Nach Tod von George Floyd: Kretschmann warnt vor "Tugendterror"

Stuttgart - Ministerpräsident Winfried Kretschmann hält an seiner Lieblingsphilosophin fest, obwohl sie unter Rassismusverdacht geraten ist.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann.
Ministerpräsident Winfried Kretschmann.  © Sebastian Gollnow/dpa

"Hannah Arendt war das nackte Gegenteil einer Rassistin", betonte der Grünen-Politiker in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart

"Die Verschiedenheit von Menschen ist sozusagen das Grundlagenprogramm ihrer politischen Philosophie. Ob sie da jetzt irgendwelche Vorurteile hatte, die man zu ihrer Zeit über Afrikaner hatte, ist eine ganz andere Frage."

Nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz im Mai in den USA hat die Rassismusdebatte auch das Werk von Hannah Arendt (1906-1975) erfasst. Denn die Publizistin behauptete, dass Afroamerikaner selbst mitschuldig seien am Rassismus.

Kretschmann warnte vor einem Sturm gegen historische Denkmäler und Vorbilder: "Ich bin ein ganz strikter Gegner von diesem Jakobinismus. Wir können die Geschichte nicht rückwärts bereinigen." 

Selbst der große Philosoph Immanuel Kant (1724-1804) sei etwa in seinem Frauenbild zu sehr ein Kind seiner Zeit gewesen. "Das sollten wir diesen großen Geistern nicht zum Vorwurf machen. Das finde ich unsinnig und arrogant. Wir wissen seit der Französischen Revolution, wohin der Tugendterror führt - zu nichts Gutem."

Titelfoto: Sebastian Gollnow/dpa

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