Ausschreitungen in Stuttgart: Ladenbesitzer und Zeugen berichten

Stuttgart - Menschen, die mit Pflastersteinen Scheiben einwerfen, Polizisten angreifen sowie Handys und Schmuck mitgehen lassen - diese Szenen kennt man aus Stuttgart eigentlich nicht. 

Ein beschädigtes Schaufenster eines Juweliers ist nach den schweren Ausschreitungen in der Nacht zum Sonntag notdürftig abgeklebt.
Ein beschädigtes Schaufenster eines Juweliers ist nach den schweren Ausschreitungen in der Nacht zum Sonntag notdürftig abgeklebt.  © Silas Stein/dpa

Dass die Landeshauptstadt in der Nacht zum Sonntag trotzdem von derartigen Ausschreitungen heimgesucht wurde, irritiert und schockiert. Das Bild eines Randalierers der einen Polizisten mit voller Wucht von hinten anspringt und ihn so zu Fall bringt, zeigt die Hemmungslosigkeit gegenüber den Beamten.

Diese versuchten - ausgerüstet mit Schutzschilden - der Gewalt von mehreren Hundert Menschen Einhalt zu gebieten. Dabei wurden sie unterstützt von 200 Kollegen aus dem Stuttgarter Umland sowie Polizeihubschraubern. 

Von Seiten der Polizei hieß es auch, dass die Situation völlig außer Kontrolle geraten sei. 20 vorläufige Festnahmen und mehr als ein Dutzend verletzte Polizisten - das ist die erste Bilanz der nächtlichen Auseinandersetzungen.

Erster Hinweis auf den Auslöser der Randale, an der sich wohl vornehmlich Jugendliche und Heranwachsende beteiligt haben: eine Kontrolle anlässlich eines Drogendelikts. Mit den Kontrollierten solidarisierten sich laut Polizei viele Feiernde gegen die Beamten.

Der Morgen nach der Eskalation

Ein Mitarbeiter eines Handyladens räumt nach den schweren Ausschreitungen in der Nacht zum Sonntag Scherben eines zerbrochenen Schaufensters in einem Handyladen auf.
Ein Mitarbeiter eines Handyladens räumt nach den schweren Ausschreitungen in der Nacht zum Sonntag Scherben eines zerbrochenen Schaufensters in einem Handyladen auf.  © Silas Stein/dpa

Am Morgen danach genießen Menschen auf dem Stuttgarter Schlossplatz die Sonne, trinken ihren Kaffee oder drehen ihre Joggingrunden. 

Wenige Meter davon entfernt steht der immer noch fassungslose Leiter eines Handygeschäfts, Eyob Russom, vor einem Scherbenhaufen. In seinem Shop an der Haupteinkaufsmeile Königstraße liegen herausgerissene Pflastersteine, viele Handys sind verschwunden. 

Im Laden nimmt die Spurensicherung den Schaden unter die Lupe. Russom sagt: "Traurig, dass so etwas passiert ist." Er habe sich so etwas in Stuttgart nicht vorstellen können.

Punktuell und wahllos sind Geschäfte beschädigt und geplündert: eine Eisdiele, die Filiale einer Fast-Food-Kette, ein Ein-Euro-Shop. Einen Juwelier hat es besonders getroffen: Hinter den Spanplatten vor der Auslage herrscht gähnende Leere. Aller Goldschmuck ist gestohlen worden. 

Vor einem benachbarten Shopping-Center ist eine zwölfköpfige Truppe des Technischen Hilfswerks mit der sogenannten Eigentumssicherung beschäftigt. Die Männer befestigen zwei Spanplatten an dem zerstörten Eingang in die Mall.

Der CDU-Kandidat für die Stuttgarter Oberbürgermeisterwahl Frank Nopper spricht vor einem Sneakers-Laden, dessen Panzerglas-Fenster einen Einbruch verhinderten, von einem "Gewaltexzess". "Die Bilder haben mich schockiert, so etwa habe ich noch nicht erlebt." Stuttgart sei eine von Liberalität und gegenseitigem Respekt geprägte Stadt. Mit aller Kraft müsse dafür gesorgt werden, dass dies so bleibe.

Ein Passant, der in der Nacht unterwegs war, berichtet, dass es sich bei den Randalierern um sehr junge Menschen zwischen 16 und 20 Jahren gehandelt habe. Das bestätigt ein Paar aus Frankfurt: Am Samstagabend sei zu beobachten gewesen, dass sich auffällig viele junge Menschen am zentralen Schlossplatz aufhielten. Eigentlich habe die Stimmung mit Musik und Tanz noch entspannt gewirkt, sagen die Touristen. Die spätere Eskalation habe man da noch nicht ahnen können.

Titelfoto: Silas Stein/dpa

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