Werder Bremen setzt Schaaf vor die Tür, dieser schäumt vor Wut: Es brennt um Baumann!

Bremen - Nachdem der SV Werder Bremen in die Zweitklassigkeit abgestürzt ist, beginnt nun das Großreinemachen. Hauptaugenmerk liegt dabei ganz klar beim Thema Finanzen. An Geld fehlt es an der Weser nämlich, weshalb man nun ausgerechnet Vereinslegende Thomas Schaaf (60) quasi vor die Tür setzte.

Werder Bremens Geschäftsführer Sport Frank Baumann (45) ist dieser Tage einmal mehr in der Kritik.
Werder Bremens Geschäftsführer Sport Frank Baumann (45) ist dieser Tage einmal mehr in der Kritik.  © Carmen Jaspersen/dpa-Pool/dpa

Frank Baumann (45, Geschäftsführer Sport) durchlebt harte Wochen. Nach dem Abstieg ist vor dem Überlebenskampf.

Am Montag ließ der SV Werder in einem offiziellen Statement verlauten: "Aufgrund der wirtschaftlichen Situation und der notwendigen Einsparungen auch im Personalbereich konnten wir Thomas Schaaf leider kein Angebot unterbreiten."

Eine Formulierung, die der Vereins-Ikone nicht nur sauer aufstieß.

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Im Gespräch mit der Deichstube machte Schaaf seinem Ärger Luft. Er sei "total baff", so der 60-Jährige und könne es "überhaupt nicht nachvollziehen".

"Das kann ich in keiner Weise so stehen lassen. Es ging in dem Gespräch mit Frank Baumann gar nicht um die finanzielle Seite. Das war überhaupt kein Thema", so Schaaf weiter.

Thomas Schaaf ist nicht "beleidigt" und stellt klar: "Habe keine nicht erfüllbaren Gehaltsforderungen gestellt"

Thomas Schaaf (60) ist mit der Art und Weise wie sein Abgang kommuniziert und nach außen getragen wurde mehr als unglücklich.
Thomas Schaaf (60) ist mit der Art und Weise wie sein Abgang kommuniziert und nach außen getragen wurde mehr als unglücklich.  © Carmen Jaspersen/dpa

Dass er "beleidigt" sei, sei zwar nicht der Fall, jedoch wolle das jahrelange Vereinsmitglied (seit 1972) in der Öffentlichkeit vernünftig dargestellt werden.

Er wolle nicht, dass "der Eindruck entsteht, ich hätte irgendwelche übertriebenen und nicht erfüllbaren Gehaltsforderungen gestellt".

Auf die Schaaf-Schelte reagierte Baumann nun gegenüber Bild und versuchte die Wogen zu glätten.

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Der Geschäftsführer Sport wolle sich für den falsch erweckten Eindruck entschuldigen. Es sei bei der Nichtverlängerung des Kontrakts von Schaaf "nie davon die Rede gewesen, dass dieser zu hohe finanzielle Forderungen" gehabt habe.

"Wir konnten ihm einfach kein Angebot machen, selbst nicht zu drastisch reduzierten Konditionen", so Baumann weiter. "Ich habe nie gesagt, dass Thomas um Geld gepokert hat."

Frank Baumann rechtfertigt sich: "Viele haben immer noch nicht verstanden, in welch kritischer wirtschaftlicher Situation wir stecken"

Bilder aus längst vergangenen und sportlich wie auch finanziell weitaus besseren Tagen. Schaaf mit "Kugelblitz" Ailton (47) beim DFB-Pokalsieg 2004.
Bilder aus längst vergangenen und sportlich wie auch finanziell weitaus besseren Tagen. Schaaf mit "Kugelblitz" Ailton (47) beim DFB-Pokalsieg 2004.  © Kay Nietfeld/dpa

Baumann verwies dann einmal mehr auf die drastischen Finanz-Zwänge des Double-Siegers von 2004.

"Viele haben offenbar immer noch nicht verstanden, in welch kritischer wirtschaftlicher Situation wir stecken. Wir müssen in allen Bereichen drastisch Kosten sparen und haben trotz großer Kraftanstrengungen noch nicht alle Ziele erreicht."

Ob es dann der richtige Weg ist, so mit einem Mann wie Thomas Schaaf umzugehen, kann dennoch zumindest angezweifelt werden. Das öffentliche Bild des Klubs spiegelt indes die desaströsen Leistungen im Saisonendspurt wider.

Schaaf, der bereits in seiner Jugendzeit das Trikot der Grün-Weißen trug, legte dieses auch in seiner Profikarriere bis zum Ende seiner Laufbahn 1995 nie ab.

Im Anschluss übernahm er die U17, später die U19 und auch die zweite Mannschaft von Werder als Trainer, fungierte zwischendurch als Co-Trainer unter Otto Rehhagel (82), ehe er von 1999 bis 2013 in insgesamt 644 Pflichtspielen die Geschicke an der Seitenlinie der ersten Mannschaft leitete.

Unter ihm feierte der Klub einst magische Europapokal-Nächte, rauschende Fußballfeste sowie das Double 2004. Hinzu kamen die DFB-Pokalerfolge 1999 und 2009.

Frank Baumann mit dem Rücken zur Wand - Restart ohne Thomas Schaaf

Baumann (links) und Schaaf (rechts): Eine Beziehung, die wohl deutlich unter den letzten Tagen gelitten haben dürfte.
Baumann (links) und Schaaf (rechts): Eine Beziehung, die wohl deutlich unter den letzten Tagen gelitten haben dürfte.  © Carmen Jaspersen/dpa

2018 kehrte er als Technischer Direktor zurück zu seiner großen Liebe, sollte in der vergangenen Spielzeit im letzten Saisonspiel als Interimstrainer den Abstieg noch abwenden - was ihm nicht gelang.

Nun also der alles andere als geräuschlose Abgang nach dem Ende seines bis 30. Juni 2021 laufenden Kontrakts.

Die Zeiten sind stürmisch an der Weser. Für den Klub und auch den angeknockten Geschäftsführer Sport.

Die Mission Wiederaufstieg könnte zudem zur Herkulesaufgabe werden und findet ohne DAS Werder-Gesicht schlechthin statt.

Titelfoto: Carmen Jaspersen/dpa-Pool/dpa, Carmen Jaspersen/dpa

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