Deutsche Biathleten feiern Staffel-Erfolg in Ruhpolding: "Coolness ist wieder da"

Ruhpolding - Nach dem Zieleinlauf ballte Philipp Nawrath (28) mit einem breiten Grinsen im Gesicht die Faust, ehe er seinen jubelnden Teamkollegen in die Arme fiel. Dank einer starken Leistung am Schießstand haben die deutschen Biathleten beim Heim-Weltcup in Ruhpolding mit der Staffel Rang zwei gefeiert und sich drei Wochen vor Start der Olympischen Spiele Selbstvertrauen geholt.

Benedikt Doll (31, l-r), Roman Rees (28), Philipp Nawrath (28) und Erik Lesser (33) freuen sich im Ziel über ihren zweiten Platz.
Benedikt Doll (31, l-r), Roman Rees (28), Philipp Nawrath (28) und Erik Lesser (33) freuen sich im Ziel über ihren zweiten Platz.  © Sven Hoppe/dpa

"Das war ein Fingerzeig für uns. Wenn jeder sein Ding macht und wir uns an unsere Taktik halten, dann sind wir durchaus in der Lage, da mitzuspielen", sagte Nawrath im ZDF mit Blick auf den Saisonhöhepunkt in Peking.

Lediglich die Russen waren sieben Sekunden schneller, sodass Erik Lesser (33), Roman Rees (28), Benedikt Doll (31) und Nawrath den ersten Staffelsieg seit zehn Monaten nur knapp verpassten.

Nawrath ging nach dem letzten Schießen mit zwölf Sekunden Rückstand auf den Russen Maxim Zwetkow (30) auf die Strecke und konnte den Abstand halbieren. "Auf dem letzten Berg war die Lücke zu groß und da habe ich gemerkt, ich komme nicht mehr hin", sagte Nawrath, der im Sprint als 41. enttäuscht hatte. "Die Coolness ist wieder da. Ich bin mega happy." Rang drei ging an Belarus.

Startläufer Lesser hatte stehend für einen Nachlader gesorgt, verlor auf seiner letzten Runde aber massiv Zeit. "Mir hat der Punch gefehlt, den ich noch am Donnerstag hatte. Die letzte Runde ärgert mich", sagte Lesser, der noch "Schadensbegrenzung" betrieb.

Roman Rees macht "halben Rückwärtssalto auf den Arsch"

Roman Rees (r.) übergibt an Benedikt Doll, der die Wende einleitete.
Roman Rees (r.) übergibt an Benedikt Doll, der die Wende einleitete.  © Sven Hoppe/dpa

So ging Rees als Fünfter mit 18,2 Sekunden Rückstand in sein Rennen. Und der 28-Jährige ließ sich auch nicht davon beeindrucken, dass er kurz vor dem Stehendschießen stürzte.

Nach seinem "halben Rückwärtssalto auf den Arsch" räumte Rees aber dennoch alles ab und blieb am Schießstand fehlerfrei. Nach vorne angreifen konnte er nicht, "das Material war heute nicht so top", sagte Rees.

Die Wende leitete dann der Sprint-Zweite Doll ein, der als Sechster mit einem Rückstand von 25,7 Sekunden auf Platz eins in die Loipe ging. Nach einem Nachlader im ersten Anschlag räumte der Ex-Weltmeister seine zweite Fünferserie ab und brachte die deutsche Staffel als Dritter klar auf Podestkurs.

"Das absolute Highlight war stehend fehlerfrei. Liegend ärgert mich der letzte Fehler, da war ich fast schon wieder auf der Strecke", sagte Doll, bei dem es diesmal in der Loipe "etwas schwierig" lief.

Philipp Nawrath beweist sich als Schlussläufer

Philipp Nawrath läuft ins Ziel. Der 28-Jährige zeigte eine tolle Leistung.
Philipp Nawrath läuft ins Ziel. Der 28-Jährige zeigte eine tolle Leistung.  © Sven Hoppe/dpa

Da lief es umso besser für Nawrath. Und der 28-Jährige hat sich auch mit Blick auf die Olympia-Staffel wohl als Schlussläufer in Position gebracht. Denn der lange als Letzter laufende Doll wurde wieder an Position drei aufgestellt.

"Wir haben wieder was probiert. Denn der Zielsprint ist nicht meine Qualität, Philipp ist dafür sehr sprintstark", erklärte Doll.

Die zweimaligen Saisonsieger aus Norwegen, bei denen die Topstars um Johannes Thingnes Bö (28) wegen eines Trainingslagers fehlten, landeten nur auf Rang sieben. Beim ersten Schießen hatte es Probleme gegeben, aufgrund derer den Norwegern zwei Minuten gutgeschrieben wurden.

Am Sonntag stehen zum Abschluss die beiden Verfolgungsrennen an. Bei den Damen (12.45 Uhr/ZDF und Eurosport) hat von den vier Deutschen Franziska Hildebrand (34) als 17. die beste Ausgangsposition.

Bei den Herren (14.45 Uhr) ist es der Sprintzweite Doll mit sieben Sekunden Rückstand auf den Franzosen Quentin Fillon Maillet, auch Lesser als Sechster (+ 43 Sekunden) kann noch nach vorne angreifen.

Titelfoto: Sven Hoppe/dpa

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