TSG 1899 Hoffenheim). Am nächsten Samstag (15.30 Uhr/Sky) muss Stuttgart dann beim 1. FC Köln ran und wird dort versuchen, abgezockter und belohnungshungriger einen Dreier einzufahren.

Titelfoto: Tom Weller/dpa

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