Hitzlsperger greift nach zu großer Macht: VfB-Blogger will Satzungsänderung erwirken

Stuttgart - Seit über einer Woche wirft der Machtkampf beim VfB Stuttgart einen langen Schatten über den Verein. Nicht nur die Hauptprotagonisten, der amtierende Präsident Claus Vogt (51) und Vorstandschef Thomas Hitzlsperger (38), stehen im Fokus, sondern auch Teile des Aufsichtsrats und Vereinsbeirats. Die Mitgliedschaft und Fanszene diskutiert täglich im Netz; einer von ihnen brachte jetzt offiziell einen Stein ins Rollen, der große Konsequenzen haben könnte.

Claus Vogt (51) ist der amtierende Präsident des VfB Stuttgart 1893 e. V. und vertritt dessen Mitglieder als Aufsichtsratchef der AG.
Claus Vogt (51) ist der amtierende Präsident des VfB Stuttgart 1893 e. V. und vertritt dessen Mitglieder als Aufsichtsratchef der AG.  © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Ron Merz, der vor allem für seinen Blog und gleichnamigen Podcast "NACHSPIELZEIT" in VfB-Kreisen bekannt ist, hat auf der dazugehörigen Website einen Antrag auf die Änderung der Satzung des VfB Stuttgart 1893 e. V. veröffentlicht.

Diesen Antrag reichte er demnach vor wenigen Tagen offiziell und fristgerecht per Einschreiben ein. Er wird vom Verein jetzt auf formale Korrektheit geprüft, ehe entschieden wird, ob er zugelassen und den Mitgliedern bei der anstehenden Mitgliederversammlung am 18. März zur Abstimmung gestellt wird.

Worum geht es bei dem Änderungsvorschlag? Merz möchte einen Unterpunkt in die Satzung einfügen, mit dem erreicht werden soll, dass niemand, der bereits dem Präsidium oder dem Vereinsbeirat des e. V. angehört, eine "ehrenamtliche oder bezahlte Tätigkeit oder Funktion innerhalb der VfB Stuttgart 1893 AG und deren Tochtergesellschaften ausüben" darf.

Ausgenommen wäre eine Vertretung des e. V. im Aufsichtsrat der AG, wie es beim gewählten Präsidenten der Fall ist.

Ein konkretes Beispiel soll den bisherigen und strittigen Problemfall verdeutlichen: Würde Thomas Hitzlsperger zum Präsidenten des e. V. gewählt werden, würde er entscheidende Ämter des Vereins und der Aktiengesellschaft gleichzeitig besetzen.

Darin sieht Ron Merz einen Interessenkonflikt, "da im Verein von Personen Entscheidungen getroffen werden müssen, die wiederum direkten Einfluss auf deren Arbeit in der AG haben könnten."

Satzungsänderung soll Machtkonzentration und Doppelfunktion beim VfB Stuttgart verhindern

Hat mit der öffentlichen Denunziation von Präsident Claus Vogt und seinem Bestreben, selbst Präsident werden zu wollen, für große Unruhe beim VfB Stuttgart gesorgt: Vorstandschef Thomas Hitzlsperger (38).
Hat mit der öffentlichen Denunziation von Präsident Claus Vogt und seinem Bestreben, selbst Präsident werden zu wollen, für große Unruhe beim VfB Stuttgart gesorgt: Vorstandschef Thomas Hitzlsperger (38).  © Tom Weller/dpa

Heißt im Umkehrschluss: Die, nach der Ausgliederung des VfB Stuttgart, Trennung zwischen AG und e. V. würde faktisch kaum mehr vorhanden sein; die Interessenwahrung der Mitglieder verschwindend gering werden.

"Wir Mitglieder dürfen uns nicht alles gefallen lassen, was beim VfB in Sachen Vereinspolitik (gerne auch mal hinter verschlossenen Türen) läuft und müssen daher wo immer angezeigt unsere Rechte gemäß der Satzung wahrnehmen", so Ron Merz über seine Motivation für die Antragsstellung. "Ich wollte in Richtung des VfB aktiv und konkret werden, möchte, dass sich der Verein nun mit diesem Thema auseinandersetzen muss."

Sollte der Antrag zugelassen werden, erbittet Merz eine Abstimmung darüber zu Beginn der Mitgliederversammlung. Wäre diese erfolgreich, könnte sie entscheidende Konsequenzen haben, da Hitzlsperger (sollte er für das Präsidenten-Amt zur Wahl stehen) im Falle einer Wahl seine anderen Posten in der AG aufgeben müsste.

Eine zu große Machtkonzentration respektive Doppelfunktion soll so verhindert werden.

Die VfB-Fans reagierten auf einen entsprechenden Tweet von Ron Merz mit großer Dankbarkeit und hoffen, dass der Antrag zugelassen wird. Unter anderem sprach auch Christian Riethmüller (46), der im Dezember 2019 neben Claus Vogt für das Präsidenten-Amt kandidierte, seine volle Unterstützung aus.

Update, 18. Januar, 12.15 Uhr: VfB bestätigt Eingang des Antrages auf Satzungsänderung

Wie Ron Merz am 18. Januar per Twitter bekannt gab, hat der VfB Stuttgart offiziell bestätigt, dass der Antrag auf Satzungsänderung angekommen sei. Dieser werde nun formal geprüft und dann dem Präsidium zur Entscheidung vorgelegt.

Merz hatte am Abend zuvor bei der Sendung "SWR Sport" über den Satzungsänderungsantrag gesprochen.

Titelfoto: Tom Weller/dpa

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