Weltmeister Andreas Brehme im TAG24-Interview über die EM, die deutsche Elf und sein Finaltor 1990

Hamburg/München - Sein Tor machte uns 1990 zum Weltmeister: Fußball-Legende Andreas Brehme (60)! Mit TAG24 hat der gebürtige Hamburger, der aktuell als EM-Experte für die Informationsplattform Wettbasis tätig ist, über die Europameisterschaft, die deutschen Chancen und den größten Moment seiner Karriere gesprochen.

Andreas Brehme (60) ist nicht nur wegen seines Tores zum WM-Titel 1990 eine Legende des deutschen Fußballs. Er wurde auch zweimal deutscher Meister, DFB-Pokalsieger, italienischer Meister und UEFA-Cup-Sieger. (Archivfoto)
Andreas Brehme (60) ist nicht nur wegen seines Tores zum WM-Titel 1990 eine Legende des deutschen Fußballs. Er wurde auch zweimal deutscher Meister, DFB-Pokalsieger, italienischer Meister und UEFA-Cup-Sieger. (Archivfoto)  © picture alliance / dpa

TAG24: Wie geht es Ihnen und wie haben Sie die vergangenen 15 Monate seit Beginn der Corona-Pandemie erlebt?

Andreas Brehme: Bei mir persönlich lief es ganz gut, weil ich an drei Firmen beteiligt bin und diese trotz der Situation größtenteils recht gut arbeiten konnten. Gesundheitlich ist auch alles gut, ich wurde schon zweimal geimpft und hatte auch gar keine Probleme nach den Impfungen. Von daher alles super.

TAG24: Wegen der Pandemie haben wir ja auch ein Jahr länger auf die EM warten müssen. Was halten Sie davon, dass das Turnier nun in insgesamt elf verschiedenen Ländern ausgetragen wird?

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Brehme: Ich finde, das ist totaler Schwachsinn! Wenn man zum Beispiel sieht, dass die Schweizer nach Aserbaidschan (Baku) müssen, muss man klipp und klar sagen: Das hätte die UEFA in einem Land oder maximal in zwei Ländern machen müssen. Einige Teams werden durch das Hin- und Herreisen geschwächt.

TAG24: Die deutsche Mannschaft startet am Dienstagabend in München mit dem Kracherspiel gegen Weltmeister Frankreich in die EM. Sie selbst haben mehrere große Turniere gespielt, was geht so kurz vor dem Start in den Spielern vor?

Brehme: Man freut sich einfach, dass es bald losgeht. Da fiebert man drauf hin! Als Spieler habe ich mir früher immer gewünscht, direkt das erste Spiel zu haben. Wenn das gut läuft, startet man direkt mit einem guten Gefühl ins Turnier und sendet auch ein Zeichen an die Konkurrenz. Wir als Zuschauer können uns aber einfach auf das Spiel gegen Frankreich freuen und hoffen, dass die Mannschaft einen positiven Start hinlegt.

Andreas Brehme über sein Elfmetertor im WM-Finale 1990: "Es geht nicht um einen einzelnen Spieler"

Finaltorschütze Brehme (r.) posiert 1990 an der Seite von Kapitän Lothar Matthäus (heute 60, M.) und Bundestrainer Franz Beckenbauer (heute 75, l.) mit dem WM-Pokal. (Archivfoto)
Finaltorschütze Brehme (r.) posiert 1990 an der Seite von Kapitän Lothar Matthäus (heute 60, M.) und Bundestrainer Franz Beckenbauer (heute 75, l.) mit dem WM-Pokal. (Archivfoto)  © picture alliance / dpa

TAG24: Wie schätzen Sie die Chancen der DFB-Elf in dieser Partie, aber auch im gesamten Turnier ein?

