VfL Wolfsburg in der Bundesliga-Vorschau: Beißen sich die Wölfe in Europa fest?

Wolfsburg - Erneuter Angriff des Wolfsrudels auf Europa! Der VfL Wolfsburg möchte sich zum dritten Mal in Folge für die Europa League qualifizieren. Können die Niedersachsen das schaffen? Alles dazu in der TAG24-Bundesliga-Vorschau.

Maxence Lacroix und Bartosz Bialek sind die Top-Transfers des VfL Wolfsburg

Zwei hungrige junge Talente für das Wolfsrudel! Für jeweils fünf Millionen Euro Ablöse kamen ein 18-jähriger Pole und ein 20-jähriger Franzose in die Autostadt. 

Von Zaglebie Lubin wurde Angreifer Bartosz Bialek (18) geholt. Der Mittelstürmer soll nach und nach an das deutlich höhere Bundesliga-Niveau herangeführt werden und Wout Weghorst (28) auf Sicht entlasten. Schließlich fällt Daniel Ginczek (29) immer wieder mit Verletzungen aus.

Bialek kann trotz seines jungen Alters bereits auf Erstliga-Erfahrung in seiner Heimat zurückblicken. In 19 Einsätzen für die Profis erzielte er satte neun Tore und bereitete vier Treffer direkt vor - eine starke Quote! Mit 1,91 Meter ist er zudem ein echter Brecher und passt daher gut zum Spielstil der Wölfe.

Für die Defensive wurde Maxence Lacroix (20) vom französischen Zweitligisten FC Sochaux-Montbéliard geholt. Dort entwickelte sich der schnelle und zweikampfstarke Innenverteidiger in der abgebrochenen Saison zum unumstrittenen Stammspieler und kam auf 20 Einsätze. In Wolfsburg soll er nun Druck auf die etablierten Akteure ausüben und kam im DFB-Pokal gegen den FSV Union Fürstenwalde direkt von Beginn an zum Einsatz. 

Dieses Debüt für seinen neuen Arbeitgeber wird er sich aber anders vorgestellt haben: Lacroix verursachte mit ungestümem Zweikampfverhalten den Foulelfmeter, der dem Regionalligisten zur Führung verhalf und verlor als letzter Mann am eigenen Sechzehner das Leder, was einen Pfostenschuss von Fürstenwalde zur Folge hatte. Er muss also schnellstmöglich abgezockter agieren. Solche Aussetzer werden in der Bundesliga nämlich schnell bestraft. 

Entscheidend ist, wie er nun damit umgeht. Wenn er daraus lernt und sich weiterentwickelt, hat er durchaus die Chance, sich dauerhaft festzuspielen. Denn trotz dieser Fehler ist sein Potenzial unverkennbar. 

VfL-Coach Oliver Glasner (l.) musste den unzufriedenen Maxence Lacroix nach seinem Pflichtspieldebüt für Wolfsburg im Pokal nach dem Schlusspfiff aufrichten.
VfL-Coach Oliver Glasner (l.) musste den unzufriedenen Maxence Lacroix nach seinem Pflichtspieldebüt für Wolfsburg im Pokal nach dem Schlusspfiff aufrichten.  © Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Lino Kasten und Omar Marmoush sind die weiteren Neuzugänge des VfL Wolfsburg

Ausschließlich eigene Jugendspieler und Leih-Rückkehrer sind hier zu finden! Yunus Malli (28; 1. FC Union Berlin) und Jeffrey Bruma (28; 1. FSV Mainz 05) sind nach ihren Leihen wieder in Wolfsburg. 

Mit Lino Kasten (19) wurde ein sehr guter Keeper aus der eigenen U19 hochgezogen, mit Omar Marmoush (21) ein talentierter Angreifer aus der U23. 

Da es noch einige Transfergerüchte rund um den VfL gibt, ist wahrscheinlich, dass Sportgeschäftsführer Jörg Schmadtke (56) weiterhin die Augen offen hält und bei einer guten Gelegenheit zuschlägt. Gerade in der Innenverteidigung sind die Wölfe für die Dreifachbelastung zu schwach besetzt.

