Tampa Bay zerlegt den Titelverteidiger: Buccaneers und Tom Brady gewinnen den 55. Super Bowl

Tampa - "Offense sells tickets. Defense wins championships." Dieser Satz des legendären Football-Coaches Paul "Bear" Bryant sollte sich einmal mehr bewahrheiten, als die Tampa Bay Buccaneers und ihre lebende Quarterback-Legende Tom Brady gegen den amtierenden Champion, die Kansas City Chiefs, im Super Bowl standen.

Rob Gronkowski bejubelt seinen Touchdown. Tom Brady (r.) ist auf dem Weg zu ihm, um zu gratulieren.
Rob Gronkowski bejubelt seinen Touchdown. Tom Brady (r.) ist auf dem Weg zu ihm, um zu gratulieren.  © Ben Liebenberg/NFL Photos/AP/dpa

Den ersten Meilenstein gab es schon ab Sekunde 1 zu feiern: Mit Sarah Thomas stand zum ersten Mal in der Geschichte der NFL eine Frau als Schiedsrichter mit auf dem Feld.

Das Spiel begann mit dem Angriffsrecht für die Gastgeber, endete dann aber auch gleich wieder ohne First Down mit einem Punt.

Sehr viel besser machten es die Chiefs jedoch auch nicht und mussten den Ball schnell wieder abgeben.

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Zu diesem Zeitpunkt war schnell der Eindruck geweckt: Heute entscheiden die beiden Defense-Einheiten über Sieg und Niederlage. Und beide Seiten schienen in super Stimmung zu sein - und machten es nicht nur den Angriffsformationen alles andere als leicht, sie schafften auch, die Quarterbacks enorm unter Druck zu setzen. Zumindest zu Beginn galt dies noch für beide Seiten.

Immerhin schafften es die Kansas City Chiefs, dank eines sehr agilen Patrick Mahomes auf der Quarterback-Position, nah genug an die Endzone heranzukommen, um mit einem Field Goal die ersten drei Punkte des Spiels zu machen.

Aber ein Altmeister Brady fühlt sich dadurch ja nur noch mehr motiviert. Ein guter Pass, ein paar starke Einzelaktionen seiner Mitspieler - und schon klopften die Buccaneers nach nur sieben Spielzügen an die Endzonen-Tür. Ein kurzer Pass auf Rob Gronkowski und wir hatten den ersten Touchdown des Spiels zu bejubeln.

Mit 7:3 aus Sicht der Gastgeber endete kurz darauf das erste Quarter des 55. Super Bowls im Raymond James Stadium.

Tampa-Defense lässt Patrick Mahomes kaum eine Chance

Enorm unter Druck: Patrick Mahomes (l.) fand kaum Zeit oder Mittel gegen die Tampa-Bay-Defense.
Enorm unter Druck: Patrick Mahomes (l.) fand kaum Zeit oder Mittel gegen die Tampa-Bay-Defense.  © Ashley Landis/AP/dpa

Und es sollte für Tampa Bay so weiter gehen. Die Chiefs fanden kein Mittel gegen die Defense der Bucs und so konnte Tom Brady das Momentum für sich ausnutzen und nachsetzen.

Doch auch die rote Wand aus Kansas City konnte auftrumpfen und stoppte alle vier Versuche, vor der Endzone. Drei davon innerhalb der letzten zwei Yards. Millimeterarbeit.

Doch der Jubel hielt nicht lange. Kurz darauf waren die Gastgeber erneut im Ballbesitz und mussten sich eigentlich schon mit einem Field Goal zufrieden geben. Doch ein "Offside" (Abseits) auf Seiten der Chiefs brachte noch einmal Tom Brady auf den Platz.

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Ein erneuter Pass auf seinen in der Endzone überraschend frei stehenden Kumpel Gronkowski brachte die nächsten Zähler auf die Anzeigetafel. 14:3 für Team Brady.

