Powerbank als Lebensretter: Mutige Managerin setzt sich für Flüchtlinge ein

Stuttgart - Mitte Februar bricht Antje Göbbel aus Deutschland in die Türkei auf. Ihr Ziel: Als "Managerin ohne Grenzen" wird sie ein Projekt, das Solar-Powerbanks weiterentwickeln und zur Marktreife bringen will, mit ihrem Know-how unterstützen. TAG24 hat sie zum Interview geladen. 

Produktfoto der Solar-Powerbank.
Produktfoto der Solar-Powerbank.  © Stiftung managerohnegrenzen gGmbH

Die Stuttgarter Stiftung "Manager ohne Grenzen" hilft Menschen in Entwicklungsländern selbst wirtschaftlich zu werden. Managerin Antje Göbbel (36) unterstützt ein Integrations-Projekt beziehungsweise eine Social Business Idee in der Türkei. 

Die NGO IMECE INISIYATIVE (imece ist das türkische Wort für Kollektivarbeit) in der Nähe von Çesme/Izmir entwickelt diese Idee aus einem Flüchtlingsprojekt. Doch wie kamen sie darauf?

Viele Syrer versuchen über die Türkei nach Griechenland und damit nach Europa zu kommen. Zunächst leistet die ortsansässige NGO humanitäre Ersthilfe, in denen sie Wasser, Lebensmittel und Kleidung verteilen. 

Doch dann stoßen sie auf ein weiteres Problem: "Heute hat nahezu jeder ein Handy, aber viele Flüchtlinge haben nicht immer Zugang zu Elektrizität", sagt Göbbel. 

Daher entwickelt die 2015 gegründet Organisation eine Solar-Powerbank, mit zusätzlich eingebauter Taschenlampe, die SOS-Zeichen senden kann, "damit in Seenot geratene Menschen sich bemerkbar machen konnten". 

Außerdem solle es den Menschen auf der Flucht ermöglichen, Kontakt zu anderen Geflüchteten und der Familie per Handy zu halten. 

Als die Zahl der Flüchtlinge zurückgeht, entsteht eine neue Idee

Besprechung mit den Projekt-Teilnehmern.
Besprechung mit den Projekt-Teilnehmern.  © Stiftung managerohnegrenzen gGmbH

Die Zahl der Flüchtlinge geht zurück, doch manche Syrer lassen sich in der Türkei nieder. "Viele Männer arbeiten als Erntehelfer in den verschiedensten Teilen des Landes, während die Frauen nahe Izmir blieben", erklärt die Managerin. 

Daher entwickelt sich aus dem Flüchtlingsprojekt ein Integrationsprojekt mit den Namen "Solar Age Project". Arbeitsplätze für die Frauen sollten durch die Entwicklung und Herstellung der Powerbanks geschaffen werden.

Die NGO trat an "Manager ohne Grenzen", damit sie vor Ort die Entwicklung des Business mit Know-How unterstützen. 

"Wir überarbeiteten die Prozesse, adaptierten die Produktidee und entwickelten Vermarktungsideen und das nicht belehrend, sondern gemeinsam", sagt Göbbel.

Corona-Pandemie verändert alles

Abseits des Projekts gibt es auch Zeit für Antje Göbbel, um mit den Kindern etwas zu basteln.
Abseits des Projekts gibt es auch Zeit für Antje Göbbel, um mit den Kindern etwas zu basteln.  © Stiftung managerohnegrenzen gGmbH

Doch die Pandemie zwingt die Managerin plötzlich, in der letzten Märzwoche das Land zu verlassen. "Der Seeweg war dicht, der Landweg auch. Ich bekam den letzten Flieger nach Deutschland", sagt Göbbel.

Das Projekt läuft weiter - anders, denn die Arbeit findet online statt. "Für die Organisation war das eine herausfordernde Aufgabe, denn nicht überall auf der Welt ist ein stabiles Internet gegeben und alle relevanten Arbeitsmittel, wie Handys oder Laptops und Programme verfügbar, doch wir haben das gemeistert und können weiterhin tätig sein."

Die Wahl-Kölnerin betreut das Projekt ehrenamtlich und doch bekommt sie so viel: "Die Erfahrungen sind unendlich bereichernd und erdend und man versteht, warum das Miteinander so wichtig ist".

Aus dem Interesse für Länder und Wirtschaft wird ein Ehrenamt

Rückblick: Antje Göbbel mit Kindern in Kenia.
Rückblick: Antje Göbbel mit Kindern in Kenia.  © Antje Göbbel

Wie kommt man zu so einem Engagement? Antje Göbbel hat eine Leidenschaft für ferne Länder und Kulturen und dies gepaart mit ihrem BWL und Politik Studium ergibt eine herausragende Kombination für "Manager ohne Grenzen".

Nach einigen Jahren in der Werbebranche machte Göbbel mit 29 Jahren eine knapp zweijährige Weltreise und legte damit den Grundstein für ihr Engagement.

Über einen Zufallskontakt half sie in Kenia bei einer Organisation, die Schulbildung von Halb- und Vollwaisen zu verbessern. Ein zweites Projekt führte sie für mehrere Monate nach Guatemala, wo sie ein Recyclingprojekt auf die Beine stellte. Dabei werden Abfallstoffe, die bei der Kaffeeherstellung entstehen, als organischer Dünger recycelt.

Nach dieser prägenden Erfahrung wird Göbbel klar, dass sie ihr Wissen aus ihrem Studium und Beruf gerne weitergeben möchte und damit Menschen helfen will.

Neben Antje Göbbel arbeiten seit der Gründung bereits über 150 Manager in den verschiedensten Projekten. "Manager ohne Grenzen" hat bereits über 150 Projekte in mehr als 40 Ländern unterstützt. Die Idee hatte Betriebswirtin Helene Prölß, die noch heute für die Stuttgarter Stiftung arbeitet.

Das Ziel von "Manager ohne Grenzen" ist es, Menschen auf Augenhöhe Wissen zu vermitteln, damit sie selbst wirtschaftlich eigenständig arbeiten können.

Titelfoto: Stiftung managerohnegrenzen gGmbH

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