VfB-Ultras im Seuchen-Jahr 2020: Neben kreativem Protest helfen sie Menschen in Not

Stuttgart - Die Corona-Pandemie grassiert und ein Szenario, das vor einem Jahr noch undenkbar war, wurde Realität: Der Profifußball, der Woche für Woche Zehntausende Fans ins Stadion lockte, wird seit Mitte März weitestgehend vor leeren Rängen ausgetragen.

Die Fans des VfB können nicht nur zündeln, sondern sich auch für die gute Sache einsetzen, wie sie im ersten Lockdown beweisen.
Die Fans des VfB können nicht nur zündeln, sondern sich auch für die gute Sache einsetzen, wie sie im ersten Lockdown beweisen.  © Swen Pförtner/dpa

Die Folge: Zuschauereinnahmen, mit denen die Klubs rechneten, fließen nicht - und Fernsehsender zögern mit der Ausschüttung der TV-Gelder.

Probleme, mit denen im Geschäft Profifußball keiner rechnete, die aber zeigen: Das Business ist so auf Kante genäht, dass Klubs innerhalb kürzester Zeit von einer Insolvenz bedroht sind, falls in Krisen wie der Pandemie ein großer Teil der Einnahmen wegfällt.

Nun haben die Ultras zwar die Pandemie nicht vorhergesehen, doch viele Probleme des Fußballs, die durch das Virus verschärft wurden, prangern sie seit Jahren an.

Wie die ihrer Meinung nach ungerechte Verteilung der TV-Gelder. Zu 93 Prozent werden diese nach dem Leistungsprinzip ausgeschüttet, weshalb der Deutsche Meister FC Bayern München vergangene Saison 250 Millionen Euro kassierte, während der Tabellenletzte SC Paderborn nur 31 Millionen bekam.

Darin könnte man eine Ursache dafür sehen, weshalb Bundesliga-Schwergewichte wie die Bayern oder Borussia Dortmund (2.) besser durch die Corona-Krise kommen, als der FC Schalke 04 (12.) oder der VfB Stuttgart (Aufsteiger).

Mit einem Erklär-Video machten die VfB-Ultras vom "Schwabensturm 2002" Ende November auf diese Problematik aufmerksam (TAG24 berichtete).

VfB-Ultras gehen im Lockdown für Menschen der Risikogruppe einkaufen

Kurz vor dem Lockdown: Im letzten Spiel vor Zuschauern polarisieren die VfB-Fans mit diesem Banner.
Kurz vor dem Lockdown: Im letzten Spiel vor Zuschauern polarisieren die VfB-Fans mit diesem Banner.  © Sebastian Gollnow/dpa

Damit griffen die aktiven Fans auf eine andere Form des Protest zurück, als sie es gewohnt waren. Denn auch die Ultras zwingt die Pandemie selbstverständlich dazu, kreativ zu sein. Ihre Themen konnten sie schließlich nur bedingt, wie mit einzelnen Bannern ("TV-Gelder endlich fair verteilen!"), in die leeren Stadien tragen.

Bedauernswert, denn ihre Anliegen sind aktuell wie nie.

Auch fernab vom Fußball sorgen die VfB-Ultras vom Schwabensturm im Seuchenjahr 2020 für positive Schlagzeilen.

Zum ersten Lockdown im März organisierten sie eine Hilfe für Menschen, die nicht das Haus verlassen konnten und erledigten für sie die Einkäufe. Ein Service für die Risikogruppe, den die Fanaktivisten weit über Stuttgart hinaus anboten (TAG24 berichtete). In dieser schwierigen Krise bewiesen sie Fingerspitzengefühl und stellten ihre eigenen Bedürfnisse, ihr Hobby, ganz selbstverständlich hinten an.

Froh werden die Ultras trotzdem sein, wenn die Pandemie vorüber ist und große Choreografien sowie Spruchbänder endlich wieder mit Zuschauern in den Stadien zelebriert werden können.

VfB-Ultras hissen im letzten Spiel mit Fans ein Banner mit polarisierender Botschaft

Ultra-Protest in Zeiten von Corona: Die Ränge hinter dem Plakat sind leer.
Ultra-Protest in Zeiten von Corona: Die Ränge hinter dem Plakat sind leer.  © Sebastian Gollnow/dpa

Wie am 9. März, ausgerechnet im letzten VfB-Heimspiel vor dem zwischenzeitlichen Zuschauerausschluss gegen Arminia Bielefeld.

Auf einem Spruchband stand geschrieben: "Wenn Hopp und Kalle (Karl-Heinz Rummenigge (65), Anm. d. Red.) Hand in Hand posieren, die Medien außer Rand und Band reagieren, der DFB von Werten spricht und gleichzeitig seine Versprechen bricht, dann liebe Leut, zeigt der Fußball sein wahres, hässliches Gesicht."

Einige Minuten später legten die Stuttgarter Fans mit einem polarisierenden, aber kreativen Spruch nach: "Dietmar Hopp ist ein Timo Werner" (TAG24 berichtete).

Auslöser des Streits zwischen DFB und Ultras waren damals die Beleidigungen gegen Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp (80) im Spiel seiner TSG gegen den FC Bayern München.

Die Fußballer reagierten überraschend konsequent und schoben minutenlang den Ball hin und her. Szenen, die einem aufgrund der Pandemie schon sehr weit entfernt vorkommen.

Titelfoto: Sebastian Gollnow/dpa

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