VfB-Machtkampf: Hat Hitzlsperger das Gefühl für die Fans verloren?

Stuttgart - Wie geht es weiter im Machtkampf beim VfB Stuttgart?

Da war noch alles gut: VfB-Vorstandsboss Thomas Hitzlsperger (r., 38) im Dezember 2019 mit dem frisch zum Präsidenten gewählten Claus Vogt (51).
Da war noch alles gut: VfB-Vorstandsboss Thomas Hitzlsperger (r., 38) im Dezember 2019 mit dem frisch zum Präsidenten gewählten Claus Vogt (51).  © Tom Weller/dpa

Am Rande der Partie gegen RB Leipzig informierten die Streithähne Thomas Hitzlsperger (38, Vorstandsvorsitzender) und Claus Vogt (51, Präsident) darüber, dass sie sich zu einem Gespräch unter vier Augen getroffen haben.

Dies sorgte beim Vorstandsboss für Zuversicht, wie er auf Twitter schrieb, während der Präsident ebenfalls über den Kurznachrichtendienst verkündete: "Wir suchen jetzt beide nach einem gemeinsamen Weg im Sinne des Klubs."

Doch wie soll dieser aussehen?

Eine Rolle rückwärts scheint jedenfalls schwer vorstellbar, da Hitzlsperger mit der Bewerbung fürs Präsidentenamt und der Attacke gegen Vogt für eine Eskalation sorgte.

Eine Eskalation, die nun vor allem Hitzlsperger selbst schaden könnte. Denn er bekannte sich nicht nur dazu, Vogt aus dem Amt drängen zu wollen.

Vielmehr offenbarte der 38-Jährige mit seiner Entscheidung, dass er kein moralisches Dilemma darin sehen würde, wenn die beiden höchsten Ämter in AG und e. V. von ein und derselben Person ausgeführt werden sollten.

VfB-Vorstandschef Thomas Hitzlsperger könnte sich als Präsident nicht selbst kontrollieren

Zwischen ihnen krachte es zuletzt gewaltig: VfB-Vorstandsboss Thomas Hitzlsperger (38, l.) und Präsident Claus Vogt (51) auf der Tribüne beim Spiel gegen RB Leipzig.
Zwischen ihnen krachte es zuletzt gewaltig: VfB-Vorstandsboss Thomas Hitzlsperger (38, l.) und Präsident Claus Vogt (51) auf der Tribüne beim Spiel gegen RB Leipzig.  © Tom Weller/dpa

So scheint dem Meisterspieler von 2007 auf seinem Höhenflug zum Vorstandsboss das Gefühl für die Fans verloren gegangen zu sein.

Denn bei der unter Ex-Präsident Wolfgang Dietrich (72) durchgesetzten Ausgliederung hatten viele Mitglieder Sorge, dass sie kein Mitspracherecht in der AG haben würden. Besänftigt wurden sie damit, dass der von den Mitgliedern gewählte Vereinspräsident gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender sein sollte, um als Kontrollorgan der AG zu agieren.

Sollte Hitzlsperger nun tatsächlich bald an der Spitze des e. V. stehen, wäre dies allerdings nicht mehr möglich. Schließlich kann er sich schlecht selbst kontrollieren.

Ein Umstand, der den 38-Jährigen wenig kümmerte. In seinem Statement zur Bewerbung hieß es nur, sollte er zum Präsidenten gewählt werden, würde er "selbstverständlich" nicht dem Aufsichtsrat angehören.

Das Image von VfB-Boss Thomas Hitzlsperger leidet im Machtkampf mit Claus Vogt

Man könnte den Eindruck gewinnen, Hitzlsperger hat bei seiner sportlichen Arbeit, der er zweifelsohne ehrgeizig und mit Erfolg nachgeht, einen etwas zu ausgeprägten Tunnelblick entwickelt, sodass er das Gefühl für andere Themen verloren hat.

Dabei passt ins Bild, dass er laut Stuttgarter Zeitung infolge seiner Präsidentschaftsbewerbung von den Reaktionen in den Medien sowie in den Sozialen Netzwerken überrascht und schockiert gewesen sein soll.

Dem Bericht nach soll außerdem die Unterstützung von Vogt innerhalb des Vereins gewachsen sein, während das Image von Hitzlsperger, der als unantastbar galt, beschädigt wurde.

Ob sich das nochmal reparieren lässt? Schwierig. Beinahe undenkbar dagegen scheint eine Zusammenarbeit zwischen Vogt und Hitzlsperger über die im März anstehende Mitgliederversammlung hinaus.

Titelfoto: Tom Weller/dpa

Mehr zum Thema VfB Stuttgart:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0