Yunus Malli ist nach durchwachsener Leihe vom 1. FC Union Berlin zum VfL Wolfsburg zurückgekehrt.
Yunus Malli ist nach durchwachsener Leihe vom 1. FC Union Berlin zum VfL Wolfsburg zurückgekehrt.  © Peter Steffen/dpa

Robin Knoche, Felix Uduokhai, Philipp Menzel und Ismail Azzaoui sind die Abgänge des VfL Wolfsburg

Eine Identifikationsfigur ist von Bord gegangen! Robin Knoche (28) hat den VfL nach 15 Jahren (!), 226 Einsätzen, 14 Toren und fünf Vorlagen für die Profis verlassen und sich ablösefrei Union angeschlossen. In Wolfsburg hatte er in der Innenverteidigung unter Trainer Oliver Glasner (46) keine Perspektive mehr und entschied sich deshalb für diese Luftveränderung.

Mit Felix Uduokhai (22) verließ ein weiterer zentraler Abwehrspieler den Klub, der allerdings schon in der Vorsaison an den FC Augsburg ausgeliehen war. Dorthin wechselte er jetzt für die Ablösesumme von sieben Millionen Euro endgültig.

Erst vor wenigen Tagen ging mit Marcel Tisserand (27) auch noch ein dritter Innenverteidiger von Bord und schloss sich für die Ablösesumme von vier Millionen Euro dem türkischen Spitzenklub Fenerbahce Istanbul an. 

Außerdem musste der verletzungsgeplagte Ignacio Camacho (30) seine Karriere frühzeitig beenden. Unter Tränen erklärte er am Montag auf einer Pressekonferenz, dass sein "Fuß 'Basta' gesagt" habe. Nach vielen Operationen und Spezialistenbesuchen hört er nun auf seinen Körper und hängt die Fußballschuhe schweren Herzens an den Nagel.

Mit John Yeboah (20) wurde zudem noch ein hochveranlagter Flügelflitzer nach kurzer Leihrückkehr von VVV-Venlo endgültig in die Niederlande abgegeben. Der deutsche U20-Nationalspieler läuft in der neuen Saison für Willem II Tilburg auf.

Darüber hinaus gab der VfL Ersatzkeeper Philipp Menzel (21) ablösefrei in die zweite österreichische Liga an den SK Austria Klagenfurt ab. Das Eigengewächs zählte zwar zum Profikader, kam aber kein einziges Mal zum Einsatz und spielte lediglich in der U23. 

Auch der zentrale Mittelfeldspieler Julian Justvan (22) verließ seinem Stammverein. Ihn zog es zum SC Paderborn 07. Per Leihe verließ der hochveranlagte U19-Akteur Ulysses Llanez (19) die Wölfe, nachdem er zuvor einen Profivertrag bis zum 30. Juni 2024 unterschrieben hatte. In der neuen Saison läuft der US-Nationalspieler in der Eredivisie für den SC Heerenveen auf und soll dort Spielpraxis sammeln. 

Zu guter Letzt muss sich auch Ismail Azzaoui (22) einen neuen Verein suchen. Der rechte offensive Flügelspieler kam insgesamt zweimal für die Wolfsburger Bundesliga-Mannschaft zum Einsatz, konnte sich aber nie wirklich durchsetzen, weshalb sein Kontrakt nicht verlängert wurde. Er ist aktuell vereinslos.

Es könnte sich hier sogar noch mehr tun. Denn ob beispielsweise ein Jeffrey Bruma (28) bleibt, darf zumindest bezweifelt werden.

Robin Knoche verließ den VfL und schloss sich nach 15 Jahren Wolfsburg dem 1. FC Union Berlin an.
Robin Knoche verließ den VfL und schloss sich nach 15 Jahren Wolfsburg dem 1. FC Union Berlin an.  © Picture Point / Gabor Krieg

So tickt Wolfsburgs Trainer Oliver Glasner

Glasner wies seine Qualitäten als Trainer am durchaus anspruchsvollen Standort Wolfsburg direkt in seiner ersten Saison nach. Obwohl bei weitem noch nicht alles rund lief, wurde er mit dem VfL mit 49 Punkten und einem durchwachsenen Torverhältnis von 48:46 Siebter und schaffte damit den Sprung in die Europa-League-Qualifikation. 