Die Antwort der Chiefs folgte. Wenn auch nur im Kleinen. Die Defense der Freibeuter immer noch nicht in den Griff bekommend, musste sich Kansas City mit einem weiteren Field Goal zufrieden geben. Immerhin nur noch 14:6.

Noch eine Minute Zeit für Tom Brady, hier nachzujustieren, ehe es in die Halbzeit ging. Mehr als genug, wie sich zeigen sollte.

Legende Tom Brady bei Weitem nicht fehlerfrei

Fest im Griff: Für die Kansas City Chiefs gab es kaum eine Chance, ihr Spiel aufzubauen.
Fest im Griff: Für die Kansas City Chiefs gab es kaum eine Chance, ihr Spiel aufzubauen.  © Mark Humphrey/AP/dpa

Mit viel Unterstützung einer fehleranfälligen Chiefs-Verteidigung konnte sechs Sekunden vor der Pause auf 21:6 erhöht werden. Ein Pass auf Antonio Brown brachte die Vorentscheidung.

Die zweite Halbzeit begann, wie die erste endete: Die Chiefs hatten kaum eine Chance, die Defense der Gastgeber in den Griff zu bekommen.

Zwar endete auch dieser Angriff mit einem Field Goal zum 9:21, doch in diesen kleinen Schritten kann man gegen ein Team wie Tampa Bay an solch einem Tag nicht gewinnen.

Vor allem, wenn die mit ihrem vierten Touchdown antworten. Ein Pass auf einen erneut erschreckend freien Gronkowski und ein anschließender Lauf von Leonard Fournette - und schon stand es 28:9 für die Heimmannschaft.

Während Patrick Mahomes durch viel Druck des Gegners erneut ohne Chance auf Aufwind vom Platz geschickt wurde, zeigte auch Legende Tom Brady vermehrt seine Schwachstellen.

Zwei überworfene Passversuche und ein nicht gefangener Snap zwangen die Bucceneers zu einem 52-Yards-Field-Goal. 31:9 für Tampa Bay. Es sollte der Endstand sein.

Kansas City mit einem kollektiven Totalausfall

Quarterback Tom Brady (l.) und Leonard Fournette feiern den dritten Touchdown des Spiels.
Quarterback Tom Brady (l.) und Leonard Fournette feiern den dritten Touchdown des Spiels.  © Lynne Sladky/AP/dpa

Die folgende Angriffsserie von Kansas City war sinnbildlich für das gesamte Spiel: Mahomes permanent auf der Flucht vor der gegnerischen Defense, irgendwie schafft er es, aus Nichts etwas halbwegs Brauchbares zu basteln aber am Ende lassen seine Mitspieler den Ball dann doch fallen oder er schleudert das Leder ins Nichts.

Die Offense der Gäste war in jeglicher Hinsicht der Defense der Buccaneers unterlegen. Umgekehrt hatte auch die Verteidigung der Chiefs immer weniger Druck auf ihrem ohnehin schon löchrigen Kessel.

Am Ende muss man sagen: Die Kansas City Chiefs haben den Tampa Bay Buccaneers diesen historischen Sieg nahezu ohne Gegenwehr ermöglicht. An diesem Tag hätte vermutlich nahezu jedes NFL-Team die nunmehr Ex-Champions schlagen können. Aber es waren die Buccaneers. Mit Tom Brady als Quarterback, der mit 43 Jahren seinen 7. Sieger-Ring anstecken durfte.

Einen weiteren Rekord, der lange anzuhalten verspricht, konnten die Bucs außerdem aufstellen: Sie waren nicht nur das erste Team in der NFL-Geschichte, dass im eigenen Stadion im Super Bowl stand - sie haben ihn auch zu Hause gewonnen. Und wer war wieder daran beteiligt? Die lebende Legende Tom Brady. Was will dieser Mann jetzt eigentlich noch erreichen?

Titelfoto: Ben Liebenberg/NFL Photos/AP/dpa

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