VfB-Machtkampf: Darum handelte Hitzlsperger alles andere als mit Bedacht

Stuttgart - Trotz des sportlichen Erfolgs schwelt der Machtkampf beim VfB Stuttgart im Hintergrund weiter.

Sportdirektor Sven Mislintat (48) gilt als enger Vertrauter von Vorstandsboss Thomas Hitzlsperger (38).
Sportdirektor Sven Mislintat (48) gilt als enger Vertrauter von Vorstandsboss Thomas Hitzlsperger (38).  © DPA/ Tom Weller

Dabei steht die große Frage im Mittelpunkt: Was hat Vorstandsboss Thomas Hitzlsperger (38) dazu bewogen, sich fürs Präsidentenamt zu bewerben und den aktuellen Vereins-Chef Claus Vogt (51) in Form eines offenen Briefes derartig scharf anzugreifen?

Hitzlsperger warf dem Präsidenten unter anderem einen "Profilierungswunsch" vor sowie eine mangelhafte Fähigkeit, sein Amt im Sinne des VfB auszuüben.

In den Worten des Meisterspielers von 2007 steckte wahrlich viel Wut, was den Eindruck erweckte: Dem Vorstandsboss ist der Kragen geplatzt.

Sportdirektor Sven Mislintat (48), der als enger Vertrauter Hitzlspergers gilt, sagte nun am Rande des Spiels gegen den FC Augsburg bei Sky: "Thomas ist kein Mensch, der Dinge unbedacht tut."

Eine Vorstellung, die einem im Falle der Präsidentschafts-Kandidatur und besonders bezüglich des Tonfalls seiner Erklärung schwerfällt.

VfB-Boss Thomas Hitzlsperger hat an Glaubwürdigkeit verloren

Da war noch alles gut: VfB-Vorstandsboss Thomas Hitzlsperger (r., 38) im Dezember 2019 mit dem frisch zum Präsidenten gewählten Claus Vogt (51).
Da war noch alles gut: VfB-Vorstandsboss Thomas Hitzlsperger (r., 38) im Dezember 2019 mit dem frisch zum Präsidenten gewählten Claus Vogt (51).  © Tom Weller/dpa

Denn Hitzlsperger war bewusst, dass seine Attacke gegen den bei vielen Fans beliebten Vogt für Aufregung sorgen wird. Nur die Wucht hat ihn überrascht. So wollte er einen "Kratzer" in Kauf nehmen, bekam stattdessen aber einen Image-Totalschaden.

Zudem ignorierte er die Problematik, dass er als AG-Boss und Präsident in Augen vieler zu viel Macht anstreben würde.

Das große Problem des Vorstands-Chefs ist nun: Sollte in seinen formulierten Vorwürfen gegen den Präsidenten tatsächlich viel Wahres stecken, hat er sich mit der Art und Weise der Kritik so unglaubwürdig gemacht, dass kaum einer mehr auf die Inhalte achtet.

An diesen solle laut der Stuttgarter Zeitung aber etwas dran sein. Dem Bericht nach sollen selbst Vereinsinterne, die Vogt nahe stehen, dessen Führungsstil anzweifeln. Außerdem gelte der ehemalige Fanaktivist demnach als fahrig.

Eine Art, mit der Hitzlsperger nicht klarzukommen scheint und worin der Ursprung des Streits liegen könnte.

Der Daten-Skandal im Mittelpunkt des VfB-Machtkampfes

VfB-Vorstandsboss Thomas Hitzlsperger (38) und Präsident Claus Vogt (51) stehen gemeinsam auf der Tribüne am Rande des Spiels gegen RB Leipzig.
VfB-Vorstandsboss Thomas Hitzlsperger (38) und Präsident Claus Vogt (51) stehen gemeinsam auf der Tribüne am Rande des Spiels gegen RB Leipzig.  © Tom Weller/dpa

Das Fass zum Überlaufen dürfte aber die Affäre um die mutmaßlich illegal weitergegeben Mitgliederdaten gebracht haben.

Vogt setzte sich bei der Aufklärung des Skandals an die Spitze und beauftragte das externe Unternehmen Esecon.

Bei vielen in der AG kam dies nicht gut an. Als Problem werden dabei die hohen Kosten aufgeführt. Andere vermuten eher, dass viele in Anbetracht dessen, was dabei noch ans Tageslicht kommen könnte, kalte Füße bekommen und deshalb die Aufklärung "torpedieren", wie es auch Vogt in seiner Stellungnahme nannte.

Ließ sich also Hitzlsperger von den im Daten-Skandal verwickelten Personen zu dem Brandbrief treiben? Möglich, jedoch trat der Vorstandsboss bisher sehr wohl als mündiger Mensch auf.

Außerdem schien er tatsächlich immer genau zu wissen, was er tut.

Zumindest bis zu dem Zeitpunkt, als der schwelende Machtkampf beim VfB Stuttgart an die Öffentlichkeit geriet.

Titelfoto: Tom Weller/dpa

Mehr zum Thema VfB Stuttgart:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0