Tränen in Bremen! SV Werder erstmals seit 1981 zweitklassig: Die Gründe für den Abstieg

Bremen - Fassungslosigkeit an der Weser! Der SV Werder Bremen ist nach dem 2:4 gegen Borussia Mönchengladbach auf Platz 17 abgerutscht und aus der 1. Bundesliga abgestiegen.

Werders Eigengewächs Maximilian Eggestein (24) verließ nach dem Abstieg in die 2. Bundesliga bedröppelt den Rasen.
Werders Eigengewächs Maximilian Eggestein (24) verließ nach dem Abstieg in die 2. Bundesliga bedröppelt den Rasen.  © dpa/Carmen Jaspersen

Erstmals seit 1980 müssen die Grün-Weißen den bitteren Gang in die 2. Bundesliga antreten. Immerhin blieb der SVW damals nur ein Jahr zweitklassig und stieg bereits 1981 wieder auf. Seitdem hielt sich Werder in Deutschlands Fußball-Eliteklasse und sorgte immer wieder für spektakuläre Partien und großartige Saisons.

Doch diese Zeiten sind seit mehr als einer Dekade vorbei. Nach dem dritten Rang 2009/10 liefen die Bremer nur noch maximal auf Position acht ein. Nun hat Werder zwei ganz schwache Spielzeiten hinter sich und rutschte - so hart das klingt - völlig verdient auf die vorletzte Position ab.

Denn die Mannschaft machte viel zu früh einen Haken hinter die lange Zeit solide Saison. Nach dem 24. Spieltag stand die Truppe vom damaligen Trainer Florian Kohfeldt (38) mit 30 Punkten auf Rang zwölf und hatte satte elf Zähler Vorsprung auf den Sechzehnten Arminia Bielefeld.

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Alle waren sich einig: Da kann nichts mehr schiefgehen! Doch weit gefehlt. Anschließend geriet Bremen in eine Negativspirale, aus der man nicht mehr herausfand. Neun (!) Niederlagen und ein lahmes Remis aus den verbleibenden zehn Liga-Spielen besiegelten den Abstieg und das vorzeitige Aus von Kohfeldt.

Auch Vereinsurgestein Thomas Schaaf (60) konnte dem völlig verunsicherten Team kein neues Leben mehr einhauchen. Stattdessen waren die Grün-Weißen kurz davor, sich von Gladbach abschießen zu lassen. Erst nach dem 0:4 und einigen weiteren vergebenen Fohlen-Chancen kam Werder noch einmal heran und betrieb Ergebniskosmetik.

Direkter Wiederaufstieg dürfte für den SV Werder Bremen zur Herkulesaufgabe werden

Theodor Gebre Selassie (34) verabschiedet sich ausgerechnet mit dem Abstieg nach seiner langen Karriere beim SV Werder Bremen in seine tschechische Heimat.
Theodor Gebre Selassie (34) verabschiedet sich ausgerechnet mit dem Abstieg nach seiner langen Karriere beim SV Werder Bremen in seine tschechische Heimat.  © dpa/Carmen Jaspersen

Das stand auch sinnbildlich für die ganze Saison: Es reichte letztlich einfach nicht, obwohl die Grundqualität für die 1. Liga durchaus vorhanden zu sein schien.

Doch schlechte Transfers, zu wenig Mentalitätsspieler, zu viele Akteure außer Form, ein mitunter mangelhaftes Abwehrverhalten und eine schlechte Chancenverwertung waren trotz des riesigen Vorsprungs zu viel, um sich noch einmal zu retten.

Vorwerfen muss man den Verantwortlichen und der Mannschaft vor allem eine Sache: Dass sie aus der Vorsaison offenbar nicht die richtigen Lehren gezogen und die neue Spielzeit erneut bis zum Schluss durchgezogen haben, statt sich so eine Nervenschlacht am Ende zu ersparen.

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Genau dazu kam es auch diesmal wieder und nun heißt der große Verlierer Bremen. So war auch Interimscoach Schaaf (60) nach der Begegnung sichtlich mitgenommen und sagte am Sky-Mikrofon zur verpassten Rettung: "Das ärgert mich am meisten." Auch Sportgeschäftsführer Frank Baumann (45) erklärte den Tränen nahe: "Heute ist erstmal die brutale Enttäuschung da." Das müsse man "erstmal sacken lassen", aber dennoch "schnelle Entscheidungen" treffen.

Denn nun wartet eine der stärksten, wenn nicht gar die stärkste 2. Liga aller Zeiten mit dem Erzrivalen Hamburger SV, Schalke 04, Dynamo Dresden, Hansa Rostock, Fortuna Düsseldorf, dem FC St. Pauli, dem 1. FC Nürnberg und einigen weiteren namhaften Klubs. Der direkte Wiederaufstieg wird da eine Herkulesaufgabe.

Titelfoto: dpa/Carmen Jaspersen

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