Coronavirus: Absage größerer Veranstaltungen! VfB-Spiel findet statt

Stuttgart - Ein Fußballspiel ohne Zuschauer? Eine Oper vor leeren Rängen? Unter Druck beraten Veranstalter in Baden-Württemberg darüber, ob sie ihr Programm einschränken oder sogar absagen müssen. Gesundheitsminister Manne Lucha appelliert bereits an sie.

In einem Labor wird ein Coronavirus-Test durchgeführt. 
In einem Labor wird ein Coronavirus-Test durchgeführt.  © DPA / Sebastian Gollnow

Wegen des neuartigen Coronavirus empfiehlt auch der baden-württembergische Landesgesundheitsminister Manne Lucha (Grüne), Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern abzusagen. 

Lucha schließe sich einem Appell von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) an, sagte sein Sprecher am Montag in Stuttgart. "Wir unterstützen das. Gesundheitsschutz geht vor." 

Entscheiden müssten aber die Veranstalter oder - in einem entscheidenden letzten Schritt - die Kommunen. Von solchen Absagen betroffen sein könnten unter anderem Bundesligaspiele, Messen und große Konzerte.

Sorgen bereiten dem Ministerium, den südbadischen Kommunem und den Gesundheitsbehörden neben den Reiserückkehrern aus dem Risikogebiet Südtirol auch die steigenden Fallzahlen aus Südfrankreich sowie dem Elsass. "Es gibt viele Pendler und teilweise unterrichten auch Lehrer aus den Grenzgebieten bei uns", sagte ein Sprecher des Landratsamtes in Offenburg.

Im Lauf des Montags wollten Veranstalter im Südwesten wichtige Entscheidungen unter anderem im Sport und in der Kultur treffen. Unter anderem will der Fußball-Zweitligist VfB Stuttgart entscheiden, ob das Spitzenspiel gegen Tabellenführer Arminia Bielefeld am Abend (20.30 Uhr) mit Zuschauern ausgetragen wird oder als "Geisterspiel" vor leeren Rängen. Am Vorabend hatte der Verein mitgeteilt, eine Absage sei nicht geplant. Auch andere Veranstalter wie die Staatsoper in Stuttgart und das Festspielhaus in Baden-Baden wollen im Lauf des Tages über mögliche Einschränkungen beraten. Die Messe in Stuttgart plant nach Angaben von Montag keine weiteren Einschränkungen.

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) schloss weiter flächendeckende Schulschließungen aus. "Es ist aber eine dynamische Lag", sagte sie am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Mehrere Schulen in Baden-Württemberg haben bereits vorübergehend den Betrieb eingestellt.

Am Wochenende war die Zahl der Infektionen mit dem neuartigen Virus in Baden-Württemberg sprunghaft gestiegen. Am Samstag waren von den Behörden landesweit 66 neue bestätigte Fälle gemeldet worden, am Sonntag kamen noch einmal mindestens 17 hinzu. Die Zahl der Infizierten sei damit im Südwesten auf 199 gestiegen, sagte ein Sprecher des Sozialministeriums. Viele von ihnen seien Reiserückkehrer aus Südtirol. Die Region war zuletzt zum Risikogebiet erklärt worden. 

Auch bundesweit steigen die Zahlen weiter. Die weitaus meisten Fälle bundesweit verzeichnet weiterhin Nordrhein-Westfalen vor Baden-Württemberg und Bayern.

VfB Stuttgart gegen Bielefeld findet statt

Update 14.24 Uhr: Die Partie zwischen dem VfB und Arminia Bielefeld wird am Montag (20.30 Uhr) ausgetragen. Die Stadt teilte mit: "Nach intensiven Gesprächen mit dem VfB Stuttgart sowie der Stadt Stuttgart am Montagvormittag wird das Spiel VfB Stuttgart gegen Arminia Bielefeld am heutigen Montag noch stattfinden." 

Weiter hieß es: "Ausschlaggebend hierfür waren bei der sorgfältigen Abwägung der Güter vor allem polizeiliche Aspekte und Fragen der Sicherheit“, sagte Lucha. Viele auswärtige Fans seien schon auf dem Weg nach Stuttgart gewesen."

Update 14.50 Uhr: Die Schwaben verschickten am Montag wegen des neuartigen Coronavirus noch einmal ausdrücklich Hinweise an die Besucher der Partie. "Bei der Personenkontrolle an den Stadioneingängen ist dem Ordnungsdienst nach Aufforderung der Rücken zuzudrehen, sodass bei der Kontrolle kein direkter Face-to-Face-Kontakt entstehen kann", hieß es in der Mitteilung des VfB. Dies könne "eine längere Kontrolldauer" mit sich bringen, fügte der Fußball-Zweitligist an.

Das städtische Gesundheitsamt verfügte zudem laut Mitteilung, dass ein Stadionbesuch nach einem Aufenthalt in einem Risikogebiet in den vergangenen 14 Tagen gemieden werden soll. Auch Menschen, die in diesem Zeitraum in Kontakt mit einem bestätigten Infizierten standen, sollen dem Stadion am Abend fernbleiben.

Der VfB bekräftigte noch einmal die gemeinsame Entscheidung "in Abstimmung mit den Sicherheitsbehörden", die Partie wie geplant zu veranstalten. VfB-Vorstandsmitglied Stefan Heim sagte: "Die Gesundheit unserer Fans und Stadionbesucher, unserer Sportler und unserer Mitarbeiter steht für uns immer im Fokus." Man habe die empfohlenen Präventionsmaßnahmen getroffen und stehe sowohl mit den Behörden, als auch mit DFB und DFL "in engem Austausch".

Gesundheitsminster Lucha in einem Labor. 
Gesundheitsminster Lucha in einem Labor.  © DPA / Sebastian Gollnow
Im Hinspiel: Der Torschütze Hamadi Al Ghaddioui (2.v.r) aus Stuttgart schiebt ein zum 0:1 gegen Bielefelds Amos Pieper (r), Joakim Nilsson (2.v.l) und Torwart Stefan Ortega (l).
Im Hinspiel: Der Torschütze Hamadi Al Ghaddioui (2.v.r) aus Stuttgart schiebt ein zum 0:1 gegen Bielefelds Amos Pieper (r), Joakim Nilsson (2.v.l) und Torwart Stefan Ortega (l).  © Friso Gentsch/dpa

Titelfoto: DPA / Sebastian Gollnow

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