Bahnmanager setzt sich für Schmetterlingswiese und Insektenhotel ein: Hier könnt Ihr sie sehen

Stuttgart - Nikolaus Hebding zieht das Rad dem Auto vor und lässt Insektenhotels aufstellen. Er arbeitet aber nicht als Umweltschützer, sondern als Bahnhofsmanager. Sein Unternehmen wirbt mit Ökostrom und Klimaneutralität. Und wenn das einer verkörpert, dann Hebding.

Der Bahnhofsmanager Nikolaus Hebding steht auf der "Schmetterlingswiese" im Renninger Bahnhof.
Der Bahnhofsmanager Nikolaus Hebding steht auf der "Schmetterlingswiese" im Renninger Bahnhof.  © Tom Weller/dpa

Bahnfahren beschäftigt Nikolaus Hebding nicht nur privat, wenn er zwischen Mannheim und Stuttgart pendelt, sondern auch beruflich. In der Landeshauptstadt arbeitet er als Bahnhofsmanager. Er ist aber kein gewöhnlicher Manager, sondern einer der wenigen, die an einem Bahnhof eine Schmetterlingswiese und ein Insektenhotel errichten lassen haben. Was hat es damit auf sich?

Das Grüne ist in der "Unternehmensstrategie der Deutschen Bahn verankert", wie er im Behördendeutsch sagt. "Wir wollen ökologischer Vorreiter sein." Dann platzt es doch aus ihm heraus und der Manager wird zum Privatmensch: "Ja, ich steh auf Bio und regional. Ich bin schon immer viel Fahrrad gefahren." Sein ländliches Aufwachsen habe das ökologische Denken geprägt.

Hebding, 52 Jahre alt, ist in der Nähe von Freiburg aufgewachsen. Schon sein Großvater und sein Vater waren bei der "Eisenbahn". Der Weg zur Bahn war vorgezeichnet, sagt er. Seit 1989 ist er dort. 

Nach der Ausbildung und kurzen Zwischenstationen lenkte er ab 2003 als Bahnhofsmanager in Stuttgart die Geschicke, zwischendurch war er Manager in Hamburg. Mittlerweile ist Hebding Chef von 93 Bahnhöfen in Baden-Württemberg, 140 Mitarbeiter hat er in Stuttgart. Hebding ist einer von sechs Managern im Südwesten. Er kümmert sich zum Beispiel um die Vermietung der Bahnhofsgebäude oder er erteilt Aufträge, wenn Aufzüge und Bahnhöfe beschädigt sind.

Hedbing kennt den Stuttgarter Bahnhof in- und auswendig

Der Bahnhofsmanager Nikolaus Hebding steht vor Blumenkästen aus ausrangierten Europaletten im Stuttgarter Hauptbahnhof. Die Auszubildenden der Deutschen Bahn haben mit dem Projekt "Das ist Grün" den Hauptbahnhof in Stuttgart begrünt.
Der Bahnhofsmanager Nikolaus Hebding steht vor Blumenkästen aus ausrangierten Europaletten im Stuttgarter Hauptbahnhof. Die Auszubildenden der Deutschen Bahn haben mit dem Projekt "Das ist Grün" den Hauptbahnhof in Stuttgart begrünt.  © Tom Weller/dpa

An diesem Spätsommertag trägt Nikolaus Hebding bei der Begrüßung im Stuttgarter Kopfbahnhof ein grünes Hemd. Stolz präsentiert er Blumen, die in aufrecht stehenden Paletten von Azubis gepflanzt wurden. 

Wenig später eilt er durch die Halle in Richtung der S-Bahn im Untergrund. Den Bahnhof kennt er in- und auswendig. Von den vielen Eindrücken und Menschen lässt er sich nicht ablenken. Die Leute sagten immer, er renne so durch den Bahnhof, erzählt Hebding. Er mag es nicht, wenn vor ihm getrödelt wird. "Kommt Leute, bewegt euch ein bisschen", sagt er lachend.

