Wie umgehen mit der AfD? So könnte sich der VfB Stuttgart künftig politisch positionieren

Stuttgart - Bleibt Claus Vogt (51) Präsident des VfB Stuttgart? Oder überrascht doch Herausforderer Pierre-Enric Steiger (49)?

Will unbedingt Präsident des VfB Stuttgart werden: Pierre-Enric Steiger (49).
Will unbedingt Präsident des VfB Stuttgart werden: Pierre-Enric Steiger (49).  © VfB Stuttgart

Diese Entscheidung wird am 18. Juli fallen, dann steht bei der Mitgliederversammlung die Präsidentschaftswahl auf dem Programm.

Bis dahin müssen die Kandidaten die VfB-Mitglieder von sich überzeugen. Eine Hausforderung in Zeiten der Pandemie, vor allem für den unbekannteren Steiger, der bisher 150 Video-Konferenzen für den Wahlkampf geplant hat.

Bei der Presserunde am Mittwoch hielten sich Vogt und Steiger noch bedeckt. Beide waren um Harmonie bemüht und scheuten sich die nun beginnende heiße Phase vor der Präsidentschafts-Entscheidung, einen "Wahlkampf" zu nennen.

Revision ohne Erfolg: Berliner VfB-Gegner im DFB-Pokal steht jetzt definitiv fest
VfB Stuttgart Revision ohne Erfolg: Berliner VfB-Gegner im DFB-Pokal steht jetzt definitiv fest

Auch inhaltlich grenzten sie sich kaum voneinander ab, was auch daran lag, dass ihr Wahlprogramm noch nicht steht. Hinsichtlich eines Themas äußerten sie sich auf TAG24-Nachfrage aber ausgiebig, nämlich welche Rolle der VfB künftig gesellschaftspolitisch einnehmen sollte.

Steiger gegen AfDler-Ausschluss beim VfB, Vogt will mehr Aktionen wie das Regenbogentrikot

Nach Präsident Claus Vogt (51) könnte der VfB häufiger ein wichtiges Zeichen wie mit dem Regenbogentrikot setzen.
Nach Präsident Claus Vogt (51) könnte der VfB häufiger ein wichtiges Zeichen wie mit dem Regenbogentrikot setzen.  © VfB Stuttgart

Beide beriefen sich dabei zunächst auf die Satzung, wonach der Verein "unpolitisch" sei.

Laut Vogt habe man als VfB Stuttgart aber sehr wohl "eine Meinung zu verschiedenen Themen in der Stadt, in der Region und Deutschland", die man auch kundtun sollte. Wie zum "Erinnerungstag im Deutschen Fußball", als der VfB mit einem Regenbogen-Trikot auflief und damit ein Zeichen für Vielfalt setzte.

Jedoch äußern sich andere deutsche Fußballvereine längst deutlicher als der VfB. Zum Beispiel Eintracht Frankfurt, die AfD-Wähler nicht als Vereinsmitglieder dulden.

VfB Stuttgart startet Mission Klassenerhalt mit Treueschwur
VfB Stuttgart VfB Stuttgart startet Mission Klassenerhalt mit Treueschwur

AfDler von vornherein "auszuschließen", damit tue sich Steiger "tatsächlich schwer". Er sagte: "Man muss sich dem demokratisch gegenüberstellen. Zur Demokratie gehört auch, dass man manchmal etwas aushalten muss."

Von Verboten hält er deshalb nichts, vielmehr müsse man sich mit Argumenten wehren.

Politisch neutral? Für diesen Grundsatz kassierte der VfB Stuttgart in der Vergangenheit Kritik

Am 18. Juli wird sich entscheiden, wer von beiden für die nächsten vier Jahre Präsident des VfB Stuttgart sein wird: Pierre-Enric Steiger (49, l.) oder Claus Vogt (51)?
Am 18. Juli wird sich entscheiden, wer von beiden für die nächsten vier Jahre Präsident des VfB Stuttgart sein wird: Pierre-Enric Steiger (49, l.) oder Claus Vogt (51)?  © VfB Stuttgart

Sich politisch klug zu verhalten, damit hatte der VfB in der Vergangenheit Probleme. Im Jahr 2017, während der Amtszeit des Ex-Präsidenten Wolfgang Dietrichs (72), kam es zu dem Vorfall, dass ein Bild in der Mitgliederzeitschrift "dunkelrot" retuschiert wurde. Im original war auf dem Foto ein Stadionbesucher mit einem "FCK AfD"-T-Shirt zu sehen, doch in der Zeitschrift war das politische Statement gegen die rechte Partei plötzlich verschwunden.

Während der VfB sein Vorgehen mit politischer Neutralität rechtfertigte, ärgerten sich viele Fans darüber, dass ihr Klub keine klare Haltung gegen Rechts einnehmen würde.

Wie der aktuelle Amtsinhaber Vogt und sein Herausforderer Steiger reagiert hätten? Letzterer hätte damals in der Rolle des Präsidenten anders gehandelt, hätte das Foto "wahrscheinlich nicht retuschiert".

Vogt war sich dagegen unsicher und wollte sich nicht klar dazu äußern, was er von der nachträglichen Bildbearbeitung hält. Betonte stattdessen, man müsse vorsichtig sein, als VfB von niemandem als "Plattform missbraucht" zu werden. Außerdem sei es laut ihm ein "schmaler Grat" und schwer, alles richtig zu machen.

In welchen Situationen man sich als VfB öffentlich positionieren sollte, dazu hatte sein Konkurrent Steiger allerdings eine starke Meinung. Nämlich, wenn es zu "Attacken gegen Minderheiten kommt" - dann müsse man laut dem Präsidentschaftskandidaten "klar Farbe bekennen".

Titelfoto: VfB Stuttgart

Mehr zum Thema VfB Stuttgart: