VfB von Manipulations-Vorwürfen erschüttert: Wie viel kriminelle Energie steckt im Klub?

Stuttgart - Seit Wochen tobt beim VfB Stuttgart ein Machtkampf rund um die Datenaffäre. Ein Bericht des Spiegels brachte nun neue pikante Details ans Tageslicht.

Er ist beim VfB Stuttgart fürs Marketing zuständig: Jochen Röttgermann (54).
Er ist beim VfB Stuttgart fürs Marketing zuständig: Jochen Röttgermann (54).  © Deniz Calagan/dpa

Es war der 1. Juni 2017. Der Tag der außerordentlichen Mitgliederversammlung, bei der sich beim Bundesligisten VfB Stuttgart einiges ändern sollte.

84,2 Prozent der anwesenden Mitglieder sollen damals zugestimmt haben, dass die Abteilung Profifußball in eine AG ausgegliedert wird.

Damit wurde der Weg für Investoren geebnet, die anschließend Anteile kaufen konnten. 11,75 Prozent davon ergatterte sich der Autobauer Daimler für 41,5 Millionen Euro und ist bis heute der einzige Investor der Schwaben.

Doch ist bei der Abstimmung zur Ausgliederung alles mit rechten Dingen zugegangen?

Die Zweifel häufen sich. So veröffentlichte der Spiegel am Freitag Inhalte des Abschlussberichts der Berliner Kanzlei Esecon, die sich mit der Aufklärung der VfB-Datenaffäre beschäftigt.

Dabei stießen die Ermittler darauf, dass sich bei der Mitgliederversammlung ein Viertel der mehr als 12.000 Stimmberechtigten an der Wahl zur Ausgliederung nicht beteiligte.

Ein Viertel? Bei der bis dato wohl wichtigsten Entscheidung in der Vereinsgeschichte?

Die Ausgliederung beim VfB Stuttgart könnte manipuliert worden sein

Finanz-Vorstand beim VfB Stuttgart: Stefan Heim.
Finanz-Vorstand beim VfB Stuttgart: Stefan Heim.  © Daniel Naupold/dpa

Ein Augenzeuge, der sich laut Spiegel an Esecon gewandt hatte, berichtete von "massiven" technischen Problemen bei den Geräten, mit denen abgestimmt wurde.

Zudem solle besonders in dem Bereich des Stadions die Technik gestreikt haben, in dem Mitglieder saßen, die die Ausgliederung kritisch sahen. Ob es sich dabei um reinen Zufall handelte, bleibt ungewiss.

Dass die damaligen VfB-Verantwortlichen befürchteten, die Ausgliederung bei den Mitgliedern nicht durchzubekommen, scheint dagegen offensichtlich, wie die nun ans Tageslicht geratenen Details unterstützen.

So sei es nach dem Esecon-Bericht zutreffend, dass der VfB Zehntausende Mitgliederdaten illegal weitergab.

Weshalb? "Sehr wahrscheinlich", um mithilfe eines sogenannten "Guerilla-Marketings" Mitglieder zur Zustimmung in Sachen Ausgliederung zu bewegen.

Was sind die Konsequenzen des Datenskandals beim VfB Stuttgart?

Bei dieser VfB-Mitgliederversammlung wurde im Juni 2017 die Ausgliederung durchgeboxt.
Bei dieser VfB-Mitgliederversammlung wurde im Juni 2017 die Ausgliederung durchgeboxt.  © Christoph Schmidt/dpa

Eine höchst unmoralische Vorgehensweise, die von den damaligen VfB-Verantwortlichen zumindest mitgetragen wurde.

Von Machtmenschen, die teilweise bis heute beim VfB Stuttgart die Strippen ziehen.

Der zuletzt degradierte Kommunikationschef Oliver Schraft und Marketingleiter Uwe Fischer sendeten die Mitgliederdaten an PR-Berater Andreas Schlittenhardt, der über seine Facebook-Seite "Fokus VfB" die Mitglieder beeinflusste.

Darin waren laut Spiegel außerdem die Vorstände Stefan Heim (Finanzen) und Jochen Röttgermann (Marketing) sowie Rainer Mutschler (Präsidium) involviert.

Letzterer spielte sogar eine tragende Rolle. Er leitete damals eine Projektgruppe, welche die Ausgliederung vorantreiben sollte. Zudem flossen Gelder an Schlittenhardt aus einem Topf, den Mutschler zu verantworten hatte.

Schwerwiegende Anschuldigungen, weshalb es niemanden wundern dürfte, dass die VfB-Verantwortlichen laut Spiegel versucht haben, die Aufklärung des Daten-Skandals zu blockieren und pikante Details zu vertuschen.

Außerdem stellt sich längst auch die Frage, inwiefern der Klub von solch krimineller Energie durchzogen ist. Fans und Mitglieder werden Antworten erwarten.

Dass die Betroffenen selbst die Verantwortung übernehmen und Fehler eingestehen könnten, scheint nach den vergangenen Monaten voller Schlammschlachten ausgeschlossen.

Titelfoto: Christoph Schmidt/dpa

Mehr zum Thema VfB Stuttgart:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0