"Fokus VfB": Wurden Mitgliederdaten an Dritte weitergereicht?

Stuttgart - Sind Daten von Mitgliedern des VfB Stuttgart an Dritte weitergereicht worden?

Stuttgart, 1. Juni 2017: Die außerordentliche Mitgliederversammlung des VfB in der Mercedes-Benz Arena.
Stuttgart, 1. Juni 2017: Die außerordentliche Mitgliederversammlung des VfB in der Mercedes-Benz Arena.  © Christoph Schmidt/dpa

Das zumindest legen Recherchen des Kicker nahe. Demnach schloss der Verein im Jahr 2016 eine Zusammenarbeit mit der PR-Agentur von Andreas Schlittenhardt ab. 

Zudem sei offenbar eine informelle Kooperation mit Schlittenhardts Facebookseite "Fokus VfB" aus der Taufe gehoben worden.

Beim Cannstatter Club habe man das Potenzial der als unabhängig wahrgenommenen Fanseite erkannt, so Schlittenhardt im April dieses Jahres. Die Seite sollte demnach subtil die Sichtweise des VfB herüberbringen.

Der Kicker zitiert aus einer VfB-Präsentation. Darin werde eine Kampagne für "Glaubwürdiges Guerilla-Marketing - Fokus VfB" entworfen. Ziel seien demnach 40.000 Fans der Seite sowie eine monatliche Reichweite von 300.000 Menschen.

"Kurz vor der Mitgliederversammlung (im Juni 2017, Anm. d. Red.) wird 'Fokus VfB' eine Wahlempfehlung für die Ausgliederung aussprechen und zur Teilnahme an der Mitgliederversammlung aufrufen", zitiert das Magazin aus der Präsentation.

Die Mitglieder entschieden sich mit 84,2 Prozent der Stimmen dafür, dass der Verein Anteile an seiner Kapitalgesellschaft für mehr 40 Millionen Euro an den Autobauer Daimler verkaufte, so der Kicker weiter.

Daten weitergegeben: Telefonnummern, Mail-Adressen und mehr

Nach Angaben des Fußball-Magazins schickten leitende VfB-Mitarbeiter E-Mails an PR-Mann und "Fokus VfB"-Verantwortlichen Schlittenhardt. Inhalt: Mitgliederdaten. Unter anderem Telefonnummern, Mail-Adressen und auch Informationen zur Teilnahme an vergangenen Mitgliederversammlungen.

Der VfB äußerte sich gegenüber Kicker und erklärte, dass Schlittenhardts Agentur als externer Dienstleister fungiert habe, Daten im Rahmen einer Auftragsverarbeitung erhalten und zu ihren Aufgaben "u.a. die Konzeption und Aussteuerung von PR-Texten über soziale Medien, einschließlich der Erarbeitung von Zielgruppenvorschlägen" gehört habe.

Dem Magazin lägen jedoch Unterlagen vor, welche die Aussage vom Auftragsdatenverarbeitungsvertrag zweifelhaft erschienen. Zudem sei fraglich, ob der "Abgleich Facebook-Nutzer", welcher in einer der Mails angefragt worden sei, datenschutzrechtlich gedeckt sei.

"Aus meiner Sicht gibt es erhebliche Zweifel an der Rechtsgrundlage für die Übermittlung dieser Daten", zitiert der Kicker den Mainzer Anwalt und Datenschutzexperten Stephan Schmidt. Besonders heikel sei es, "wenn der Dienstleister die Daten für den 'Abgleich' auch an Facebook übertragen hat."

Denn: "Dies würde nämlich bedeuten, dass die Mitgliederdaten in ein sogenanntes Drittland, in dem Fall die USA, übermittelt wurden. Damit muss nun wirklich kein Mitglied rechnen, und es ist davon auszugehen, dass hier schutzwürdige Interessen der Mitglieder einer solchen Übermittlung entgegenstehen."

Titelfoto: Christoph Schmidt/dpa

Mehr zum Thema VfB Stuttgart:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0