Später in der S-Bahn wippt er mit den Füßen. Hebding mag es, wenn er und sein Job in Bewegung sind. Auch in seiner Freizeit bewegt er sich, läuft seit einigen Jahren bei "Iron Man"-Marathons mit. Und er tritt gerne in die Pedale, ganze zehn Räder besitzt er.

Hebding weiß um die aktuellen Debatten: Auto gegen Rad, Flugzeug gegen Bahn. Klimakatastrophe. Flugscham. Er, der grüne Bahnhofschef, ist ein Freund des "Mittelmaßes", wie er sagt. Von dogmatischen Auto- und Flugverboten hält er nichts. Persönlich kann er dem Auto aber nicht viel abgewinnen, seinen Dienstwagen rührt er selten an. "Ich fahre Auto, ich fliege auch. Aber am liebsten fahre ich Rad und Zug."

An diesem Spätsommertag will Hebding seinen Projektbahnhof in Renningen (Kreis Böblingen) zeigen. Er kümmerte sich dort um Insektenhotels und eine Schmetterlingswiese. Künftig solle das Standard sein. Sein Job sei ökologischer geworden. Wenn der Manager über "Mutterboden" und "mageren Boden" redet, dann könnte auch der Eindruck entstehen, er arbeitet als Gärtner.

Während der Fahrt zeigt er auf eine Fläche. "Hier müssten wir den Boden auf zwanzig Zentimeter wegmachen, magere Erde mit einer Kräutermischung drauf schütten und zweimal im Jahr mähen." Die Bahn arbeitet mit Dienstleistern zusammen, die Gärtner entsenden. Arbeitsabläufe haben sich verändert: "Unsere Reinigungsmitarbeiter gießen jetzt zusätzlich auch die Blumen", sagt Hebding.

Dabei haben die Reinigungskräfte oft schon alle Hände voll zu tun mit Vandalismus: Graffiti auf den S-Bahnen oder Zigarettenstummel auf den Bahnsteigen. All das könnte einen Mitarbeiter der Deutschen Bahn pausenlos aufregen. Doch Nikolaus Hebding bleibt ruhig: "Wir machen es einfach wieder sauber." Zerstörungswütige dürften schnell ihre Lust verlieren, wenn sie mitbekämen, wie Hebding reagiert: "Der Vandalismus schreckt mich nicht ab."

Naturschützer freuen sich über die Projekte

Der Bahnhofsmanager Nikolaus Hebding steht an der "RegioRad Stuttgart" Station am Renninger Bahnhof.
Der Bahnhofsmanager Nikolaus Hebding steht an der "RegioRad Stuttgart" Station am Renninger Bahnhof.  © Tom Weller/dpa

In Renningen angekommen zeigt Hebding seinen "Testbahnhof". Stolz präsentiert er das hoch gewachsene Gras der Schmetterlingswiese, darauf ist das Insektenhotel platziert. Neben dem Bahnhof entsteht ein sogenanntes Tiny House, also ein Mini-Haus, das bald einen Kiosk beherbergen soll.

Die Projekte freuen auch den Landesverband des Naturschutzbunds (NABU). Auf eigenen Grundstücken Biodiversität zu schützen und gegen das Artensterben aktiv zu werden, ist eine gute Sache, wie Sprecherin Claudia Wild sagt. Vor allem könne die Bahn mit ihren Projekten ein Vorbild für die täglichen Pendler sein. Wichtig ist laut Wild eine fachgerechte Umsetzung: "Damit die genutzten Pflanzen nicht nur optisch was hermachen, sondern auch der Tierwelt nutzen."

Die ökologischen Projekte in Renningen sind bundesweit sehr selten, wie eine Sprecherin der Bahn in Stuttgart sagt. "Es wäre toll, wenn viele Kollegen mitmachen", findet Hebding. Vernetzung bedeutet für ihn das Bahnfahren der Zukunft: E-Scooter und E-Räder stünden dann überall bereit. 

Der Kunde komme an den Bahnhof mit einem Flugtaxi, einem elektrischen Ultraleicht-Fluggerät. Hebdings Ziel: In Stuttgart soll das erste Taxi des Unternehmens "Volocopter" landen.

Titelfoto: Tom Weller/dpa

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