Karl Schulzes Traum vom Gold-Triple lebt, aber "Karten werden neu gemischt!"

Dresden/Tokio - Als 20-Jähriger wollte Karl Schulze bereits den Sprung ins Olympia-Team von Peking schaffen. 2008 klappte es für den damaligen Junioren-Weltmeister und Zweiten bei der "U23"-WM nicht. Mittlerweile ist er 33 Jahre und zweifacher Olympiasieger. Kann er jetzt in Tokio ein drittes Mal ganz oben auf dem Treppchen stehen?

Seine Liebste Marie Christin sowie die Töchter Leni (3) und Lea (1) geben dem Dresdner Karl Schulze Kraft. Wie die Elbe, auf der er sein Leben lang trainiert hat.
Seine Liebste Marie Christin sowie die Töchter Leni (3) und Lea (1) geben dem Dresdner Karl Schulze Kraft. Wie die Elbe, auf der er sein Leben lang trainiert hat.  © Enrico Lucke

Zumindest treibt dieser Gedanke den Dresdner seit Jahren an.

Deshalb nahm er es vor einem Jahr in Kauf, weniger Zeit mit seiner Frau Marie Christin und den Mädels Leni (3) und Lea (1) zu verbringen. Viele Autobahn-Kilometer spulte er ab, um zwischen Dresden und Ratzeburg zu pendeln.

Wenige Tage vor den Rennen in Japan weiß er: "Die Vorzeichen stehen diesmal anders. 2012 in London waren wir Vize-Weltmeister im Doppelvierer. 2016 reisten wir als Weltmeister nach Rio. Mit diesen Erfolgen im Rucksack sind wir diesmal nicht nach Tokio geflogen."

Bei der WM 2019 war es Platz fünf. Danach wurde das Boot neu besetzt. Bei der EM in diesem Jahr kam Platz sechs raus. Die Favoriten-Rolle ist somit nicht die des deutschen Doppelvierers. "Diese haben die Niederländer, gefolgt von den Italienern, aber die Boote sind schon besiegt worden", weiß Schulze.

"Realistisch kämpfen wir um die Bronzemedaille. Um die fightet aber gefühlt das ganze Feld."

Karl Schulze und sein Ruder-Team probten im Trainingslager am Weißensee für Olympia 2021

Auf dem Weißensee arbeiteten Karl Schulze & Co. 2016 am Feinschliff für Olympia. Dieses Jahr waren sie wieder in Kärnten, bringt es wieder Erfolg?
Auf dem Weißensee arbeiteten Karl Schulze & Co. 2016 am Feinschliff für Olympia. Dieses Jahr waren sie wieder in Kärnten, bringt es wieder Erfolg?  © Enrico Lucke

Wenn Töchterchen Leni am Freitag aufwacht, dann wird sie wohl Mama aufgeregt fragen: "Wie lief's bei Papa?" Gegen halb fünf deutscher Zeit hatte er gut 11.000 Kilometer entfernt bereits seinen Vorlauf.

Dafür ist er zuversichtlich. "Wir hatten im Trainingslager am Weißensee noch nie so gute Bedingungen", schwärmt der Sachse. Ein gutes Omen? Zumindest wurde in Kärnten jedes Mal die Gold-Form geschmiedet.

Die Hausaufgaben für die Crew waren klar: Konstanter rudern, die perfekte Abstimmung finden und an den gesetzten "Fahrplan" für die 2000-Meter-Strecke festhalten. Dies klappte zuletzt nicht und deshalb fehlte zur Konkurrenz immer etwas.

Aber wie meinte Schulze: "Die Karten werden neu gemischt. Die Chance auf eine Medaille ist da. Und vielleicht geht's noch weiter hoch, als wir denken."

Der Bundespolizist hat seinen Traum noch nicht ganz aufgegeben. Der Dresdner Dieter Grahn holte im Vierer 1968 und 1972 jeweils Olympia-Gold, Karl will unbedingt das Triple.

Und er bekommt moralische Unterstützung für die Rennen auf dem Sea and Forest Waterway von Cheftrainer Ralf Holtmeyer: "Olympische Spiele stehen immer unter einem anderen Stern. Immer sind Mannschaften nach vorn gekommen, mit denen man nicht gerechnet hat."

Max Appel (v.l.n.r.), Hans Gruhne, Karl Schulze sowie Tim Ole Naske sollen die deutsche Siegesserie in Tokio fortsetzen. Gelingt es, wäre das ein großer Coup.
Max Appel (v.l.n.r.), Hans Gruhne, Karl Schulze sowie Tim Ole Naske sollen die deutsche Siegesserie in Tokio fortsetzen. Gelingt es, wäre das ein großer Coup.  © Imago Images/Sven Simon
Hans Gruhne (v.r.n.l.), Lauritz Schoof, Philipp Wende und Karl Schulze triumphierten in Rio.
Hans Gruhne (v.r.n.l.), Lauritz Schoof, Philipp Wende und Karl Schulze triumphierten in Rio.  © DPA / Sören Strache
Stolz präsentiert Karl Schulze seine bisherigen Goldmedaillen. Kommt in Tokio ein weiteres Edelmetall dazu?
Stolz präsentiert Karl Schulze seine bisherigen Goldmedaillen. Kommt in Tokio ein weiteres Edelmetall dazu?  © Imago Images / Robert Michael

Am Dienstag gegen 3:04 Uhr deutscher Zeit wissen alle mehr. Dann ist der neue Olympiasieger im Ziel und die Frage geklärt, ob die deutsche Fahne wie 2012 und 2016 das Boot ziert und Karl wieder in ihm stehend den Sieg feiert.

Titelfoto: Imago Images / Robert Michael

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