Das wollen Städte unternehmen, damit weniger Geschäfte schließen müssen

Mannheim - Es ist ein Teufelskreis in vielen Städten: Bewährte Einzelhändler schließen, Kaufhäuser machen dicht, die City verliert an Anziehungskraft - und die Kunden wandern in den Internethandel ab. Was tun? Der Städtetag sucht nach Auswegen.

Ein Schild mit der Aufschrift "Yes...we are Open" ist kurz nach Ladenschluss an einem geschlossenen Geschäft zu sehen. Viele Kunden entscheiden sich für den Onlinehandel.
Ein Schild mit der Aufschrift "Yes...we are Open" ist kurz nach Ladenschluss an einem geschlossenen Geschäft zu sehen. Viele Kunden entscheiden sich für den Onlinehandel.  © Sven Hoppe/dpa

Die Corona-Pandemie hat den Trend zum Online-Handel verstärkt - und stellt damit die Innenstädte vor große Herausforderungen. Auch das Schließen von Kaufhäusern wie zuletzt bei Galeria Karstadt Kaufhof und die Aufgabe alteingesessener Einzelhandelsgeschäfte machen den Städten zu schaffen. 

Wie man die City als attraktiven Ort dennoch erhalten kann, das ist Thema der Präsidiumssitzung des Deutschen Städtetags an diesem Dienstag in Mannheim. Ergebnisse des Treffens von 20 Oberbürgermeistern werden in einer Pressekonferenz (12.45 Uhr) bekanntgegeben.

Vor Kurzem hatte der Verband schon vorgeschlagen, den Kommunen den Erwerb von Immobilien in zentralen Lagen zu erleichtern. 

Ziel: mehr Orte der Begegnung, mehr soziale Einrichtungen sowie gemischtes Wohnen und Arbeiten. Dazu könne etwa die Städtebauförderung erweitert werden.

Weiterer Schwerpunkt der Tagung ist der Rechtsanspruch von Grundschulkindern auf Ganztagsbetreuung.

Update 15.41 Uhr: Coronavirus verstärkt Verödung der Innenstädte

Das Coronavirus trägt aus Sicht der Kommunen zur Verödung der Innenstädte bei. "Die Corona-Pandemie wirkt wie ein Katalysator: Sie forciert den Online-Handel und könnte viele Einzelhändler zur Geschäftsaufgabe zwingen", sagte Städtetagspräsident Burkhard Jung am Dienstag in Mannheim. Um Dominoeffekte zu vermeiden, müsse jetzt gehandelt werden. Der Verband fordert eine höhere Städtebauförderung von Bund und Ländern für innovative Innenstadtkonzepte über die derzeit 790 Millionen Euro jährlich hinaus.

Zudem solle das Vorkaufsrecht der Kommunen beim Erwerb von Liegenschaften gestärkt werden, betonte Jung, der auch Leipziger Oberbürgermeister ist. Das in Mannheim zusammengekommene Präsidium des Verbandes schlug überdies vor, dass Kommunen mittels eines von Bund und Ländern gespeisten Fonds Schlüsselimmobilien wie aufgegebene Kaufhausfilialen vorübergehend erwerben können. Mit diesen Gebäuden könnten dann die Zentren neu entwickelt werden.

Die 20 Oberbürgermeister wollen dafür eintreten, den geplanten Rechtsanspruch auf Ganztagesbetreuung von Grundschülern zeitlich zu entzerren. So soll er nicht im Jahr 2025 erfüllt werden, sondern in einer Stufenlösung zwischen 2025 und 2028. Sonst seien viele Kommunen finanziell, räumlich und organisatorisch überfordert. Nach Angaben des Städtetags müssen dafür rund eine Million zusätzliche Plätze geschaffen werden. Auch das dafür notwendige Personal muss auf dem leer gefegten Markt gefunden werden.

Titelfoto: Sven Hoppe/dpa

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