Bochum-Boss übt heftige Kritik! "Wir waren wie Junkies: Abhängig von der Droge Fernsehgeld"

Bochum - Klare Worte von Ilja Kaenzig (46)! Der Geschäftsführer des VfL Bochum kritisierte die schwindelerregende Entwicklung des Fußballs, die erst durch das Coronavirus (vorläufig) gestoppt wurde.

Bochums Geschäftsführer Ilja Kaenzig äußerte sich mit klaren Worten zur aktuellen Lage.
Bochums Geschäftsführer Ilja Kaenzig äußerte sich mit klaren Worten zur aktuellen Lage.  © imago images / Sven Simon

Im Interview mit dem Schweizer Nachrichtenportal "nau.ch" sagte Kaenzig, dass es "um den Erhalt der Klubs" gehe.

Sie seien "Institutionen. Ohne sie wäre das Leben vieler Menschen sehr viel ärmer. Fußball ist ein Volkssport. Wir waren aber drauf und dran, daraus eine Unterhaltungsshow zu machen", so der Schweizer Fußballmanager.

Er holte allerdings noch weiter aus: "Wir waren wie Junkies: Abhängig von der Droge Fernsehgeld. Und dieses floss direkt in die Spielerlöhne, so hat sich alles hochgeschaukelt."

Bei finanziellen Problemen habe man "einen Spieler verkauft." Das sei vorbei – "wir werden erstmal sehr demütige Budgets sehen", ist sich Kaenzig sicher.

Was ihm ebenfalls sauer aufstieß: "Es ging zuletzt immer mehr um Coiffeurbesuche von Spielern im Privatjet, Rekordablösen und Klubs, die andere Klubs kauften. Für Unwichtiges wird jetzt weniger Geld vorhanden sein."

Der Schaden für die Fußballindustrie sei gewaltig: "Es wird eine oder mehrere Übergangssaisons geben, in denen sich die Klubs darauf einstellen müssen. Danach werden wir alle anders haushalten."

Ilja Kaenzig: Der Transfermarkt werde "kurzfristig erstmal kollabieren"!

Deshalb werde der Transfermarkt "kurzfristig erstmal kollabieren. Viele Ablösen basierten auf dem Prinzip, dass jemand später noch mehr zahlen wird. Und weniger auf dem, was ein Spieler tatsächlich zur Klubentwicklung beiträgt. Der Transfermarkt kühlt ab, das ist nicht schlimm."

Kaenzig führte das weiter aus: "Wenn ein Klub bisher nur dank Spielertransfers überlebt hat, dann wird das zukünftig schwierig. Geschäftsmodelle müssen angepasst werden. Es hiess zuletzt: '30 Millionen sind das neue Ablösefrei.' Jetzt gilt wieder die Logik: 'Ablösefrei ist das neue Ablösefrei.'

Er sehe es nun als größte Pflicht an, "den Schaden für die Menschen gering zu halten. Ohne unsere teilweise sehr langjährigen Mitarbeiter wäre der Klub nur eine Hülle. Projekte werden ad acta gelegt werden müssen, das ist klar. Aber als bodenständiger Klub wird uns der Fokus noch mehr auf das Wesentliche nicht sonderlich schwer fallen."

Alle Infos im +++ Coronavirus-Liveticker +++

Titelfoto: imago images / Sven Simon

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