Nach Oktoberfest-Aus: Auch der Cannstatter Wasen fällt flach!

Stuttgart - Nach der Absage des Münchner Oktoberfests wegen des Coronavirus findet auch das Cannstatter Volksfest in Stuttgart erneut nicht statt.

Sonst zieht der Wasen Menschenmassen an. (Archiv)
Sonst zieht der Wasen Menschenmassen an. (Archiv)  © Tom Weller/dpa

Das teilte die Stadt am Mittwoch mit. Das zweitgrößte Volksfest in Deutschland war vom 24. September bis zum 10. Oktober 2021 geplant.

Vor Corona haben jedes Jahr rund vier Millionen Menschen das Volksfest besucht. Zuerst hatte die Bild berichtet.

Schausteller und Marktkaufleute mit Ständen und Fahrgeschäften sollen sich in der City präsentieren dürfen und der Weihnachtsmarkt wird verlängert, wie die Deutsche Presse-Agentur von der Stadt erfuhr.

Die 7-Tage-Inzidenz in der baden-württembergischen Hauptstadt lag zuletzt bei 35,7.

Anders als in München, wo die Entscheidung über das Oktoberfest bereits Anfang Mai gefallen war, hatte die Stadt Stuttgart zuletzt immer wieder betont, sie werde zum "spätmöglichsten Zeitpunkt" entscheiden.

Nach einem mehrstündigen Treffen zwischen Stadt, der in.Stuttgart Veranstaltungsgesellschaft sowie Vertretern der Schausteller, Marktkaufleute und Festwirte hieß es in einer Pressemitteilung: "Das Cannstatter Volksfest kann auch in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie weder als Vollversion noch als Lightversion in Form eines kleineren Herbstfestes stattfinden. Stattdessen werden sich die Schausteller und Marktkaufleute von Juli bis September mit Ständen und Fahrgeschäften in der Stuttgarter Innenstadt präsentieren. Außerdem soll der Weihnachtsmarkt – wenn es das Infektionsgeschehen zulässt – bis einschließlich 30. Dezember 2021 verlängert werden. Dies will der OB so dem Gemeinderat empfehlen."

Eine Alternative zum Wasen?

Stuttgarts OB Frank Nopper (60, CDU)
Stuttgarts OB Frank Nopper (60, CDU)  © Marijan Murat/dpa

Oberbürgermeister Frank Nopper (60, CDU) sagte: "Ich bin ein leidenschaftlicher Freund und Anhänger unseres Cannstatter Volksfestes. Aber leider lassen es die Rahmenbedingungen und Einschränkungen in Pandemiezeiten sowie die fehlende Planungssicherheit nicht zu, das Cannstatter Volksfest in diesem Jahr durchzuführen."

Um den Schaustellern und Marktkaufleuten entgegen zu kommen, bietet ihnen die Stadt laut Mitteilung für den Zeitraum Juli bis September etwa 30 Standorte in der Innenstadt an, an denen sie ihre Stände und Fahrgeschäfte aufbauen können. Die Stadt will hierfür auch das Land gewinnen. "Mein Vorschlag ist es, die Stände um die Königin der Fahrgeschäfte, um ein Riesenrad, zu ergänzen", sagte Nopper.

Die erneute Absage trifft wirtschaftlich nicht nur Schausteller, Wirte und Budenbesitzer, sondern auch Hotels, Gaststätten, Taxifahrer und Einzelhändler. Am Wasen hängen laut der Homepage rund 2500 Arbeitsplätze direkt.

Der Cannstatter Wasen ist ein rund 25 Hektar großes Festgelände im Stuttgarter Stadtbezirk Bad Cannstatt. Das direkt am Ufer des Neckars gelegene Areal ist Teil des Veranstaltungsgeländes NeckarPark.

Dazu gehören unter anderem die Mercedes-Benz Arena sowie das Mercedes-Benz Museum. Neben den beiden großen Volksfesten – dem Stuttgarter Frühlingsfest und dem Cannstatter Volksfest – finden dort auch viele andere Veranstaltungen statt.

Update: 18.06 Uhr

Einige Betriebe werden Krise nicht überstehen

"Da blutet einem das Herz, das ist schließlich unser Arbeitsplatz", sagte der Chef des Schaustellerverbands im Südwesten, Mark Roschmann, der Deutschen Presse-Agentur.

Die Schausteller hätten seit Beginn der Corona-Krise fast gar nicht arbeiten können und nur einen geringen Teil des Umsatzes eingefahren. "Wir haben gekämpft bis zum Schluss und es ist frustrierend, aber wir müssen den Willen der Stadt und die unsicheren Prognosen des Gesundheitsministeriums akzeptieren", sagte er.

In der Branche der Schausteller und Marktkaufleute, die Schätzungen zufolge etwa 1000 Betriebe mit 3000 Beschäftigten zählt, sind fast ausschließlich Familienbetriebe aktiv. "Einige werden die Krise nicht überleben", hatte Roschmann zuletzt vorhergesagt.

Die Möglichkeit, Stände und Fahrgeschäfte in der City aufzubauen, sei "ein Bonbon, das ist immerhin besser als gar nichts".

Titelfoto: Tom Weller/dpa

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