In diesem Wettbewerb war für die Wölfe in der Vorsaison gegen Schachtjor Donezk im Achtelfinale Schluss. Nun darf es wohl etwas mehr sein, vorausgesetzt, man übersteht erst einmal die drei anstehenden Quali-Runden.

Diesmal kann der österreichische Coach jedoch auf eine eingespielte Mannschaft setzen, deren Stamm komplett zusammengeblieben ist. So darf der Taktikfuchs seine Stärken nun weiter einbringen: mit seiner ruhigen und akribischen Art eine Mannschaft weiterentwickeln. 

Das ist auch dringend notwendig, denn es ist zweifelhaft, dass so viele Konkurrenten erneut schwächeln und der VfL mit lediglich 13 Siegen aus 34 Spielen erneut in den europäischen Wettbewerb einzieht. Defensiv und offensiv hat der Kader das Potenzial für mehr. Jetzt gilt es für Glasner, an den richtigen Schrauben zu drehen und es herauszukitzeln. 

Oliver Glasner führte den VfL Wolfsburg auf Anhieb in die Europa League.
Oliver Glasner führte den VfL Wolfsburg auf Anhieb in die Europa League.  © Marius Becker/dpa-Pool/dpa

Vorbereitung und Form des VfL Wolfsburg: Sand im Getriebe!

Bis auf den Start zeigten sich die Niedersachsen in guter Form. Das erste Testspiel wurde gegen Zweitligist Eintracht Braunschweig nämlich mit 0:1 verloren. Dafür bezwang man den Regionalligisten 1. FC Phönix Lübeck mit 2:0, besiegte mit demselben Ergebnis auch den besten schleswig-holsteinischen Klub, den Zweitligisten Holstein Kiel, ehe man Bundesliga-Konkurrent 1. FC Köln die Grenzen aufzeigte und auswärts mit 3:0 gewann. Zu guter Letzt wurde auch noch Drittligist 1. FC Magdeburg mit 4:1 geschlagen.

Im Pokal war allerdings mächtig Sand im Getriebe. Gegen den Nordost-Regionalligisten FSV Union Fürstenwalde (4:1) tat sich der VfL richtig schwer und musste gegen die sehr junge Mannschaft vom früheren Wolfsburg-Spieler Matthias Maucksch (51) einen Rückstand drehen und noch weitere brenzlige Situationen gegen den mutig aufspielenden Brandenburger Pokalsieger über sich ergehen lassen.

Hinten stand man nicht sattelfest und vorne vergab man eine ganze Reihe guter Möglichkeiten, weshalb den Spielern nach der Partie die Unzufriedenheit anzumerken war. Da war und ist noch viel Luft nach oben. 

Im DFB-Pokal gegen den FSV Union Fürstenwalde lief es beim VfL Wolfsburg noch nicht rund.
Im DFB-Pokal gegen den FSV Union Fürstenwalde lief es beim VfL Wolfsburg noch nicht rund.  © Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Saisonziel des VfL Wolfsburg

Die erneute Qualifikation für die Europa League. Dreimal in Folge ist das dem VfL nämlich noch nie gelungen. Diesmal soll es klappen, was für eine gewachsene Mannschaft und eine Konstanz stehen würde, die mehrere Jahre anhält. 

Es wäre auch eine Bestätigung der Arbeit von Trainer Glasner und Manager Schmadtke. 

Der VfL Wolfsburg will auch nach der neuen Saison in die Europa League einziehen.
Der VfL Wolfsburg will auch nach der neuen Saison in die Europa League einziehen.  © Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

TAG24-Prognose zum VfL Wolfsburg

Der Stamm steht! Im Tor ist Koen Casteels (28) die klare Nummer eins vor Pavao Pervan (32), Niklas Klinger (24) und Kasten, da er über sehr gutes Bundesliga-Niveau verfügt und seit Jahren ein sicherer Rückhalt des Wolfsrudels ist.

