VfB Stuttgart zieht die Reißleine: Trainer Matarazzo muss gehen

Stuttgart - Bundesligist VfB Stuttgart hat auf die sportliche Krise reagiert und Trainer Pellegrino Matarazzo (44) freigestellt.

Mit dem VfB gelang Pellegrino Matarazzo (44) in dieser Saison noch kein Sieg. Jetzt zogen die Schwaben die Reißleine.
Mit dem VfB gelang Pellegrino Matarazzo (44) in dieser Saison noch kein Sieg. Jetzt zogen die Schwaben die Reißleine.  © dpa/Torsten Silz

Das gaben die Schwaben am Montag nach dem neunten sieglosen Spiel in der Fußball-Bundesliga bekannt. Ein Nachfolger stehe noch nicht fest. Die Stuttgarter hatten am Sonntag 0:1 gegen den 1. FC Union Berlin verloren. Sie haben als einziger Klub in dieser Bundesliga-Spielzeit noch nicht gewonnen. In der Tabelle liegt der VfB mit fünf Punkten auf dem vorletzten Platz.

"Der VfB hat Pellegrino Matarazzo viel zu verdanken", sagte Vorstandschef Alexander Wehrle (47). Er war am Montag mit Sportdirektor Sven Mislintat (49) und dem neuen Berater des Klubs, Sami Khedira (35), auf dem Vereinsgelände zusammengekommen.

"Letztlich sind wir aber zu der Überzeugung gelangt, dass eine Veränderung auf der Trainerposition notwendig ist, um nach den negativen Ergebnissen der vergangenen Wochen eine Trendwende herbeizuführen."

VfB Stuttgart holt Torschützenkönig der U17-EM
VfB Stuttgart VfB Stuttgart holt Torschützenkönig der U17-EM

Matarazzo habe die Erwartungen "nicht nur erfüllt, er hat sie in vielen Punkten sogar übertroffen. Auch in schwierigen sportlichen Situationen haben wir ihn niemals in Frage gestellt, weil wir davon überzeugt waren, mit ihm den bestmöglichen Trainer für uns und unseren Weg zu haben", sagte Mislintat. "Wir sind nun an einem Punkt angelangt, an dem wir davon überzeugt sind, dass die Trennung von Rino unausweichlich ist."

Der bis dahin noch weitgehend unbekannte Matarazzo hatte beim VfB in der Winterpause der Saison 2019/2020 den Posten des entlassenen Tim Walter übernommen und den damaligen Zweitligisten im darauffolgenden Sommer zurück in die Bundesliga geführt.

Pellegrino Matarazzo war seit Dezember 2019 Trainer des VfB Stuttgart

Neuer Weg und alte Krisen: Matarazzos 1000 Tage beim VfB Stuttgart

Durch einen 2:1-Last-Minute-Erfolg hatte Matarazzo mit dem VfB in der abgelaufenen Spielzeit die Klasse gehalten.
Durch einen 2:1-Last-Minute-Erfolg hatte Matarazzo mit dem VfB in der abgelaufenen Spielzeit die Klasse gehalten.  © DPA/Tom Weller

"Es waren intensive und wunderschöne Jahre mit vielen unglaublichen Momenten und Erinnerungen, die für immer bleiben werden", sagte Matarazzo. "Für die Chance, die mir hier ermöglicht wurde, im Trainergeschäft Fuß zu fassen, werde ich ewig dankbar sein."

In der ersten Spielzeit nach dem Wiederaufstieg begeisterten die Schwaben unter dem Italo-Amerikaner phasenweise mit mutigem Offensivfußball, spielten bis zum Schluss um die internationalen Plätze mit und wurden letztlich Tabellenneunter.

Vergangene Saison schaffte der von vielen Verletzungs- und Corona-Sorgen gebeutelte VfB erst am letzten Spieltag durch ein Last-Minute-Tor von Wataru Endo gegen den 1. FC Köln (2:1) den Klassenerhalt.

VfB Stuttgart schnappt sich Union-Spieler, Verstärkung kommt auch aus Portugal
VfB Stuttgart VfB Stuttgart schnappt sich Union-Spieler, Verstärkung kommt auch aus Portugal

Matarazzo war mehr als 1000 Tage beim VfB im Amt und stand damit sinnbildlich für den neuen Weg, den die Stuttgarter unter Sportdirektor Sven Mislintat nach dem Abstieg 2019 eingeschlagen hatten. Sowohl in der Vorsaison als auch im bisherigen Verlauf der aktuellen Spielzeit hatte sich Mislintat trotz ausbleibender Erfolgserlebnisse immer wieder schützend vor Matarazzo gestellt.

Der Sportdirektor wollte endlich wieder für mehr Kontinuität auf dem viele Jahre als Schleudersitz bekannten Trainerstuhl der Schwaben sorgen. Nach der Pleite gegen Union am Sonntag hatte er Matarazzo aber keine neue Jobgarantie mehr gegeben.

Insgesamt konnte der VfB im Kalenderjahr 2022 bislang nur drei seiner insgesamt 26 Liga-Spiele gewinnen. Für Matarazzo letztlich zu wenig, um sich weiter im Amt zu halten.

Titelfoto: dpa/Torsten Silz

Mehr zum Thema VfB Stuttgart: