Skandale vor dem Olympia-Start: Direktor der Eröffnungsfeier wegen Holocaust-Witzen gefeuert!

Tokio - Frauenfeindliche Äußerungen, Misshandlung von Behinderten, Holocaust-Witze: Skandale bei Japans Olympia-Organisatoren überschatten die Eröffnungsfeier.

Kentaro Kobayashi (48) war als Kreativdirektor für die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Tokio verantwortlich.
Kentaro Kobayashi (48) war als Kreativdirektor für die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Tokio verantwortlich.  © Uncredited/Tokyo 2020 via AP/dpa

Nur einen Tag vor der Zeremonie im Olympia-Stadion von Tokio entbanden die Organisatoren am Donnerstag den Kreativdirektor der Feier, Kentaro Kobayashi (48), von seinen Aufgaben.

Anlass war das Auftauchen eines Videos von einem Auftritt des früheren Komikers von 1998, bei dem er sich über den Holocaust lustig gemacht hatte.

"Jede Verbindung dieser Person mit den Olympischen Spielen in Tokio würde das Andenken von sechs Millionen Juden beleidigen und die Paralympics grausam verspotten", kommentierte Rabbi Abraham Cooper vom Simon Wiesenthal Center.

Japans Organisationschefin Seiko Hashimoto (56) entschuldigte sich für den jüngsten Skandal.

Nur vier Tage zuvor war der Komponist für die Eröffnungsfeier, der Japaner Keigo Oyamada (52) - auch im Westen unter dem Namen Cornelius bekannt - wegen Mobbings von behinderten Kindern in seiner Schulzeit zurückgetreten

Hashimoto bedauerte am Donnerstag, dass man zu lange gebraucht habe, um sich von Oyamada zu trennen.

Auch der japanische Komponist Keigo Oyamada (52) trat von der Eröffnungsfeier zurück. (Archivbild)
Auch der japanische Komponist Keigo Oyamada (52) trat von der Eröffnungsfeier zurück. (Archivbild)  © Uncredited/Kyodo News/AP/dpa
Im Olympiastadion in Tokio sollen die Eröffnungs und die Schlussfeier stattfinden.
Im Olympiastadion in Tokio sollen die Eröffnungs und die Schlussfeier stattfinden.  © Michael Kappeler/dpa

Vorheriger Kreativdirektor trat ebenfalls zurück - Er hatte eine Komikerin als "Schwein" bezeichnet

Olympias Organisationskomitee: Geschäftsführer Toshiro Muto (78, l.), Präsidentin Seiko Hashimoto (56, M.) und Sprecher Masa Takaya.
Olympias Organisationskomitee: Geschäftsführer Toshiro Muto (78, l.), Präsidentin Seiko Hashimoto (56, M.) und Sprecher Masa Takaya.  © kyodo/dpa

Das gesamte aktuelle Programm der Eröffnung solle nun noch einmal genau überprüft werden, sagte OK-Geschäftsführer Toshiro Muto (78). Man werde jetzt schnell beraten, wie die Zeremonie abgehalten werden solle und "so bald wie möglich" zu einem Ergebnis kommen, so Hashimoto.

Bereits im März war der damalige Kreativdirektor für die Sommerspiele in Tokio, Hiroshi Sasaki (64), wegen erniedrigender Äußerungen über eine bekannte japanische Entertainerin von seinem Amt zurückgetreten.

Er hatte zugegeben, gegenüber Mitarbeitern die Idee vorgebracht zu haben, dass die korpulente Komikerin Naomi Watanabe (33) bei der Eröffnungszeremonie der Spiele als Schwein verkleidet auftreten könnte.

In einem rosafarbenen Kostüm erschiene sie dann als ein "Olympig", witzelte der Japaner - "pig" bedeutet auf Englisch Schwein.

Kreativdirektor Hiroshi Sasaki (64) legte im März 2021 seinen Job nieder.
Kreativdirektor Hiroshi Sasaki (64) legte im März 2021 seinen Job nieder.  © Kyodo News/AP/dpa

Olympias-Organisationschef trat wegen Sexismus-Skandal zurück

Yoshiro Mori (84) gab seinen Posten als Olympia-Chef im Februar 2020 auf.
Yoshiro Mori (84) gab seinen Posten als Olympia-Chef im Februar 2020 auf.  © kyodo/dpa

Vor ihm war bereits der damalige Olympia-Organisationschef Yoshiro Mori (84) ebenfalls wegen sexistischer Kommentare zurückgetreten.

Seine Nachfolgerin Hashimoto übernahm am Donnerstag die Verantwortung für die jüngsten Skandale, will jedoch nicht zurücktreten. Es sei ihre Aufgabe, die Spiele zu einem "großen Erfolg" zu machen. Dafür werde sie sich bis zum Schluss einsetzen.

Unterdessen haben mehrere führende japanische Wirtschaftsvertreter, darunter der Chef des Automobilriesen und Top-Olympia-Sponsors Toyota bereits mitgeteilt, an der Eröffnungsfeier für die Olympischen Spiele nicht teilzunehmen.

Der japanische Fernsehsender NHK berichtete am Donnerstag, auch der frühere Ministerpräsident Shinzo Abe (66) wolle ihr fernbleiben.

Abe hatte maßgeblich dafür gesorgt, dass Tokio 2013 trotz der verschärften Probleme in der Atomruine Fukushima die Spiele zugesprochen bekam, indem er dem IOC versicherte, dass dort "alles unter Kontrolle" sei.

Titelfoto: Bildmontage: Michael Kappeler/dpa, Uncredited/Tokyo 2020 via AP/dpa

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