Auf der rechten Verteidigerseite gäbe es normalerweise einen engen Zweikampf zwischen Kevin Mbabu (25) und William (25). Ersterer fällt allerdings mit einer Bänderverletzung aus und letzterer mit einem Kreuzbandriss noch viel länger. Also wird Außenstürmer Felix Klaus (27) wohl wie im Pokal notdürftig eine Position nach hinten gesetzt. Aus der zweiten Mannschaft könnte zudem Davide Itter (21) ins Blickfeld von Glasner rücken.  

In der Innenverteidigung wird es bei Wolfsburg eng! Mit John Anthony Brooks (27) und Lacroix verfügt man nur über zwei zentrale Abwehrspieler, mit denen geplant wird. Marin Pongracic (23) fällt mit pfeifferschem Drüsenfieber auf unbestimmte Zeit aus. Dafür hat man mit Bruma noch einen Kicker für diese Position in der Hinterhand, der aber noch wechseln könnte. So ist U23-Akteur Tim Siersleben (20) in den Pokal-Kader gerutscht, nachdem der deutsche U20-Nationalspieler schon in der Vorbereitung bei den Profis mittrainierte.

Wahrscheinlich ist aber, dass der zentrale Mittelfeldspieler Joshua Guilavogui (29) wie gegen Fürstenwalde nach hinten rückt und dort aufgrund seiner Spielintelligenz, körperlichen Präsenz und Zweikampfstärke gesetzt ist. Brooks und Lacroix kämpfen um den freien Platz.

Als Linksverteidiger müsste der schnelle und dynamische Jérôme Roussillon (27) die Nase vorn haben, obwohl er im Pokal wegen Rückenproblemen fehlte und von Konkurrent Paulo Otávio (25) vertreten wurde, der einen Treffer vorbereitete. Luca Horn (21) ist hier eine weitere Alternative, dürfte aber vorläufig das Nachsehen haben.

Im Mittelfeldzentrum verfügt der VfL über drei überdurchschnittliche Akteure. Hier müssten Maximilian Arnold (26) und Xaver Schlager (22) gesetzt sein. Dicht an diesem Duo dran ist Yannick Gerhardt (26), der auch als Linksverteidiger agieren kann. Im Pokal ersetzte er Schlager aufgrund der Belastungssteuerung und machte mit einem Tor sowie einer Vorlage auf sich aufmerksam.

Hier könnte sonst auch noch Malli zum Einsatz kommen. Er wäre allerdings eine sehr offensive Variante und ist wohl eher auf der Zehn anzusiedeln.

Auf der rechten offensiven Außenbahn sieht es stark nach Renato Steffen (28) aus, auf links hat Josip Brekalo (22) gute Chancen, obwohl beiden die Konstanz und mitunter Kaltschnäuzigkeit vor dem gegnerischen Kasten fehlt - bei allen anderen Fähigkeiten, die sie zweifelsfrei haben. So sind Joao Victor (26), der gegen Fürstenwalde einen Doppelpack schnürte, und Yeboah keinesfalls chancenlos im Rennen um die Plätze in der Anfangsformation.

Als hängende Spitze führt kein Weg an Admir Mehmedi (29) vorbei, der auch auf beiden Außenbahnen oder Sturmzentrum agieren kann. Dort ist aber Weghorst gesetzt. Mit Ginczek, Bialek und Marmoush gibt es hier genügend Alternativen und Möglichkeiten, auch mit zwei bulligen Angreifern zu agieren. 

Der VfL geht mit einer nahezu unveränderten Mannschaft in die neue Saison.
Der VfL geht mit einer nahezu unveränderten Mannschaft in die neue Saison.  © Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Deshalb ist im Kampf um Europa fest mit dem VfL zu rechnen. Für die Champions League dürfte es nicht reichen, für die Europa League hingegen schon, wenn es nicht zu viele verletzungsbedingte Ausfälle gibt und Glasner in Ruhe arbeiten und die Mannschaft auch nach Rückschlägen ungestört entwickeln kann.

Gelingt dies nicht, ist nur ein einstelliger Tabellenplatz drin.

Titelfoto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Mehr zum Thema VfL Wolfsburg:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0