Schwanitz vor Olympia-Start: "Werde sicher keine Bestleistung stoßen!"

Thum/Tokio - Wenn Christina Schwanitz (35) am Dienstag in den Flieger nach Tokio steigt, tut sie das mit gemischten Gefühlen. Mit Stolz, Vorfreude, Wettkampflust, aber auch Trauer reist die Kugelstoßerin zu ihren vierten Sommerspielen.

Eines der ganz seltenen Bilder von Christina Schwanitz mit ihren Zwillingen. Hier, 2017, waren die noch ganz klein, lagen im Kinderwagen und blieben unerkannt. Die Kugelstoßerin schirmt die beiden total ab, selbst die Namen der jetzt Vierjährigen gibt sie nicht preis.
Eines der ganz seltenen Bilder von Christina Schwanitz mit ihren Zwillingen. Hier, 2017, waren die noch ganz klein, lagen im Kinderwagen und blieben unerkannt. Die Kugelstoßerin schirmt die beiden total ab, selbst die Namen der jetzt Vierjährigen gibt sie nicht preis.  © Kristin Schmidt

"Natürlich bin ich stolz, für Deutschland zu starten" meint die gebürtige Dresdnerin. "Ich freue mich auf den Wettkampf, will mich mit den anderen messen", erzählt sie, fügt aber leise an: "Bissel traurig bin ich auch, weil es wohl meine letzten Spiele werden."

Schwanitz war in Peking 2008, London 2012 und Rio 2016 dabei, ein sechster Rang in Brasilien war ihre bislang beste Platzierung.

Was ist für die Weltmeisterin von 2015 in Japan drin? "Ich möchte unter die Top 8, also in den Endkampf. Eine Medaille ist unter den ganzen Umständen kaum möglich."

Die Umstände! Schwanitz wird im Dezember 36. Sie ist Mutter von Zwillingen (4/die Namen verrät sie nicht), was in Corona-Zeiten alles andere als leicht ist. Im März erlitt sie einen Bandscheibenvorfall. Die DM verpasste sie, weil sie nach einem Wettkampf in England in Quarantäne musste.

"Ich werde in Tokio ganz sicher keine neue Bestleistung stoßen." Die steht bei 20,77 Meter (2015), in diesem Jahr kam sie bislang auf 19,11 Meter.

Christina Schwanitz mit ihrem spanischen Ehemann Tomas, mit dem sie Zwillinge hat (Töchterchen und Sohnemann) 2015 bei der Gala "Sportler des Jahres" in Baden-Baden. Die Kugelstoßerin gewann die damalige Umfrage.
Christina Schwanitz mit ihrem spanischen Ehemann Tomas, mit dem sie Zwillinge hat (Töchterchen und Sohnemann) 2015 bei der Gala "Sportler des Jahres" in Baden-Baden. Die Kugelstoßerin gewann die damalige Umfrage.  © imago images/Pressefoto Baumann
Am 23. August 2015 feierte Christine Schwanitz den größten Erfolg ihrer Karriere: WM-Gold in der chinesischen Hauptstadt Peking.
Am 23. August 2015 feierte Christine Schwanitz den größten Erfolg ihrer Karriere: WM-Gold in der chinesischen Hauptstadt Peking.  © Imago Images/Sven Simon

Schwanitz von Olympia während Corona nicht überzeugt

Auf 20,77 Meter hat Christina Schwanitz, hier beim Thumer Werfertag 2019 im Ring, die Kugel schon gewuchtet. Eine Weite, die für die fast 36-Jährige in Tokio unerreichbar ist.
Auf 20,77 Meter hat Christina Schwanitz, hier beim Thumer Werfertag 2019 im Ring, die Kugel schon gewuchtet. Eine Weite, die für die fast 36-Jährige in Tokio unerreichbar ist.  © Carsten Wagner

Angst, nach Japan zu reisen, hat Schwanitz nicht. "Ich bin darauf eingestellt, meinen Wettkampf zu machen. Wer Angst hat, sollte nicht teilnehmen. Außerdem verhindert die, dass man sein Potenzial ausschöpft."

Dennoch findet es Schwanitz nicht gut, dass die Spiele "trotz der aktuellen Situation in Japan durchgedrückt werden. Warum verschiebt man die nicht um drei Jahre auf 2024? Man wäre wieder im üblichen Rhythmus. So aber erleben wir jetzt Olympia, wie wir es nicht kennen - ohne Zuschauer, ohne Stimmung in den Arenen. Zudem wäre eine Verlegung für alle Athleten fairer hinsichtlich einer normalen Vorbereitung, aber auch in Bezug auf die Dopingproblematik."

Das Glamouröse, viele Sportler, der Austausch mit der ganzen Welt fehle diesmal. Schwanitz' Motto deshalb: "So schnell wie möglich hin, so schnell wie möglich nach Hause!"

Ehemann Tomas und ihre "Krümel" werden sich freuen. Letztere verstehen zwar noch nicht wirklich, was die Mama macht, aber "unser Töchterchen will Kugelstoßerin werden. Denn sie möchte auch so eine schöne Kreideschale haben wie ich."

Titelfoto: Carsten Wagner, imago images/Sven Simon

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