Stuttgarter Krawalle: Polizei durchforstet Stammbäume der Tatverdächtigen

Stuttgart - Wer waren die Randalierer der Stuttgarter Krawallnacht (TAG24 berichtete)? Das wollen die Behörden jetzt besonders gründlich herausfinden - und werden dafür kritisiert.

In der Nacht vom 20. auf den 21. Juni musste die Polizei in Schutzmontur ausrücken.
In der Nacht vom 20. auf den 21. Juni musste die Polizei in Schutzmontur ausrücken.  © Simon Adomat/dpa

Denn wie die Stuttgarter Nachrichten melden, werden derzeit die Stammbäume der Tatverdächtigen recherchiert. Dies habe Polizeipräsident Franz Lutz (65) am Donnerstagabend angekündigt.

Laut Zeitung war Lutz im Stuttgarter Gemeinderat, um über den aktuellen Stand der Ermittlungen zu berichten. Auf Antrag der CDU.

Im Stadtparlament kündigte Lutz nach Zeitungsangaben an, auch bei den Tatverdächtigen mit deutschem Pass deutschlandweit Stammbaum-Recherche zu betreiben. Helfen sollen dabei die Landratsämter. 

Das Vorgehen erntet neben Lob auch Kritik, etwa vom obersten Datenschützer Baden-Württembergs, Stefan Brink (54): "Aus unserer Sicht ist eine rechtliche Grundlage für solche Nachforschungen zunächst nicht erkennbar."

"Wie viele Generationen muss man in Stuttgart leben, um als Bürger dieser Stadt anerkannt zu werden", wollte Stadtrat Marcel Roth (Grüne) wissen. Die Stammbaum-Recherche passt dem Grünen laut Zeitung gar nicht: "Vor dem Gesetz muss jeder gleich sein, egal, woher er kommt."

Rückhalt bekommen die Ermittler laut des Berichts jedoch aus der CDU. Auf Facebook schrieb Thrasivoulos Malliaras (28), Vorsitzender der Jungen Union in Stuttgart: "Wir sind uns alle einig, dass man gezielter in die Präventionsarbeit gehen muss mit allerlei Maßnahmen im Bereich der Straßensozialarbeit." 

Und wer gezielter arbeiten wolle, der brauche genauere Infos. Einschließlich der Herkunftsgeschichten der Tatverdächtigen.

Polizei verweist auf öffentliches Interesse an den Krawallen

Bei der Polizei verweist man gegenüber der Zeitung auf das öffentliche Interesse an den Krawallen. 

"Die grundlegende Erhebung personenbezogener Daten bemisst sich an der Schwere des Delikts, hier kommt dazu, dass ganz Deutschland auf den Fall blickt", zitieren die Stuttgarter Nachrichten einen Pressesprecher.

Demnach würden Fragen gestellt wie etwa: Wer waren die Täter, politisch, geschlechtlich, welche Nationalität, Migrationshintergrund oder nicht? Letzteres sehe man bei "einem Elternteil ohne deutsche Staatsbürgerschaft" erfüllt.

Welche Bedeutung haben die Pässe der Eltern? "Beim Jugendstrafrecht kann es zum Beispiel schon eine Rolle spielen, ob ein Angeklagter aus einem Kriegsgebiet kommt“, so der Sprecher.

Wie berichtet hatten in der Nacht vom 20. auf den 21. Juni Hunderte junge Menschen in der Stuttgarter Innenstadt randaliert, geplündert und die Polizei attackiert. Die meisten von ihnen hatten einen Migrationshintergrund, schrien etwa "Allahu Akbar" und beschimpften die Beamten als "Hurensöhne".

Titelfoto: Simon Adomat/dpa

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