Brehme: Die Franzosen sind für mich der absolute Topfavorit! Das ist eine super Mannschaft, das muss man einfach so sagen. Da muss man abwarten, wie sie das Spiel gegen uns bestreiten. Wir gehören mit England, Italien, Portugal und ein, zwei anderen Mannschaften sicherlich zum Favoritenkreis. Ich kann mir am Ende auch nicht vorstellen, dass da eine kleinere Nation kommt und ein Wörtchen um den Titel mitreden kann.

TAG24: Apropos Titel: Am 8. Juli 1990 haben Sie Deutschland mit ihrem Elfmetertor in der 85. Minute gegen Argentinien zum Weltmeister gemacht. Wie hat dieses Tor ihre Karriere, aber auch ihr Leben verändert?

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Brehme: Es hat natürlich vieles zum Positiven verändert. Ich bin auch heute noch viel für und mit Werbepartnern unterwegs und das macht einfach riesig Spaß. Da hole ich dann gerne auch mal einen Sepp Meier (77) oder einen Lothar (Matthäus, 60, Anm. d. Red.) ins Boot bzw. schlage ihnen eine Zusammenarbeit vor und dann machen wir die Leute glücklich.

TAG24: Können Sie sich noch konkret an die Situation erinnern? Was haben Sie gedacht, als sie sich den Ball auf dem Elfmeterpunkt zurechtgelegt haben?

Brehme: Da kann man sich gar keine richtigen Gedanken machen, das geht nicht. Wenn ich mich nicht gut gefühlt hätte, hätte ich gesagt, es muss jemand anderes hin. Lothar hat sich ja auch nicht so hundertprozentig gefühlt und am Ende geht es nicht um einen einzelnen Spieler, sondern um ein Team und eine ganze Nation.

Andreas Brehme wünscht Bundestrainer Jogi Löw zum Abschied den EM-Titel

Der beidfüßige Linksverteidiger wurde 2018 in die erste Elf der "Hall of Fame des deutschen Fußballs" des Deutschen Fußballmuseums gewählt.
Der beidfüßige Linksverteidiger wurde 2018 in die erste Elf der "Hall of Fame des deutschen Fußballs" des Deutschen Fußballmuseums gewählt.  © Ina Fassbender/dpa

TAG24: Nach ihrer titelreichen Karriere waren sie in verschiedenen offiziellen Positionen in Kaiserslautern, Unterhaching und Stuttgart tätig. Seit 2006 ist es allerdings recht still um sie geworden, zumindest was Trainerjobs angeht. Planen sie für die Zukunft nochmal etwas in diese Richtung?

Brehme: Nein, auf gar keinen Fall. Ich bin für die verschiedenen Firmen viel unterwegs und damit auch absolut glücklich.

TAG24: Ein ganz bestimmter Trainerjob wäre auch schon vergeben: Nach der EM nimmt Jogi Löw (61) seinen Hut und Hansi Flick (56) wird sein Nachfolger als Bundestrainer. Die richtige Entscheidung des DFB?

Brehme: Auf jeden Fall! Er hat hervorragende Leistungen bei Bayern München gezeigt und wenn man so viele Titel gewinnt und sich auch noch beim DFB auskennt, ist man in jedem Fall die richtige Wahl als Bundestrainer.

TAG24: Was würden Sie Jogi Löw auf seiner Abschiedstour wünschen?

Brehme: Der Jogi ist ein Freund und ich würde ihm den EM-Titel von ganzem Herzen wünschen. Aber da gehört nicht nur er dazu, sondern in erster Linie natürlich die Spieler, insbesondere die Elf, die auf dem Platz steht.

TAG24: Abschließend noch eine finale Prognose: Wie weit kommt die deutsche Nationalmannschaft bei der EM?

Brehme: Also ich würde mir wünschen, damit auch überall mal wieder richtig Ruhe einkehrt, dass sie es bis ins Halbfinale schaffen. Wenn das Spiel gegen Frankreich erfolgreich gestaltet wird, kann auch wieder eine gewisse Euphorie entstehen. Natürlich braucht man auch immer das nötige Glück, aber dann kann die deutsche Mannschaft weit kommen.

Titelfoto: Ina Fassbender/dpa

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